Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Volker Kittelberger – Kittels Wagner

kitwag
von David Wonschewski

Dass eher romantisch geprägte Liedermacher sich mit Wonne und Wollust ein ganzes Album lang einem einzelnen Dichter aus einer längst vergangenen Epoche widmen, nein, das ist so neu nicht. Und dennoch immer wieder ein höchst erlesenes Erlebnis, denn auch wenn die eherne Liedermacher-Tradition, sich ein Werk in Gänze zu ersinnen und aufzuführen, hier natürlich frappant durchbrochen wird. Doch egal, denn wenn es Musikern gelingt die Sprache eines längst verblichenen Verbal-Genies wie Christian Wagner zum klingen zu bringen, doch, dann ist das ein wenig wie ein Lichttunnel, der uns in eine vergangene Ära führt. Zeitreise mit Musenkuss, sozusagen. Natürlich gehört Christian Wagner (1835-1918), der eher isoliert in seiner schwbischen Heimat vor sich hin fabulierte, nicht zu den ganz großen Namen des alemannischen Dichter-Who-is-Who – muss er aber auch gar nicht, sind nicht zuletzt dank seiner Prägung die dunklen Großgeister eines Hermann Hesse oder Thomas Bernhard entsprungen, wie auch Peter Handke sich ausufernd mit ihm beschäftigte. Volker Kittelberger, selbst schwäbisches Urgewächs und schon von frühester Jugend an immer wieder mit Wagner konfrontiert, hat dabei den interessanten Versuch unternommen, sich vor allem den dunklen Momenten in dessen Lyrik zu nähern. „Ich wollte die dunklen Momente in Christian Wagners Lyrik widergeben, nicht seine Blumengedichte“, so Kittelberger. „Wollte seine Einsamkeit, Wut und Verzweiflung zeigen, das Unverständnis, auf das er in seiner begrenzten dörflichen Welt traf.“

Wie sehr einer wie Kittelberger durch seine intensive Beschäftigung mit Wagner längst mit dessen Werk verwachsen ist, erleben wir nun in voller Länge auf „Kittels Wagner“, einem Poesie-Experiment, das tatsächlich wie aus einem Guss daherkommt. Immer wieder durch Stücke in Mundart unterbrochen erschließt Kittelberger uns die emotionale Welt eines Sonderlings, ohne in musikalisch dabei zu verzerren, ja gar zu verbiegen. Gitarre, Stimme, Mundharmonika – viel mehr braucht der studierte Architekt nicht, um den bereits erwähnten Zeittunnel vor uns auszubreiten und uns Wagner sanft ins Ohr zu legen.

In Aufmachung und Produktion ein besonders erlesenes Liebhaberwerk – mehr davon, Herr Kittelberger!

http://www.kittelswagner.de

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: