Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Die EAL-CD des Monats/März 2013: Manfred Maurenbrecher – no go

maurenbrechernogo

von David Wonschewski

Hören wir Manfred Maurenbrecher beim Singen zu, wie er uns in einem Song wie „Das ist Kunst“ wieder einmal zwischen Tür und Angel klar macht, dass es in diesen unseren Zeiten doch ganz offensichtlich nur noch darum geht „knallhart und aalglatt“ zugleich zu sein, so wird eines deutlich, erneut und unabwendbar: Niemand fasst die Apokalypse des Sozialstaates moderner Prägung derart mahnend in Wort und Ton  wie er, der Maurenbrecher.  Womit wir bei nicht weniger als einem wahren Liedermacher-Phänomen angelangt wären, denn auch auf seinem neuen Album „No Go“ gehen Maurenbrecher die Poesie eines Wenzel, das melodiöse Feingefühl eines Mey, die Eleganz eines Hoffmann oder die politische Wucht eines Wecker ein wenig ab – entfacht wird dafür jedoch erneut just jene sozialkritische Gossenromantik, die Maurenbrecher bereits vor so vielen Jahren zu dem Berliner Unikum hat werden lassen, dass er heute ist. Ja, Maurenbrecher ist ein Phänomen, gelingt es doch abgesehen von – ja, tatsächlich – Udo Lindenberg keinem deutschen Musiker derart treffsicher Ängste und Sehnsüchte gestrandeter und sozial Abgehängter zu kanalisieren. Bereits das drängende „Welt ist am Durchdrehen“, der Opener von „No Go“, gibt klar die textliche Ausrichtung Maurenbrechers vor. Ein Titel, der sich hier als Programm erweist, als roter Faden, nach dem auch die ganze Platte problemlos hätte benannt werden können. Im bereits erwähnten „Das ist Kunst“ tänzelt Maurenbrecher gekonnt auf der Grenze zwischen Feingefühl und Ellenbogenmentalität, zwischen einem Dasein als Opfer und einer Möglichkeit als Täter, wohingegen es „Vorher“ problemlos in die Phalanx der ganz großen Maurenbrecher-Liebesballaden schafft. Eine tiefe Emotionalität, die der seit über 30 Jahren auf der Bühne stehende Kultmusiker mit so hoch unterschiedlichen Kompositionen wie „Die Kraft zu verzeihen“, „Freut euch des Lebens“ oder „Der Tod ist nicht der Schluss“ noch weiter dreht, wird aus dem sarkastischen Mahner hier doch der Tröster. Einem, der nicht nur meckert und jammert und sich permanent gemein macht mit den Verlorenen und Verlierern, sondern der auch Auswege kennt aus Leid, Elend und Wahn.

Sehen wir einmal davon ab, dass Maurenbrechers Markenzeichen, das im Mittelpunkt des Geschehens positionierte Klavier, auf „No Go“ ein wenig an den Rand rückt, um anderen Instrumenten wesentlich mehr Platz einzuräumen, ist es doch ein typisches Maurenbrecher-Album geworden. Eine Platte, so nah am Leben, das sie gleichermaßen Wunden aufreißt und in ihnen stochert, wie sie selbige auch sanft und sacht zu verschließen vermag.

www.maurenbrecher.com

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