Ein Achtel Lorbeerblatt

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Rezension: Bosse – Kraniche

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von Fabian Brüssow

Wenn Leute die Musik von Bosse beschreiben, fällt meistens der Begriff Sommer. Der Sommer als Assoziation für unbeschwerte Tage, die man mit Freunden verbringt und der Soundtrack, der diese Szenen untermalt – genau das würde die Musik von Axel Bosse sein. Die klang noch nie kompliziert, sondern nahm einen immer offen mit. Nun veröffentlicht Bosse am 8.März ein neues Album – das wie seine Vorgänger in die Kategorie „Sorgloser Gitarrenpop“ passt.

Mit „Kraniche“ wirft der 32-Jährige Braunschweiger sein bereits fünftes Album auf den Markt. Die Tour zum Vorgänger „Wartesaal“ war gerade beendet, da ließ er schon Auskünfte über ein neues Album verlauten. Mit „Wartesaal“ stieß er in die musikalische Mitte, eroberte die Charts und ist seitdem kein verborgener Indie-Künstler mehr.

Bosse hält auf seinem neuen Album an Altbewährtem fest. Das neue Album überrascht nicht, der Stil ist derselbe. Ein Zustand, mit dem sich Fans sicher zufrieden geben, dennoch klingt das Album an einigen Stellen identisch und unspektakulär.

13 Songs plätschern so dahin, dem Album fehlt der Knall zwischen Lalala’s und Uuuuh’s. Man wippt mit und hat das Gefühl, dass Bosse das, was er auf Kraniche vermitteln möchte, schon auf seinen anderen Platten irgendwie anders gesagt hat. Gesättigt von Landschaftsbeschreibungen wie Dünen, Meer, Häfen, Felder und Stränden mit Seemännern und Matrosen. Das malt Bilder in den Kopf, haut aber nicht um. Wenn Bosse nicht Neurosen auf Leichtmatrosen, verkrampfen auf dampfen oder Juwelier auf Hier reimt, bringt er ein „Yeah yeah yeah“ im Refrain. („Ist immer jemand da der mir tief in den Kopf sagt: Yeah yeah yeah.“) Das kennt man auch aus „Yipi“, das mit seinem Namen für sich spricht. („Du singst Yipi ya yeah, ich sing‘ Yipi yipi yeah.“) – An sich ein echt schöner Song auf „Wartesaal“.

Die Texte auf „Kraniche“ wirken an einigen Stellen zu offensichtlich („Es ist kaputt, man kann es nicht reparieren“ in „Familienfest“) oder zu sehr voraussehbar: Ausgerechnet im Lied „Istanbul“ ertönt eine Saz und Bosse berichtet über das Treiben in der türkischen Metropole. Sicher fiel Bosse nie damit auf, kryptische Texte zu schreiben, sondern schlaue Gedanken zu formen, die jeder direkt versteht. Solche findet man im neuen Werk leider weniger vor – sondern stößt auf poppige und mitreißende Melodien, die den Hörer verleiten über den Text hinweg zu sehen. Bosse erzählt hier zwar lebendige Geschichten, könnte sie aber deutlich verstärken.

Das macht auch die breite Instrumentierung (Bongos, Trompeten, Saz, Geigen) nicht arg wett. Sogar Valeska Steiner von Boy singt Chöre auf dem Album. Bosse nahm die Band vor einiger Zeit als Support mit auf seine Tour – für gute Vorbands hat er ein Händchen, das muss man ihm lassen. Interessanterweise ist Philipp Steinke Produzent von „Kraniche“, der ebenso das Boy-Debut arrangierte. Hier schließt sich der Kreis.

Bosse-Fans werden mit „Kraniche“ auf ihre Kosten kommen. Sie werden es mögen und feiern – dies zeigen ebenfalls viele Reaktionen auf Facebook, die Bosse als Feedback auf sein Pre-Listening erhält. Mit der kompletten Vor-Veröffentlichung „entzaubert“ er das Album vorweg. Ein solides Album wie „Kraniche“ es ist, hat man erwartet. Auf „Kraniche“ findet man keinen griffigen Hit wie „3 Millionen“, keine kantige Hymne wie „Guten Morgen Spinner“ und keinen beschwingten und treibenden Track wie „Frankfurt/Oder“.

Das Album wird in den Charts vertreten sein, im Radio laufen und in Kritiken als stabile Platte bezeichnet werden. Ein ordentliches, gut produziertes Deutschpop-Album und Bosse gibt Tim Bendzko und Clueso die Hand. Der Käufer macht nichts falsch und vertraut gewohntem Stil. Die Fans sind zufrieden, Bosse ist zufrieden, die Plattenfirma ist zufrieden. Niemand erwartete eine Revolution – doch vielleicht ein klein wenig höher könnten die Kraniche schon fliegen, als sie es auf diesem Album tun. Was macht man mit so einem Album? Bosse in guter alter Erinnerung behalten und wissen, dass er es besser kann.

www.axelbosse.de

Herbstgewitter – die moderierte Radiosendung rund um Liedermacher & Chansonniers. HIER reinhören.

Ein Kommentar zu “Rezension: Bosse – Kraniche

  1. Kayara
    1. April 2013

    Ich kann der Kritik durchweg zustimmen – leider. :/

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 12. März 2013 von in 2013, Plattenbesprechungen und getaggt mit , , , , , , , , .
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