Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Tom Liwa – Goldrausch

tomliwagoldrauschvon David Wonschewski

Dass Tom Liwa zu jenen besonders verhuschten und in Selbstkritik badenden Geistern gehört, ist bereits am Booklet seiner neuen CD „Goldrausch“ bemerkenswert gut zu erkennen, finden sich dort doch scheinbar, wie gewohnt, die Texte der Songnovitäten. Scheinbar. Denn was Liwa dem geneigten Nachblätterer vor das Auge bringt sind allenfalls Textfetzen, durchgeschstrichen, abgerissen, bis zu Unkenntlichkeit verzerrt – und somit aus sich heraus als unwichtig gebrandmarkt. Künstlerisch ein netter Griff, de facto aber schade, bietet „Goldrausch“ doch eine ganze Menge Verbalien, die es sich Satz für Satz zu verschriftlichen, ja gar für die Nachwelt zu konservieren lohnen würde. Fast durchweg traurig geht es zu, wenn der gebürtige Duisburger Liwa auf seiner Ukulele von den niederdrückenden Weggabelungen des Lebens singt. „Ein kleines Mädchen wird geboren, mein bester Freund wird Vater/ Das Leben fliegt uns um die Ohren, die Zeit steht still für einen Bruchteil von Sekunden und dann – fängt die Welt von vorne an“ heißt es beispielsweise in „Günther geht, Anna kommt“. Und nein, bei durchaus tröstlich-gegerbten Lebensphilosophien dieser Coleur handelt es sich bei einem Liwa nicht um Zufallstreffer, buddelt sich doch fast der gesammte „Goldrausch“ ein im Leid des singenden Kindes, das verwundert bemerkt, dass es längst erwachsen geworden ist.

„Yoyo“ ist – wie die gesamte Platte – eine einzige vertonte Liebeserklärung an die Flüchtigkeit des schönen Augenblicks, in gekonnt erzählerischem Sprechgesang serviert und so gewollt ungewollt daher fabuliert, dass sich die Umrisse der geliebten Yoyo nur ganz zaghaft geflüstert und blassen Farbtupfern gleich ergeben. „Wohin mit dem verheulten Gesicht?“, eines der wenigen Uptempo-Stücke, wartet mit Cello, Perkussion und Bass auf – ist vollkommen bezeichnend aber schon nach neunzig Sekunden wieder vorbei, um in „Krähen zählen“ zu münden, dem vielleicht besten unter all den hervorragenden Songs, der an trauriger Sprachlosigkeit und drohender emotionaler Taubheit schlichtweg nicht besser zusammengetextet hätte werden können. „Und wenn du Gott zum Lachen bringen willst, dann erzähl ihm von deinen Plänen. Und bis ich nichts mehr fühl und weiß wohin ich will und weiß ich wie ich hin komm erschaff ich jeden Tag dein Bild von neuem.“

Zart besaitete Ukulelen-Tröstlichkeiten für Zartbesaitete.

http://www.tomliwa.de

Ein Kommentar zu “Rezension: Tom Liwa – Goldrausch

  1. Markus Schüßler
    22. April 2014

    Also ich glaube, ich habe auf „Goldrausch“ einen ganz anderen Tom Liwa gehört. „…durchweg traurig…“? Nein! Melancholisch, ja! Es gibt aber ja Leute, die differenzieren diesbezüglich nicht sonderlich. Wesentlich besser gefällt mir die Umschreibung „…eine einzig vertonte Liebeserklärung an die Flüchtigkeit des Augenblicks…“, womit sich der Rezensent imgrunde auch schon selbst widerspricht. Wenn es denn eine traurige CD sein soll, dann habe ich wohl noch selten eine gehört, die mich froher gemacht hat. Neben dem hinlänglich bekannten Gerücht, daß es kein Bier auf Hawaii geben soll, gibt es für mich nun noch einen weiteren Grund nicht nach Hawaii zu fahren: Die Tatsache, dass es sicher auch auf Hawaii niemanden geben dürfte, der schönere Melodien auf der Ukulele zustande bringt als Tom Liwa und das auch noch mit intelligenten deutschen Texten.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 12. März 2012 von in 2012, I-L, Liedermacher, Plattenbesprechungen, Uncategorized und getaggt mit , , , , , , , .
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