Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Carsten Langner – Momentaufnahme

momentaufnahme

von David Wonschewski

Wer behauptet, dass Carsten Langner denn doch ein wenig zu viel genippt hat am Mey’schen Sommelier – hat einfach nicht so richtig hingehört.

Ja, natürlich, auf den ersten Blick und auf den ersten Hinhörer ist so viel Reinhard in diesem Carsten, dass sich so mancher Liedermacherfreund bei einem Cover-Wettbewerb wähnen wird, wenn er die CD „Momentaufnahme“ von Carsten Langner einlegt. Dass uns unser Ohr dabei nicht so ganz trügt, das gesteht auch der Schönkirchener unumwunden ein. Zumeist indirekt, wenn er Themen und Melodiebögen aufgreift, die auch „Meister Mey“ längst im Repertoire hatte. Oder wenn er seine wirklich wunderbare Chanson-Stimme gekonnt changieren lässt, wie wir es bisher nur von dem einen und einzigen Mey gewohnt sind. In Songs wie „Aber…“ schließlich spielt Langner dann aber auch direkt und erfrischend  ironisch auf seine klangliche Nähe zu Reinhard Mey an, ein Schachzug, der – das Lied ist im hinteren Teil des Albums angesiedelt – fast schon kathartisch zu nennen ist.

Was also machen wir mit einem, der so wunderbar nach einem klingt, der doch auch schon wunderbar klang? Eine gute Frage, die in etwa so alt ist wie die Poprezension als solche. Schwingen wir das Beil von Abklatsch und Plagiat? Oder aber freuen wir uns einfach, dass da endlich – endlich! – eine junger Mann ist, der ganz offensichtlich in der Lage ist den schweren Staffelstab, den Reinhard Mey nun einmal eines Tages hinterlassen wird, übernehmen zu lönnen? Jammern wir nicht immer über diese Nachwuchsprobleme?

Nun, wer genauer hineinhört in „Momentaufnahme“ wird schnell auf die Antwort kommen. Denn natürlich gerät die Platte zunächst zu einem heftigen Mey-Soundalike. Selbstironische Klaumauksongs wechseln sich ab mit melancholischen Gänsehautbeschaffern – und das in einer hochwertigen Kulmination, die, auch das muss gesagt werden, Mey selbst schon seit einigen Jahren nicht mehr hinbekommt. Einer wie Langner aber schüttelt diese Songperlen offenbar mühelos aus dem Ärmel. Und wird immer dann am besten und eigenständigsten, wenn er sich keine Gedanken mehr über sein Vorbild zu machen scheint. Und sich einfach gehen lässt, Kopie hin, Kopie her.

Und plötzlich purzeln sie einem nur so entgegen, die vielen Sätze und Strophen, die eindeutig Langner sind. „Ich schlag‘ mich keinem vor, der mich betrügt“ ist so ein Satz, der die melodiöse Ballade „Wie ein Schmetterling im Wind“ veredelt. „Und fühl mich wohl als Unbedeutsamkeit“, heißt es hier etwas später. Worte, die Mey niemals aus dem Mund gelangt wären. Gerade hier, wenn auch nur ganz sachte, zeigt sich Langner als Kind seiner Zeit, der keineswegs einem alten 70iger Jahre Geist hinterherjagt.

Mit „Durch dich“ und „Regenwind“ folgen zwei weitere Balladen fast direkt darauf – und beide mit einer derartigen Fingerkuppen-in-den-Tisch-krallen-Garantie, dass man sich weigert zu glauben, dass Langner noch nicht einmal 30 Jahre alt ist. Und doch kriegt er sie alle, all die alten Liedermacherfüchse.

Mit Verlaub: Sollte es dem Herrn gelingen die launischen Gesetze der modernen Musikwirtschaft in den Griff zu bekommen, wird er ein Klassiker werden. Ganz fraglos. Kaufen und verschenken, dieses Album. Und so Sie nicht mir glauben, so doch bitte Konstantin Wecker, der auf seinem Web-Portal „Hinter den Schlagzeilen“ und in den Worten seines Redakteurs Alexander Kinsky mit anderen Worten längst ein ähnliches Urteil fällte.

http://www.carsten-langner.de

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