Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Akustik-Duo Amrand: Eine Hand voll Worte.

Würzburg, wenige Tage vor Weihnachten. Wir sind verabredet mit Torben Sager, der zusammen mit seinem Freund Felix Wagner das Liedermacher-Duo „Amrand“ bildet. „Tier aus Papier“, so haben die beiden 2010 ihren ersten Longplayer benannt – und damit wunderbaren, sanft instrumentierten Harmoniegesang mit tiefsinnigen Texten auch in deutscher Sprache endlich wieder salonfähig gemacht. Grund genug ein kurzes Gespräch zwischen Tannenzapfen zu führen.

Interview: David Wonschewski                                              

amrandband
Ein Achtel Lorbeerblatt (EAL): Torben, ihr seid ja deutschlandweit jetzt noch nicht so sehr bekannt. Stell dich bzw. Euch darum am Besten doch einfach einmal kurz vor. Wer seid ihr und was macht ihr?

Torben Sager (TS): Amrand sind Felix Wagner und Torben Sager. Inzwischen lebe ich in der Nähe von Nürnberg und Felix weiterhin in Würzburg, der Stadt in der unser musikalisches Schaffen seinen Anfang nahm. Wir machen ruhige akustische Musik, zwei Gitarren, zwei Stimmen, deutsche Texte. Bewusst reduziert, manchmal fast ein wenig meditativ. Für Produktionen und bei einigen Konzerten arbeiten wir auch mit Gastmusikern zusammen.

EAL: Wenn man Euch so sieht und vor allem hört, dann kann man sich vorstellen, dass etwas ältere Musik-Liebhaber gleich Simon & Garfunkel im Kopf haben – und die etwas jüngeren vielleicht die Kings of Convenience. Wie seht ihr das selbst, habt ihr Vorbilder, an denen ihr euch orientiert?

TS: Das sind große Namen und inspirierende Musiker, die du da ins Feld führst. Vorbilder gibt es für uns eher musikalisch atmosphärisch – im deutschen Texterrain fühlen wir uns eigentlich nicht abhängig in unserem Schaffen. Wir arbeiten sehr diskursiv an unserer Musik und den Texten, halten uns aber bewusst ein Stück unabhängig. Bislang haben wir nichts gefunden, an dem wir uns stark orientieren oder an das wir uns anlehnen möchten. Die Inspiration kommt eher aus eigenen Ideen, die dann in der Weiterarbeit eine manchmal überraschende Dynamik entwickeln. Oft wissen wir selbst nicht so genau, wo wir landen werden. In erster Linie kommt die Musik also von innen und führt, so seltsam das klingen mag, eine Art Eigenleben.

EAL: Alles in allem hat man das Gefühl, dass männliche Duos eher die Ausnahme sind im deutschen Singer/Songwriterbereich. Wie seid ihr überhaupt zu einer Band geworden, wie kam es dazu?

TS: Wir haben uns, wie gesagt, in Würzburg kennengelernt, vor der Uni, an einem Nachmittag. Ich war fertig mit allem, frisch exmatrikuliert und nur noch einmal in der Uni, um letzte Orgasachen zu erledigen. Felix hatte ich mal auf einem Konzert seiner früheren Band „Unser kleiner Garten“ gesehen. Wir hatten aber bis zu diesem Tag höchstens eine Hand voll Worte gewechselt. Jetzt saß er draußen in der Sonne und es entwickelte sich ein Gespräch. Wir beide hatten vor kurzem unsere Bandprojekte beendet und verabredeten uns zum Gitarre spielen.Sehr schnell, ich glaube schon beim ersten Treffen, merkten wir, dass unsere Ideen und Vorstellungen gut harmonieren. So ist es bis heute – nur mit dem Gefühl, dass wir uns über die letzten 5 Jahre wahnsinnig weiterentwickelt haben.

EAL: Ihr habt bereits euer erstes Album im Kasten, das gute Stück nennt sich „Tier aus Papier“, kann von meiner Seite tatsächlich nur wärmstens empfohlen werden – und ist vermutlich der beste Beweis dafür, dass ein klassischer Plattenvertrag längst nicht mehr die einzige Möglichkeit für junge Musiker ist. Oder – Hand aufs Herz – wie seht ihr das? Hat sich das mit dem Plattenvertrag einfach nicht ergeben wollen bisher oder steckt da auch ein Stück weit Kalkül dahinter?

TS: Wir haben einfach keine Zeit darauf verwendet, ein Label zu finden. Uns geht es primär um die Musik, die Vermarktung ist wirklich zweitrangig. Wir haben bislang mit gutem Gefühl alles selbst geschultert. Du dennoch: Die Aufnahmen, die Promo, das Booking – da stößt man auch an Grenzen, an denen man Leute bräuchte, die einen weitertragen und unterstützen. Uns war es jetzt nach dieser Kräfte zehrenden Plattenveröffentlichungszeit wichtig, wieder neue Stücke zu schreiben und Konzerte zu spielen. Außerdem waren wir beschäftigt mit den Videodrehs zu „Ein Spätsommertag“ und „Tier aus Papier“, da hing sehr viel Zeit dran. Im Augenblick ist es wunderbar beruhigend, wieder an neuen, übrigens sehr schönen Songideen zu arbeiten.

EAL: Ihr stammt aus Würzburg – gebt uns doch einmal einen kleinen Einblick in euer Grundgefühl: Wie schwierig ist es für eine junge, vermeintlich „leise“ Band im Jahre 2012 deutschlandweit gehört zu werden?

TS: Es ist eigentlich nur schwierig, wenn man es auf große Locations abgesehen hat. Hören wollen die Leute das schon, ich meine leise Musik. Da ist ein Hunger – das merken wir auch bei Auftritten und insbesondere in Gesprächen mit Konzertbesuchern. Ein Hunger nach konzentrierter, vielleicht auch nach elementarisierter Musik. Wir haben nach einem Konzert in Schweinfurt auf einem Parkplatz spontan für eine Gruppe Jugendlicher gespielt. Die hatten uns angesprochen, weil wir Gitarren dabei hatten. Es war toll und ein bisschen skurril, auf dem kalten Asphalt zu sitzen, die Songs zu spielen und beim Wegfahren zu sehen, wie die Leute im Smartphone wischen, um unsere Stücke online zu hören. Das sind die eigentlichen Erlebnisse, die man nicht vergisst. Deutschlandweit gehört zu werden – da kann ich überhaupt nicht abschätzen, wie groß das Interesse neben all diesen verpoppten Deutschtextnummern ist. Darüber machen wir uns letztlich aber auch keine Gedanken. Der Weg zurück zum nächsten Lied ist immer wieder die Bewegung, die ich wähle, wenn ich das Gefühl bekomme, dass wir doch eigentlich noch bekannter sein müssten.

EAL: Dass der Weg zum Erfolg allgemein ein harter ist, das ist nichts Neues, das war wohl schon immer so. Wenn ihr aber mal versucht, es halbwegs neutral einzuschätzen – wie schätzt ihr die Gegenwart und Zukunft am Medien- und Musikstandort Deutschland ein? Was stört euch am meisten, wo seht ihr die größten Hindernisse – und was läuft vielleicht sogar ausnehmend oder überraschend gut? Was gibt euch das Gefühl, dass euer Weg zwar hart, aber doch gangbar ist?

TS: Das erste was mir in den Sinn kommt ist der aktuelle Plan, der von den amerikanischen Majors ausgeht und sich wohl unaufhaltsam ausbreiten wird, nämlich endgültig (vielleicht bis auf ein paar Robbie Williams Special Editions) die Cd abzuschaffen. Ich bin ein Freund des anfassbaren Datenträgers, von Hüllen aus Papier und eben der Cd. Vinyl hab ich irgendwie verpasst, aber die Cd ist mir schon wichtig. Musik ausschließlich als Download zu konsumieren, das finde ich lieblos und uninteressant. Dann ist auch klar, dass es die virtuelle Musikindustrie herzlich wenig interessiert, wenn eine neue Platte erscheint. Aber das finde ich nicht frustierend, da man ja versucht, Menschen zu erreichen und nicht irgendein Konstrukt – das ist ein schlechter Adressat, die Musikindustrie. Die Möglichkeit, eigene Musik selbst in guter Qualität aufnehmen zu können, ist für uns der wichtigste Vorteil der technischen Entwicklung im Musikbereich. So können wir in der Geschwindigkeit, mit der Perfektion und in der Atmosphäre aufnehmen, die uns richtig erscheint.

EAL: Wie viel Zeit und Kraft investiert ihr eigentlich in Euer Projekt? Oder – bewusst naiv gefragt: Wie oft sitzt ihr zusammen und studiert Songs ein? Habt ihr da einen festen Plan oder erfolgt das alles eher spontan?

TS: Also wir Pendeln ja zum Musik machen zwischen unseren jeweiligen Heimatstädten. Wir treffen uns so alle zwei bis drei Wochen im Wechsel für eine längere Session, oft für ganze Tage. In der Zwischenzeit sitzen wir am Computer, schicken uns Songideen zu bzw. arbeiten die Ideen des jeweils Anderen weiter aus. Oder wir besprechen Texte am Telefon. So bleibt die Arbeit stets sehr intensiv und treibend. Das Songwriting ist eine Mischung aus akribischer, pedantischer Arbeit und lockerem Kommen-Lassen von Ideen. Wir sind ein Stück weit Musiker, die Dinge abarbeiten – eine Songidee schafft es aber nur, zu überleben, wenn sie uns bis zur „Fertigstellung“ des Stücks immer noch berührt.

EAL:Nachdem das erste Album draußen ist, arbeitet ihr derzeit ja an weiteren Stücken. Erzähl doch mal ein wenig darüber, an was werkelt ihr da gerade…?

TS: Aktuell arbeiten wir an den Texten von zwei neuen Songs, der eine ist gestern fertig geworden und von beiden Seiten für gut befunden. Das macht riesig Spaß, ist aber auch sehr arbeitsintensiv. Wir haben jetzt schon wieder einen Strauß neuer Stücke, die wir für neue Aufnahmen vorbereiten. Wir sind sehr zufrieden mit dem Material, da wir eindeutig eine Weiterentwicklung unseres Songwritings erkennen. Und, so viel darf ich schon verraten: Amrand wird ein wenig abwechslungsreicher und tendenziell ein kleines Stück bewegter.

www.amrand.net

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 31. Dezember 2012 von in 2012, A-D, Amrand, Artikel & Interviews, Liedermacher und getaggt mit , , , , , , , .
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