Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Der EAL-Tagesgedanke. Heute: Samstag.

grrr

von Guido Rohm, Schriftsteller / Bild: Alfred Harth

Ich bin noch nicht ganz bei mir. Es gibt ja wieder ungeheure Mengen Literatur von mir zu kaufen.

Manchmal frage ich mich, wer das überhaupt alles schreibt. Meine Frau fragt sich das ebenfalls. Sie sieht mich nie tippen.

Das sei doch merkwürdig, sagt sie. Du sitzt ständig vor dem Fernseher oder starrst Löcher in die Luft, trotzdem erscheint jede Minute ein neues Buch.

Ich zucke mit den Schultern und starre weiter in die Luft. Schon wieder ein neues Loch. Es fängt mit einem kleinen Punkt an, der sich ausdehnt. Da! Er wird größer und größer. Vorsicht! schreie ich meine Frau an. Ich springe auf, reiße sie zur Seite. Das war knapp. Beinahe hätte das Loch sie erwischt. Und dann? Keine Ahnung! Ich weiß nicht, was die Löcher mit einem machen. Ob sie einen auffressen? In eine andere Galaxie entführen? Das könnte schon sein. Es liegt nahe. Auf der Hand. Es könnte doch sein, dass meinen Frau in einem Paralleluniversum in einem Sumpf landet, bei einem Volk, das sie ausbeutet, indem sie dort unentwegt kochen und putzen muss. Da geht es ihr hier doch besser, dem fleißigen Ding. Sie bereitet im Moment das Mittagessen vor. Und das um diese Uhrzeit. Unglaublich! Wir haben noch Morgen.

Ich schreibe mal wieder nichts. Vermutlich wird nachher in meinem Blog “Guido Rohms gestammelte Notizen” ein Tagebucheintrag von mir erscheinen. Einfach so. Obwohl ich nichts getan habe. Unglaublich. Das nenne ich mal Talent. Nichts tun und trotzdem pausenlos veröffentlichen.

Nachher kommen meine Kinder aus den ersten zehn Ehen. Da wird hier wieder jede Menge los sein. Die Jungen schlagen sich am liebsten die Zeit in Form eines Plastiklaserschwerts um die Ohren. Ich lächle dazu und starre nebenher ein paar neue Löcher in die Luft. Man kann ja nie wissen, wozu man sie später mal braucht. Wenn die Jungen nach dem Wochenende abreisen, bekommen sie ein paar der Löcher in ihre Koffer gepackt. Die Mütter wundern sich später über den Schwund an Kleidung. Die mussten raus, erkläre ich. Dafür sind jetzt ein paar Löcher drin. Die könnt ihr in die Haushaltskasse einbauen. Oder in eure Köpfe.

So, muss jetzt an meinem neuen Roman nichtschreiben.

Guten Morgen, Welt.

Er kam, sah und schrieb. Der Schriftsteller Guido Rohm , geboren 1970, lebt und raucht in Fulda. Romane von ihm tragen sensible Titel wie „Blut ist ein Fluss“ und „Blutschneise“.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 9. März 2013 von in Literatur, Kabarett & Hörbuch. und getaggt mit , , , , , .
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