Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Space Kelly – Bist du dabei?

SpaceKelly

von David Wonschewski

Nun mag ein jeder Leser und Hörer natürlich ganz subjektiv für sich entscheiden, ob „Space Kelly“, der Künstlername, den sich der Musiker Ken Steen selbst gegeben hat, nun unsagbar pfiffig und spritzig oder aber eben doch eher albern und latent dämlich ist. Eine Überlegung, die durchaus von einer gewissen Wichtigkeit ist, lassen sich doch für beide Sichtweisen diverse Argumente finden. Denn richtig ist, dass sich Space Kelly auf „ Bist du dabei?“, seinem ersten deutschsprachigen Longplayer seit neun Jahren, einer gewissen Heiterkeit und guten Laune verschrieben hat, die auch durch das Bubblegum-Rosa der Covergestaltung ganz gut repräsentiert wird. Falsch hingegen ist es, ihn aufgrund von Name und Cover nun als schlageresken Billigbolzen abzukanzeln, der mitsamt seichtem Humor vor allem auf Karnevals-Veranstaltungen oder Landjugendparties zu finden sein sollte. Denn genau damit würde man dem Mann, der zuletzt auch als DJ und Clubmusiker in halb Asien unterwegs gewesen ist, ziemlich Unrecht tun.

Als „Wegbereiter aktueller deutscher Popmusik“ wird das, was Kelly hier in zehn sprudelnd-spritzigen Liedern vom Stapel lässt, von seinem eigenen Label gefeiert und auch wenn es etwas zweifelhaft erscheint, dass sich hier wirklich jemand einen solchen Pionier-Button anheften darf, so ist nicht zu verhehlen, dass ihm hier ganz fraglos eine ganz besondere und sehr delikate Mischung gelingt: Die endgültige und irgendwie auch überfällige Soundverschmelzung der begeisterungsfähigen Sportfreunde Stiller mit dem prächtigen Harmoniegesang der Münchener Freiheit. Dass in diesem Gefühlsuniversum nicht die ganz großen Texte zu finden sind, ja genaugenommen auch nicht zu finden sein dürfen, ist dabei selbstverständlich, geht es in Glanztaten wie „Ich war zu selten hier“, „Mein kleines Techno Girl“ oder der ersten Single-Auskopplung „Einen Augenblick“ zwar immer um ganz viel Herz und ganz viel Gefühl – aber eben auch um nicht weniger als die luftig-leichte Existenz eines unbeschwerten Seins. Zuviel intellektuelles Kopfkino würde in der Tat nur stören, sind die Schwingungen, in die uns Space Kelly mitsamt Co-Produzent Andrè Abshagen hier versetzt, doch derart harmonisch gesetzt und zugleich dankbar realistisch und unaufdringlich vertextet, dass selbst bekennende Miesepeter sich geschlagen geben dürfen ohne zugleich den eigenen Misanthropen-Stolz zu verlieren.

Denn Schlager ist hier – rosarot hin, Bubblegum her – gar nichts, Liedermacher-Pop mit Band trifft es da schon eher. Und auch wenn alles auf „Bist du dabei?“ natürlich meilenweit entfernt ist von Chanson, so lassen sich als emotionaler Beziehungspunkt doch durchaus jene verspielten Kleinode setzen, mit denen Madame Brigitte Bardot vor unzähligen Jahrzehnten zu entzücken wusste.

Eine grandiose Sommerplatte für alle Liedermacher-Freunde, die sich ab und an auch mal federleicht aus dem Fenster tragen lassen wollen.

http://www.space-kelly.com

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 10. Juni 2012 von in 2012, Liedermacher, Plattenbesprechungen, Q-T, Space Kelly, Uncategorized und getaggt mit , , , , , , , .
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