Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Monika Gruber – Die Live-Doppelbox

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von David Wonschewski

Nun, ob das gängige Urteil, dass Frauen einfach nicht so richtig lustig sein können, bereits unter Sexismus abgeheftet werden darf, ist an dieser Stelle wohl kaum zu klären. Dass aber ausgerechnet eine Frau aus dem oberbayerischen Provinznest Tittenkofen sich nun aufschwingt, die weibliche Humor-Ehre zu retten, doch, das kann in diesem Zusammenhang durchaus als etwas zotiger Treppenwitz deutscher Kabarettgeschichte gewertet werden. Benennen wir es also einfach wie es ist: Seit Claudia Schlenger, die mitsamt Ehemann Hanns Meilhammer seit den frühen 80ern als „Herbert und Schnippsi“ brilliert, ist Monika Gruber schlichtweg das amüsanteste Fräuleinwunder, dass nicht nur Bayern, sondern die gesamte Republik zu bieten hat. „Schmeckts ned?“ und Hauptsach Gsund“, so die Titel ihrer bisherigen Bühnenprogramme, zeigen dabei eindrucksvoll auf, wie sehr sich die Gruberin entwickelt hat – von einer Kleinkünstlerin, die zu den hoffnungsvollsten Talenten der süddeutschen Kabarett-Szene gehörte bis hin zu der gefragten Fernsehfrontfrau, die längst ihre eigene Personality-Show im ZDF bekommen hat.

Warum die gelernte Fremdsprachensekretärin inzwischen so ausnehmend gerne vor die ganz großen Kameras gezerrt wird, wird auf den dieser Tage als „Live Doppelbox“ erscheinenden Programmen schnell klar: Neben einem – Achtung, Sexismus! – durchaus attraktiven Äußeren vereint Monika Gruber ganz einfach all das, was wir uns von einer modernen Frau wünschen. Selbst in ihren kokettesten Rollen, Sketchen oder Momenten gelingt es ihr selbstbewusst und schlagfertig zu agieren, wie überhaupt zu sagen ist, dass sie – großer Pluspunkt – weder im Fernsehen noch auf der Bühne jemals so wirkt als würde sie sich auch nur im Ansatz auf ihre Optik verlassen wollen. Nein, wenn eine Humoristin wie Monika Gruber den Flirt mit der Kamera sucht, dann gelingt es ihr ein jedes Mal, dieses spiegelglatte Terrain in einen wahren Husarenritt zu verwandeln und auch dem tumbesten Zuschauer klar zu machen: Alles Parodie, alles gezielt gesetzte Übertreibung.

Womit wir denn auch endlich einmal bei den Inhalten angekommen wären. Denn gerade das, worauf es ankommt, das hat sie offensichtlich im Übermaß stets mit dabei. Wo Mirja Boes und Konsorten fast schon erschreckend monothematisch beengt und heftig bemüht daherkommen, feuert Monika Gruber aus gefühlt einem Dutzend diverser Geschosse. Die platte Zote beherrscht sie genauso wie den doppelbödigen Hintersinn und die bitterböse Pointe gesellt sich immer wieder zu fast schon biederen Wohlfühl-Humoresken.

Von Frauen heißt es oftmals, dass es gerade der Humor sei, der einen Mann so richtig attraktiv mache. Wie schön, dass auch Männer auf fast schon postmoderne Weise endlich einmal erfahren dürfen, wie das gemeint ist. Monika Gruber sei Dank.

http://www.monika-gruber.de

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 15. April 2012 von in E-H, Liedermacher, Literatur, Kabarett & Hörbuch., Uncategorized und getaggt mit , , , , , , , , .
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