Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Müller, Gorbunov, Goldt, Coen. Eine Bilderstrecke.

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Wolfgang Müller. Cafe Galao Stuttgart, 30.01.2013.

von Fabian Brüssow

Ein kleiner photographischer Rückblick zu den letzten kulturellen Ereignissen, die ich in grob zwei Wochen erlebte. Die waren eher leise, so freue ich mich demnächst wieder auf Stromgitarren und Punkrock. Das soll die vergangenen Veranstaltungen aber keineswegs schlecht machen, im Gegenteil: Meine ruhige Phase im Winter, die ja eh gut zum Wetter passt, soll einem lauten Frühling folgen. Das wäre doch schön!

Geprägt von Singer/Songwritern war die Zeit zwischen Januar und Februar allemal. Es ging los mit dem Hamburger Wolfgang Müller, der mit seiner vierköpfigen Band am 30.01.2013 im Cafe Galao in Stuttgart spielte. Wie er das geschafft hat, ist mir bis heute ein Rätsel, da die Bühne die Größe einer Europalette hat. So gut die Atmosphäre und die ausgewählten Künstler im Galao auch sind, verdirbt mir das elendige Gelaber einiger Leute dort immer wieder die Stimmung. Es scheint mir, als kämen diese nur zum Essen und was auf der Bühne passiert wird keines Blickes gewürdigt. Stellt euch vor, ihr wärt ein Musiker und spielt gegen solch ignorantes Publikum an. Wenn ihr keinen Bock auf Konzerte im Galao habt, geht doch woanders hin oder raus. Verhalten wie dieses ist den Leuten, die wegen der Musik kommen und dem Künstler gegenüber respektlos. Auch musste Wolfgang Müller, der trotz dynamischer Verstärkung seiner Band eher ruhigere Musik macht, ab und an um Ruhe bitten. Sollte für’s Publikum eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Perlen vor die Säue. Verpasst haben diese einiges: Den was Wolfgang Müller spielt, ist groß. Die feinen Arrangements, die unfassbar guten Texte und seine Leichtigkeit als Mensch an sich. Ich habe mich direkt  beim ersten Hören in Immer noch Fahrrad und Havarieren verliebt. Die erste Hälfte des Sets waren ausschließlich Lieder seiner neuen Platte Über die Unruhe, die ich wärmstens empfehlen kann. Der zweite Teil bestand aus Evergreens wie Godot, Ich möchte leben wie Franzosen Auto fahren, Oktober und zum krönenden Abschluss ein fünfstimmiger Seemannschor, der aus voller Kehle Ahoi sang.

Nikita Gorbunov. Zwölfzehn Stuttgart, 05.02.2013.

Nikita Gorbunov. Zwölfzehn Stuttgart, 05.02.2013.

Nikita Gorbunov. Wilhelmspalais Stuttgart, 06.02.2013.

Nikita Gorbunov. Wilhelmspalais Stuttgart, 06.02.2013.

Wer meinen Blog aufmerksam verfolgt, weiß, dass ich viel über einen gewissen Nikita Gorbunov schreibe, einem Slammer, Liedermacher, Kabarettist(ein Talent auf vielen Ebenen!) aus Stuttgart, den ich seit August letzten Jahres kenne – und mittlerweile kaum eine Show von ihm verpasse. Auch bei seiner monatlichen Mixshow mit Harald Kienzler glänzt er mit zwei weiteren Gästen. Am 05.02.2013 war es wieder soweit: Ein volles Zwölfzehn, ein gutes Programm. Support your local Mixshow, das ist ein Rat von Herzen. Zwei Stunden erstklassige Unterhaltung für wenig Geld, das unabhängige Künstler unterstützt, die viel drauf haben. Ich bin immer gerne dort. Tags drauf sah ich ihn bei seiner Soloshow im Wilhelmspalais – und er überzeugte auch durch seine Live-Hörspiele. Weitermachen!

Max Goldt. Theaterhaus Stuttgart, 03.02.2013.

Max Goldt. Theaterhaus Stuttgart, 03.02.2013.

Ich kenne und schätze Max Goldt zum ersten Mal durch seine T-Shirt-Reihe Rumpfkluft, die mir schwer am Herzen liegt, seit ich Nicholas Müller im Musikvideo Nordpol/Südpol von Jupiter Jones mit dem Katz&Goldt-Shirt Die Seele ist eine dumme Pottsau sah. Mittlerweile besitze ich drei dieser Shirts und könnte den Onlineshop so oder so leerkaufen. Doch gilt es zu beachten das Max Goldt hauptsächlich wundervolle Texte schreibt, die er ab und an auch vor viel Publikum liest. So geschehen am 03.02.2013 im Stuttgarter Theaterhaus. Während knapp tausend Zuschauer Ralf Schmitz Blödeleien ausgesetzt sind, sitze ich im gemütlichen T2 und lausche den Worten von Max Goldt. Genial. Ich bin von seiner Wortwahl wie seinen tiefgehenden, reichhaltigen Gedanken fasziniert.

Alin Coen. Kulturwerk Ost Stuttgart, 07.02.2013.

Alin Coen. Kulturwerk Ost Stuttgart, 07.02.2013.

Nachdem ich Alin Coen letztes Jahr im vollen Galao sah und sie mich mit ihrer Livequalität überzeugte (hier zu lesen) war es vor kurzem schön zu lesen, dass sie wieder den Weg nach Stuttgart findet. Alin bei der Veranstaltungsreihe Silent Friday zu sehen liegt nahe, da diese Reiner, der Besitzer des Galaos, organisiert. Diesmal im brechend vollen Kulturwerk Ost. Leicht genervt über die Zustände (desinteressiertes Publikum, das lieber Wein säuft und Flammkuchen isst, fades Vorprogramm (Lionel Richie-Abklatsch-Hymen, jaulender Gesang und als Zweites seichter Klavierdeutschpop) und viel zu wenig Platz) denke ich kurz nach, den Ort bereits am Anfang zu verlassen. Sicher ist Kultur ein Angebot, das ich nicht wahrnehmen muss, dennoch hätte ich das Format eines gemütlichen Songwriterkonzerts (wie es beschrieben ist) passender gefunden, wenn man sich nicht durch Leute quetschen muss. Aber die Läden müssen ja immer mehr Leute reinkriegen. Die Freude auf Alin Coen ließ mich bleiben und sie enttäuschte mich als Einzige an diesem Abend nicht. Sie spielte ein solides Set mit neuen Songs, da sie an einem neuen Album mit ihrer Band arbeitet und erzeugte Gänsehautstimmung. Eine schöne, lebensfrohe Dame mit toller Stimme. Danke Alin.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 21. Februar 2013 von in A-D, Aktuelle Tourneen, Coen, Alin, Liedermacher, M-P, Uncategorized und getaggt mit , , , , .
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