Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Weiherer – Koana von eana

weihererkoana

von David Wonschewski

Die Frage, ob der hochdekorierte Koch Alfons Schuhbeck so aussieht, wie er kocht oder aber eher so kocht, wie er eben so aussieht, ist nicht halb so banal wie sie vielleicht klingt und sagt sehr viel über einen wie Weiherer aus, der genau diese Frage in einem seiner Lieder stellt. Denn Weiherer, das ist auch fast immer eine harte und unbequeme Auseinandersetzung mit dem Establishment, vor allem seinem eigenen, tief bayerisch geprägten Heimatraum. Und es scheint eine ganze Menge schief zu laufen im Freistaat, der zwar noch immer, wie wir auf der DVD „koana von eena“ mehrfach eindrucksvoll sehen dürfen, vielleicht der schönste Teil Deutschlands ist – aber irgendwie halt auch weiterhin der muffigste.

Dass Christoph Weiherer in diesen Breitengeraden durchaus ein wenig als Exot daherkommt mit seinen langen blonden Haaren und den so wahren wie schmerzlichen Zeilen, doch, das kann man sich gut vorstellen – aber auch, dass er sich diesen ganzen Stress, ein Liedermacher par excellence zu sein, nur aus wahrhaftiger Liebe zu seinem Bayern antut. Denn genau das ist vermutlich, warum er sich nicht zu schade ist, ein uriges Volksfest nach dem anderen aufzusuchen und einen Schunkelschuppen nach dem anderen und von den knarrigen und kleinen Bühnen herab seine Lieder zu singen. Denn auch wenn es nicht immer so wirkt bei ihm: Es ist ein Kampf, den er da führt. Ein Kampf um die Reputation seiner Heimat.

Wir lernen viel über diesen einsiedlerischen Songpoeten, der durchaus das Zeug hat als eine Art Bob Dylan in bayerischer Mundart dargestellt zu werden. Denn Sänger gibt es weiß Gott bessere, auch musikalisch dürfte der ein oder andere Liedermacher etwas breiter aufgestellt sein als der junge Mann auf Niederbayern. Aber so bodenständig und zugleich textlich so brillant, das ist wohl keiner. Denn einer wie Weiherer, bei dem muss das Publikum immer viel lachen – und während des Lachens bemerken, dass es sich selbst ertappt hat in der angeprangerten Täterrolle.

Natürlich kann darüber diskutiert werden, ob einer wie eben Weiherer denn schon so weit ist, als dass es eine ganze DVD braucht, auf der seine Jungend und sein Werdegang, flankiert von vielen Live-Bildern, beleuchtet werden. Vermutlich eher nicht, was allerdings genau wieder das Schöne daran ist, ergibt sich dank „koana von eena“ doch die eher seltene Möglichkeit, einen jungen, „nachrückenden“ Liedermacher fast schon liebevoll porträtiert zu sehen, was dann zwar sehr viel mit dem Künstler zu tun hat, fast genauso gut aber auch als Bestandsaufnahme des Musikstandortes Deutschland funktioniert. Viele Gäste, wie der Radiomoderator Matthias Mattuschik und die Musikerkollegen Keller Steff, Michael Dietmayr oder Roland Hefter runden das sehr stimmige Bild ab.

http://www.weiherer.com

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 18. März 2012 von in 2012, Liedermacher, Literatur, Kabarett & Hörbuch., U-Z, Weiherer und getaggt mit , , , , , , , .
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