Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Hannes Wader erhält den ECHO für sein Lebenswerk

Die Deutsche Phono-Akademie ehrt den Liedermacher für seine nachhaltigen Beiträge zur Entwicklung des deutschsprachigen Liedes.

Hannes-Wader--c--Michael-Meyborg
Foto: (c) Michael Meyborg

HIER zur wortgetreuen Verleihungs-Laudatio von Reinhard Mey

Hannes Wader wird in diesem Jahr mit dem Deutschen Musikpreis ECHO für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Die Deutsche Phono-Akademie, das Kulturinstitut des Bundesverbandes Musikindustrie (BVMI), ehrt den Künstler als großen Liedermacher, der die Entwicklung des deutschsprachigen Liedes seit den 60er Jahren nachhaltig und beispielhaft geprägt hat. Hannes Wader wird den ECHO am 21. März im Rahmen der großen Awardshow in der Messe Berlin persönlich entgegennehmen. Gemeinsam mit der Band Die Toten Hosen wird er auf der ECHO-Bühne seinen Klassiker „Heute hier, morgen dort“ spielen. Die Düsseldorfer Formation hat dieses wohl bekannteste Lied von Hannes Wader im vergangenen Jahr für die Jubiläumsedition ihres Nummer-1-Albums „Ballast der Republik“ aufgenommen..

„Hannes Wader ist ein Künstler mit Ecken und Kanten, der der deutschen Gesellschaft immer wieder den Spiegel vorgehalten hat“, so BVMI-Geschäftsführer Dr. Florian Drücke. „Seit Jahrzehnten spricht er in seinen Liedern Dinge an, die möglicherweise ungesagt geblieben wären: Hannes Wader spricht vielen Menschen aus dem Herzen. Seine enorme musikalische und lyrische Qualität, seine ungeheure Bandbreite im Spannungsfeld von Politik und Poesie, Protestsong und Liebeslied machen Hannes Wader zu einer singulären Persönlichkeit in der deutschen Musiklandschaft – und mittlerweile auch zu einer künstlerischen Inspirationsquelle für jüngere Musikergenerationen.“

Hannes Wader – Mehr als „Heute hier, morgen dort“
Mit seinen Liedern hat Hannes Wader die Zeitläufte auf vielfältige Weise begleitet. So unterschiedliche Wader-Songs wie „Trotz alledem“, „Kokain“, „Der Rattenfänger“, „Dat du min Leefste büst“ oder „Charley“ gehören zum Soundtrack ganzer Generationen. Sein Lied „Heute hier, morgen dort“ avancierte gar zum Volkslied im besten Sinne. Der 1942 in Bielefeld geborene Liedermacher hat im Laufe seiner Karriere immer wieder seine persönliche Sicht vom Lauf der Welt, von politischen und sozialen Verhältnissen, von Krieg und Frieden aber auch von Liebe und Leid zu ebenso aufwühlenden wie einfühlsamen Liedern verdichtet – und das nicht nur in den dezidiert biografischen Titeln. Dabei hat Hannes Wader sein Publikum begeistert oder irritiert, er wurde gefeiert oder geächtet: Kalt gelassen hat er niemanden. Bis heute.

Das aktuelle Album – 2012 veröffentlichte Hannes Wader „Nah dran“, sein erstes Solo-Album seit fünf Jahren. Hier zeigt er sich einmal mehr als Song-Poet, der sowohl in Folksong und Volkslied als auch in Pop, Reggae und Ballade zu Hause ist. Auf der Höhe seiner Kunst artikuliert er sich als Komponist und Texter, Sänger und Gitarrist, Bearbeiter und Interpret. Neben eigenen Titeln sind u.a. Lieder von Pete Seeger, Tom Paxton, Konstantin Wecker und Franz Josef Degenhardt zu hören. Ebenfalls im vergangenen Jahr erschien die Compilation „Heute hier, morgen dort“, auf der so unterschiedliche Künstler wie Philipp Poisel, Anna Depenbusch, Pohlmann oder die Punkband Slime mit Liedern von Hannes Wader zu hören sind. Sie unterstreichen damit eindrucksvoll die Zeitlosigkeit seiner Musik und die Relevanz seiner Texte. Auch hier wird deutlich: Tagespolitik ist seine Sache nicht. Hannes Wader stellt vielmehr persönliche, manchmal auch autobiografische Geschichten in einen zeitgeschichtlichen Kontext. Das war zu Beginn seiner Karriere so, und das ist auch heute nicht anders.

Die Anfänge – Inspiriert von Georges Brassens und Bob Dylan, begann der gelernte Dekorateur und Grafikstudent, der später zeitweise bei dem Magazin „Pardon“ als Layouter arbeitete, Anfang der 60er Jahre mit dem Schreiben eigener Lieder. Sein Auftritt beim legendären Burg Waldeck Festival 1966 machte ihn über Nacht zu einem bekannten Namen in der jungen deutschen Liedermacherszene. Sein erstes Album erschien 1969 unter dem Titel „Hannes Wader singt“ und verschaffte ihm den künstlerischen Durchbruch. Auf dem Debüt sind Lieder wie „Das Bier in dieser Kneipe“, „Frau Klotzke“ oder das von Reinhard Mey gecoverte und ins Französische übertragene „Begegnung“ zu hören. Sie alle sind heute Klassiker.

Turbulente Zeiten – Sein 1972 veröffentlichtes drittes Album „7 Lieder“ mit Songs wie „Kokain“ und „Heute hier, morgen dort“ war ein großer Erfolg, fiel aber in eine für ihn schwierige Zeit. Unwissentlich hatte er seine Hamburger Wohnung der RAF-Terroristin Gudrun Ensslin überlassen und war anschließend auf Europareise gegangen. Nach seiner Rückkehr wurde er während eines Konzerts auf der Bühne verhaftet. Ein drohender Medienboykott konnte allerdings durch Freunde wie Reinhard Mey, Ulrich Roski und Insterburg & Co. abgewendet werden. Hannes Wader hat es weder sich noch seinen Fans jemals leicht gemacht. Als er 1977 in die DKP eintrat, wandten sich zwar viele von ihm ab, dennoch gehörte er weiterhin zu den ganz Großen unter den deutschen Liedermachern. Im gleichen Jahr erschien das Album: „Hannes Wader singt Arbeiterlieder“ mit Stücken wie dem Partisanenlied „Bella ciao“, dem Brecht-Eisler-Klassiker „Solidaritätslied“ und „Die Internationale“. Das Titellied seines Albums „Es ist an der Zeit“ (1980) wurde zur Hymne der Friedensbewegung. Darüber hinaus sang er auch immer wieder Lieder, die nicht dezidiert politisch sind, zu hören auf Alben wie „Plattdeutsche Lieder“ (1974), „Hannes Wader singt Shanties“ (1978) oder „Liebeslieder“ (1986).

Von Marx bis Schubert – In der Zeit der Wiedervereinigung trat Hannes Wader aus der DKP aus, ohne seine sozialistischen Grundüberzeugungen aufzugeben. Er nahm das stark biografisch geprägte Album „Nie mehr zurück“ (1991) auf und spielte 1996 gemeinsam mit Reinhard Mey und Klaus Hoffmann unter dem Albumtitel „Liebe, Schnaps, Tod – Wader singt Bellman“ Lieder des schwedischen Rokoko-Komponisten Carl Michael Bellman ein. Im Jahr darauf beschäftigte er sich intensiv mit Franz Schubert. Begleitet von dem Gitarristen Ralf Illenberger und dem Bassisten Eberhard Weber sang er auf dem Album „An dich hab ich gedacht – Wader singt Schubert“ Lieder wie „Der Musensohn“ oder „Die Forelle“ in ungewohnten Versionen.

Kein Ende in Sicht – Die folgenden Jahre waren von ausgiebigen Tourneen geprägt. Immer wieder trat er auch mit seinem Freund und Kollegen Konstantin Wecker auf. Im Wortsinne einmalig ist das gemeinsame Konzert mit Reinhard Mey und Konstantin Wecker anlässlich seines 60. Geburtstags in der Stadthalle Bielefeld im Juni 2002, das auf einer Doppel-CD veröffentlicht und ein Bestseller wurde. 2010 erschien die Live-CD „Wecker & Wader – Kein Ende in Sicht“ und hielt sich ebenfalls wochenlang in den Charts. 2011 kam der Film „Wader Wecker Vater Land“ von Regisseur Rudi Gaul in die Kinos, eine Dokumentation über eine gemeinsame Tournee mit Konstantin Wecker, die beim Münchener Filmfest mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde. Sein neuestes Album wurde erst vor wenigen Wochen veröffentlicht: „Old Friends in Concert“, ein Live-Mitschnitt von der gemeinsamen Tournee mit dem englischen Singer/Songwriter Allan Taylor. Auch diese CD stieg direkt in die Charts ein.

Quelle: http://www.echopop.de

Hören Sie auch in unser Herbstgewitter – die moderierte Radiosendung rund um Liedermacher & Chansonniers. Zur aktuellen Ausgabe: HIER entlang…

6 Kommentare zu “Hannes Wader erhält den ECHO für sein Lebenswerk

  1. maja
    22. März 2013

    Er war da, Reinhard Mey hat die Laudatio gehalten. sehr einfühlsam.
    hier ein weiterer Bericht. Schreibt da einer, Wader wäre peinlich. ich habe viele gesehen gestern abend, die mehr als peinlich waren.
    http://www.zeit.de/2013/13/Liedermacher-Hannes-Wader-Echo

  2. maja
    21. März 2013

    ein preis fürs lebenswerk hat für mich immer sowas merkwuerdiges …. Bin mal gespannt ob er überhaupt kommt der kriegt ja die krise wenn der all die bekloppten da sieht.

  3. Sven
    21. März 2013

    Reblogged this on Ich sag' mal … und kommentierte:
    Das freut mich ungemein. Der „Minimalist“ Wader hat den Preis unbedingt verdient! Und die „Teile“ seines Lebenswerkes, die in meinem Regal stehen, werde ich auch weiter hüten. In dem Zusammenhang ein herzliches „Dankeschön“ in meine „alte Heimat“ für die „Das Konzert – LE“ CD von 2003, die in meiner Sammlung noch fehlte.
    „Hannes, bleibe fit – und wenn du mal wieder, wie am 1. März, wieder hier im Norden bist, sage Bescheid. Wir kommen wieder …!“

  4. achtellorbeerblatt
    20. März 2013

    Ja, vielleicht haben die Juroren das auch gesehen und sich nur deswegen endlich mal an Herrn Wader erinnert. Ich selbst finde Preise „für’s Lebenswerk“ ja per se immer etwas, nunja, fragwürdig, klingt so abgehalftert, dabei steht der Mann ja voll im Saft, sozusagen. Und dann auch noch ausgerechnet der Echo, diese nur auf Kommerz schielende Absatzmarkt-Beweihräucherung….“Wader wird mit dem Echo ausgezeichnet“…ist das schon ein Oxymoron?;)
    David/EAL

  5. maja
    20. März 2013

    vor ein paar tagen hab ich mir den film angesehen in 3sat, hab ihn auch in meiner dvd sammlung, kann ich gucken wann ich will

  6. maja
    20. März 2013

    Reblogged this on Kein Tagebuchblog und kommentierte:
    das muss ich rebloggen damit ich den Termin nicht vergesse

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