Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Stefan Heimoz – Chly aber gross

chly aber gross

von Markus Heiniger

„Klein aber gross“ heisst Stefan Heimoz‘ neue CD. Sie ist in der Berner Mahogany Hall live entstandenen. Aufgenommen hat sie Heimoz am 12. November 2011. Ein einziges Aufnahmedatum und alles perfekt im Kasten: Stefan Heimoz.

Was gibt es zu hören? Der Berner Oberländer mit Jahrgang 1969 singt solo an der Gitarre Berndeutsche Lieder. Es sind schnörkellose Songs, leicht spöttische und doch nie lieblose Betrachtungen des Alltags wie etwa sein Lied d Hermine & ihri Termine (Hermine und ihre Termine) sowie leicht schräge und doch sehr treffende, ja träfe Bilder wie etwa im Lied dr Boum, ds Meitschi & dr Hund (Der Baum, das Mädchen und der Hund). Seine Lieder sind sorgfältig, musikalisch und abwechslungsreich begleitet. Heimoz bewegt sich dabei in den Fussstapfen der legendären Berner Troubadours rund um Mani Matter und Fritz Widmer, die in den 1960er und 70er-Jahren das Schweizer Mundart-Chancon erfunden und geprägt haben. Dabei hinterlässt er nun bereits seit zehn Jahren auch eigene, frische Spuren.

Wer ist da „klein aber gross“? Klar, es ist sein auf dem CD-Cover vor dem Thunersee über eine alte Steinmauer balancierender Sohn. „Aussen klein und innen gross“, portraitiert ihn Heimoz im Refrain des Titelsongs. Die fünf Wörter singt er liebevoll und doch völlig nüchtern und entspannt. Dann ist für einen kurzen Moment lang nur noch die Gitarre zu hören. Im Publikum raschelt es ganz leise. Jemand greift zum Taschentuch.

Stefan Heimoz weiss, dass er es nicht erfunden hat, das Liedermachen, klar. Charakterisierend für ihn ist aber die schelmische Selbstverständlichkeit, mit der er im Programm eines seiner Liebeslieder ansagt: Er wisse, dass es bereits tausende solcher Lieder gebe. Deshalb habe er sich dazu entschlossen, auch eines zu schreiben. Und spätestens wenn wir ihm dann zuhören, wie er sie singt, seine Liebeslieder, Die beschti (für mi), (Die Beste – für mich) oder seinen Clochard, wissen wir, dass er eben doch ein Erfinder ist und ein Entdecker von Neuland. Und wir begleiten ihn gerne und mit Genuss durch sein Konzert.

www.stefanheimoz.ch

Horchen Sie in die Schweizer Szene – in einer jeden Ausgabe unseres Herbstgewitters stellen Ihnen Markus Heiniger und David Wonschewski nicht nur allemannische, sondern auch eidgenössische Großtaten vor. HIER geht es zur aktuellen Ausgabe

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