Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension Wiliam Wahl – Wie schön wir waren

williamwahl
von David Wonschewski

Doch, das ist schon ein kleines Pop-Juwel, dass sich die ARD da im zurückliegenden Dezember von der Plattenfirma EMI hat aufdrängeln lassen, um die eigene Weihnachtskampagne mit dem William Wahl-Song „Lass es schneien“ zu unterlegen. Denn der Kölner Wahl, klassische Ausbildung sei Dank, ist allem voran ein ausgezeichneter Arrangeur, ein Mann für die auf den Punkt gebrachte Großgeste – und somit wie geschaffen zur pompösen Bildbegleitung. Eine Begabung, die er auf seinem dieser Tage erscheinenden Album „Wie schön wir waren“ gleich mehrfach unter Beweis stellt. Der hervorragende Titeltrack will zwar noch an zurückliegende Großtaten der Münchener Freiheit erinnern, spätestens ab „Tu es sanft“ aber erarbeitet sich der romantikfixierte Songwriter ein ganz eigenes Terrain. Sicherlich, für eher erdverbundene Liedermacherfreunde findet sich hier vielleicht eine Spur zu viel Pathos, etwas viel Streicherbombast, wie auch nicht zu verhehlen ist, dass seine Texte natürlich auch deswegen so ARD-kompatibel sind, da sie so luftig-leicht zusammengezimmert sind, dass nun wirklich niemand auch nur einen kleinen Anstoß daran nehmen könnte. Das ist schon poetisch, wie Wahl sehr klangreduziert das aufs CD bannt, was er selbst als „Kammerpop“ tituliert: denn hier ein Piano, dort einmal ein Cello und selbst diese wie auf Knopfdruck immer wieder hervorspringenden Streicher bringen zwar das benannte Pathos, ohne dabei jedoch zu überfrachten.

Im Gegensatz zu einem zum Beispiel Philipp Poisel, der ähnlich massenkompatibel und einsiedlerisch zugleich daherkommt, suchen wir bei Wahl jedoch etwas vergeblich nach den ganz großen Gänsehautmomenten, hat der Songschreiber bei dem Versuch, seine Texte etwas mehr in Richtung Allgemeingültigkeit zu schleifen doch offenbar auch die ein oder andere Seelentiefe entfernt.

Was somit bleibt ist eine wirklich wunderbare Platte, die sich ganz hervorragend so nutzen lässt, wie eben auch die ARD es getan hat. Als glanzvolle Hintergrunduntermalung, wenn sich draußen, vor dem Fenster, der Frost festsetzt und bei uns drinnen die wohlige Wärme der Heizkörper zirkuliert. Sehr schön ausgearbeitete Songs, die nur den einen Makel haben, dass man mit ihnen eben so gar nichts falsch machen kann.

http://www.williamwahl.de/

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 26. Februar 2012 von in 2012, Liedermacher, Plattenbesprechungen, U-Z, Uncategorized und getaggt mit , , , , , , , , .
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