Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Simon & Jan – Der letzte Schrei

Simon_u_Jan_Der letzte Schrei

von Simon-Dominik Otte

„Gute Vorsätze und ein schlechtes Gewissen“ begleiteten Simon & Jan durch ihr Oldenburger Studium, das auch dafür sorgte, dass sie sich überhaupt kennen lernten. Kennt man ja selbst. Und so, wie man diese Situationen kennt, findet man sich auch in vielen Songs der zwei jungen Herren wieder. Sie zelebrieren Liedermaching vom Allerfeinsten, was nicht zuletzt Götz Widmann gemerkt und sie auf sein Ahuga!-Label geholt hat.

Natürlich fehlen auch die anzüglichen Reime nicht, schließlich will auch das etwas anspruchslosere Publikum unterhalten werden, das sich zwischendurch mal Mario Barth gibt, ohne dass Übelkeit aufkommt.

Aber diese Momente sind so kurz, dass sie nicht wirklich bedeutsam sind, viel mehr bleibt in Erinnerung, wie stilsicher und gekonnt Simon & Jan an der Gitarre sind und wie viele Spitzfindigkeiten und Gemeinheiten sich in ihren Texten verbergen, anstatt einem sofort ins Gesicht geklatscht zu werden. Bei „Der letzte Schrei“ darf nicht nur mitgelacht, sondern auch mitgedacht werden.

So ist mit Sicherheit die Kindheit Mozarts nie so deutlich und erschreckend wie in „Wolfgang“ (da würde heute selbst die Super-Nanny scheitern) geschildert, das deutsche Volk selten so treffend wie in „Wir sind Deutschland“ besungen, der Bundestag so auseinander genommen worden wie in „Lesbische, Schwarze, Behindert“. Und dann räumt „Du bist…“ noch ganz wunderbar mit dem neuen Esoterik-Wahn und seinen Nebenwirkungen auf.

Neben all dem Unsinn begeistert vor allen Dingen die Perfektion im Duett-Gesang (den sich zuletzt Götz auf seiner Tour ebenfalls zunutze machte), den Simon & Jan immer wieder zelebrieren und der ein hohes Maß an Kunstfertigkeit beweist. Auch das Songwriting zeugt von mehr als „wir machen mal nen Song über den Weltuntergang“, immer steckt in den Lyrics noch ein großes Stück Wahrheit und kleines bisschen fieser Beigeschmack, der sich allerdings erst im Nachhall Bahn bricht.

Simon & Jan beweisen, dass es um die Liedermacher-Zunft in Deutschland auch weiterhin gut bestellt bleibt. Mit viel hintergründigem Humor, exzellentem Gitarrenspiel und ungewohnten Gesangsstrukturen zweier Jungs, die wirklich etwas mitzuteilen haben und dies mit viel Freude am Tun auch einfach machen.

Zwei Gitarren, zwei Stimmen und der passende Text immer mit dabei. Simon & Jan sind bald sicherlich mehr als nur ein Tipp für Eingeweihte.

http://www.simonundjan.de/

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