Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Peter Ray – 444

Peter_Ray_444

von Kristy Husz

Nicht wenige Künstler sind bislang am verflixten zweiten Album gescheitert. Hauten ein umjubeltes Debüt raus und konnten in den Folgejahren das Versprechen einer glorreichen Musikkarriere, das sie gegeben hatten, niemals einlösen. Der Wahlberliner und Multi-Instrumentalist Peter Ray gehört glücklicherweise nicht dazu.

Vielleicht liegt es daran, dass er keiner der branchenüblichen Newcomer-Jungspunde ist und bereits auf einen reichen Erfahrungsschatz als Flugbegleiter, Fernseh-Toningenieur und Frontmann einer Rockband zurückgreifen konnte, bevor er den Schleudersitz in die Selbstständigkeit wählte und 2010, noch als Peter Ploch, seine erste Solo-Platte „Landed“ veröffentlichte. Sicherheiten gegen absolute Lebensgestaltungsfreiheit, Festanstellung kontra Berufung, so lässt sich der mutige Schritt am besten auf einen Nenner bringen.

Für sein zweites Werk hat er den bürgerlichen Namen zugunsten des international verständlichen Peter Ray abgelegt, die Lyrics dagegen auf Deutsch statt Englisch verfasst und – und das ist das Bemerkenswerteste – fast alle Tracks, selbst den rockigen Titelsong, komplett in Ein-Mann-Besetzung eingespielt. Gitarre, Bass, Keyboard und Drums played by Peter Ray sind so sauber abgemischt, wie man es von einem ehemaligen Toningenieur erwartet, die Stimme zu den Folk-Pop-Soul-Nummern klingt warm, sehnsüchtig und kraftvoll. Keine Frage, der Kerl mit der roten Duesenberg C.C. hat Spaß an dem, was er tut, und liefert auch beim „Unplugged“-Duett mit der jungen Chanteuse Jana Jamie Hill eine überzeugende Performance ab.

Die Texte umkreisen vornehmlich die beiden weiten Felder Liebe und Leben, wobei sie einen sehr persönlichen Blick auf kleine Alltagshürden und große Gefühlswelten bieten und die üblichen Plattitüden meist erfreulich weiträumig umschiffen. Mehrmals bedient sich Peter Ray dabei der Symbolik der vier Elemente, ob offenkundig wie im funkigen „Das Feuer ist im Wasser “ oder eher subtil wie im nachdenklichen „Fliegen“.

Gleich zweimal hat es ein ganz spezielles Lied auf die CD geschafft: „Über den Dächern von Berlin“ gefällt vor allem in der akustischen Version und macht Lust auf laue Sommerabende in der Hauptstadt, auf Streifzüge durch den modernen Dschungel unter den Linden und auf dem Kurfürstendamm. Mit einem solchen Song im Gepäck darf gern voller Spannung auf Peter Rays drittes Album gewartet werden.

http://www.peterray.de
http://www.peterploch.de

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: