Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Toni Kater – Sie fiel vom Himmel

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von David Wonschewski

Dass Toni Kater ihre Wurzeln im Universum von 2Raumwohnung hat, auf deren Label it-sounds sie ihre ersten zaghaften Schritte als veröffentlichende Künstlerin unternahm, ist bereits nach wenigen Sekunden nicht mehr zu leugnen, wenn die gebürtige Sachsen-Anhaltinerin mit „Verwirrt“ einen Eröffnungstrack abliefert, der, tja, as Humpe is as Humpe could be. Sozusagen. Womit die Referenzen in Richtung NDW oder Retro-NDW, alte oder neue Berliner Schule jedoch auch bereits abgearbeitet wären, erweist sich Toni Katers drittes Album „Sie fiel vom Himmel“ doch als wahrliches Sammelsurium an Soundklängen.

Ja, das prototypische Singer/Songwriter- oder gar Liedermacherkorsett, es erscheint der studierten Musikwissenschaftlerin ganz eindeutig viel zu klein zu sein, gibt es neben introvertierten Akustik-Kleinoden („Venedig“, „Fuchslied“) doch von an Benjamin Biolay erinnernden, modern interpretierten Electro-Chansoneinlagen („America“), Pop der Marke Silbermond oder Juli ( „Krass“) bis hin zu gemäßigten Indie-Noise-Ausbrüchen („Sie fiel vom Himmel“) eine ganze Menge zu entdecken auf dieser Platte. Nein, festlegen mag Toni Kater sich mit Sicherheit nicht, ihr größter Katalysator scheint die Experimentierlust zu sein, was ganz klar für ihre künstlerische Vielseitigkeit spricht – jedoch etwas gegen den Gesamtgenuss des Werkes. Etwas zerfahren wirkt die äußerst illustre Songzusammenstellung, mit der betont lieblichen Stimmlage von Toni Kater als einzigem, sehr zaghaft gespanntem roten Faden, an dem sich entlang zu hangeln ist. Alles jedoch gar nicht so wunderlich, sind Rudolph Moser von den Einstürzenden Neubauten sowie dem legendären Schneider TM doch gleich zwei Produzenten an Bord, die schon ihr Eigeninteresse daran gehabt haben werden, das Werk nicht zu spartanisch und klangreduziert werden zu lassen.

„Geh nicht kaputt“, neben dem „Fuchslied“ mit Sicherheit einer der hervorstechendsten Songs des Albums, kann dabei durchaus als eine Form von Trademark-Song für „Sie fiel vom Himmel“ herhalten, gesellt sich hier doch ein zerrissen-zerbrechlicher Text zu einem Midtempo-Gerüst aus E-Gitarren, was schließlich in einem modernen Berlin-Soundtrack kulminiert, der moderner derzeit kaum zu finden sein dürfte auf den trendigen Straßen der Hauptstadt. Was bleibt ist der – natürlich hochgradig subjektive – Wunsch, dass Toni Kater sich in Zukunft dennoch vermehrt darauf verlegen möge sich im akustischen und weniger experimentierfreudigen Terrain breit zu machen. Denn genau diese Schlagrichtung ist es, in der sie hier mehrfach brilliert, während alles andere etwas zerfasert.

http://toni-kater.de/

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 25. Februar 2012 von in 2012, I-L, Kater, Toni, Liedermacher, Plattenbesprechungen, Uncategorized und getaggt mit , , , , , , , .
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