Ein Achtel Lorbeerblatt

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Rezension: Heinz Strunk – Junge rettet Freund aus Teich

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von Marius Meyer / mit Dank an www.alternativmusik.de

Ein unglaublich kreativer und rastloser Kopf, dieser Heinz Strunk. Während mit Fraktus noch getourt wird, erscheint so ganz nebenher auch noch ein neues Buch, das auch als Hörbuch vorliegt. Beim Hören merkt man bald: Etwas ist anders auf diesem neuen Werk von Heinz Strunk, das hier in ungekürzter Fassung vom Autor selbst gelesen wird. Bewegte sich Strunk auf früheren Werken und auf seinen Kurzhörspielen gerne am schmalen Grat zwischen genial und grenzdebil, mit oft verstecktem doppelten Boden, so gerät dieser Aspekt hier eher in den Hintergrund. Gelegentlich schimmert das Ordinäre mal durch, Junge rettet Freund aus Teich ist eben ein typischer Strunk, aber vor allem ist es ein sehr einfühlsames, autobiographisches Werk geworden.

Das aktuelle Werk wäre chronologisch betrachtet ein Vorgänger zu Fleisch ist mein Gemüse, dem literarischen Durchbruch von Strunk und endet im Hochhaus in Harburg, jenem Stadtteil, der Ausgangspunkt des Erstlings ist, wenngleich auch über zehn Jahre später. Aufgeteilt in drei Teile, ist Protagonist und Ich-Erzähler Mathias Halfpape einmal als 6-Jähriger im ländlichen Bereich, einmal als 10-Jähriger in den großen Ferien bei Oma Emmi in Todtglüsingen bei Tostedt und als 14-Jähriger in Harburg. Dabei wird es zunehmend dunkler in dem, was erzählt wird. Die idyllisch anmutende Kindheit, ein falscher Umgang mit zehn Jahren und der Verfall um ihn herum, den er mit seinen 14 Jahren dann beobachtet, zeigen vieles, aber keine romantische Verklärtheit.

Dennoch ist es auf der einen Seite traurig, was Strunk hier schildert, auf der anderen Seite lebt es aber auch von der guten Erzählweise Strunks, bei der man sich bildlich vorstellen kann, was um ihn herum passiert und die auch immer wieder die humorvolle Seite Strunks zeigt. Beispielsweise, wenn er vom rauchenden Klavierstimmer seiner Mutter erzählt oder feststellt, dass die einzig guten Pferde die von Holsten seien, da diese ja schließlich das Bier brächten. Ist es zunächst vor allem autobiographische Erzählung, bei der man merkt, wie der schlechte Umgang Mathias Halfpape schon mit zehn Jahren zum Rauchen bringt und er dabei ist, wie Felder angezündet werden, kommt man irgendwann an den Punkt, an dem man bemerkt, dass auch die Depressionen seiner Mutter im Wechsel mit deren manischen Phasen hier thematisiert werden.

Die Tragik der Depressionen und auch der manischen Phasen deuten sich langsam an, wenn von den Hausaufgabenkontrollen erzählt wird, in die sich die Mutter teilweise stundenlang reinsteigerte, während Mathias Halfpape dennoch schulisch eher scheitert. Nach und nach merkt man, wie die Depression immer manifester wird. Wobei dieser Aspekt aber nur einer von vielen ist, von dem Junge rettet Freund aus Teich erzählt. Dabei geht es melancholisch zu, mit Liebe und Schmerz, detailgetreu und bildhaft – der kindliche Blick schimmert dabei immer wieder im Ich-Erzähler durch, genauso auch ein subtiler Humor und feine Ironie. Da hört man gerne zu und ist schnell gefesselt. Ein wirklich gelungenes Hörbuch!

www.heinzstrunk.de

2 Kommentare zu “Rezension: Heinz Strunk – Junge rettet Freund aus Teich

  1. Chris (booknerds.de)
    25. März 2013

    Tolles Hörbuch und schöne Rezension. Bei uns habe ich sowohl Buch als auch Hörbuch ebenfalls in höchsten Tönen gelobt. :-)

  2. debelloculinario
    19. März 2013

    hört sich spannend an, tragik und komödiantisches zu paaren war schon immer die königsdisziplin.
    um mir (schlechte) pferdelasagne-witze zu ersparen, sage ich einfach nur: der holsten-gag gefällt mir!

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 19. März 2013 von in 2013, Literatur, Kabarett & Hörbuch., Plattenbesprechungen und getaggt mit , , , , .
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