Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Wolfgang Buck – Genau underm Himml

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von Simon-Dominik Otte

„Bitte drehen Sie an Ihrer Anlage die Musik einfach lauter.“ Welch schöner Ratschlag, den Wolfgang Buck uns im Inlay von „Genau underm Himml“ da gibt. Nach überstandener Depression liefert der fränkische Pfarrer auf diesem Album nicht nur Mundart-Poesie vom Feinsten (die mitgelieferten Texte sind für einen Rheinländer wie mich eine große Hilfe), sondern auch Jazz-, Soul-, Blues- und Rockarrangements zum Zungeschnalzen. Mehrere Songs befassen sich mit dem Thema Essen, denn Buck ist wahrlich kein Fleischverächter und so mancher Vegetarier könnte beim Text von „Des vom Schweinebrodn“ Gefahr laufen, der fleischlosen Kost fremdzugehen.

Seit 25 Jahren steht er mittlerweile auf der Bühne, begleitet von einer ungemein spielsicheren Band, die an den Songs mitbastelt, um das Gesamtwerk leuchten zu lassen wie einen besonderen Stern am Firmament der Songwriterkunst. Und dieses blinde Verständnis merkt man wahrlich jedem Song an, Lässigkeit in Perfektion, ohne selbige dabei schleifen zu lassen.

Auch seine Krankheitserfahrungen teilt Wolfgang Buck mit uns Hörern, gewährt uns Einblick in die Befindlichkeit eines unter Depression leidenden Menschen, dem immer noch ein wenig die Knie zittern („Su süß und salzich“). Und besser als mit „es woär zimmlich scheiße mit dier / du bisd a Minafeld“ kann man so manch verflossene Beziehung wohl nicht in Worte fassen. Wie überhaupt häufig das richtige Wort am richtigen Ort steht und einem die Augen öffnet und man denkt: „Ja, verdammt, genau so ist es!“

Ob mit leisen oder lauten Tönen, Wolfgang Buck und seine Band haben etwas mitzuteilen, etwas in die Welt zu tragen, was über das Individuum hinaus geht und das allgemeine Befinden anstößt. Sich einfach wieder an den kleinen Dingen zu erfreuen, sie wertzuschätzen und zu achten, das lehrt so manches Lied auf „Genau underm Himml“. Ohne dabei aber zu moralisieren, sondern sich immer selbst im Blick behaltend, quasi vor der eigenen Tür kehrend. Dadurch bleibt diese Musik immer sympathisch und wie man gern so platt sagt „nah am Menschen“.

Einziger Schwachpunkt des Albums ist „Aans nachn annern“, nicht textlich, sondern in der Gesamtumsetzung, da es zu stark nach Alleinunterhalter auf der Dorfdisko klingt. Doch dieser kleine Fauxpas wirkt nicht lange nach, schnell gewinnt Wolfgang Buck mit „Die wu do sohng“ wieder die altbekannte Qualität zurück und findet das tiefere Fahrwasser zur sicheren Weiterfahrt.

Mit „Genau underm Himml“ führt Wolfgang Buck mit seinen Mitstreitern einen Rundumschlag aus. Musikalisch trifft er dabei auf alle möglichen Einflüsse von Jazz bis Folk („Eich hams iebersehng“) und textlich von der Liebe über das Essen und die Nachkriegsjugend bis hin zur Massenabfertigung und ihren Verweigerern. Da sollte doch wirklich für jeden was dabei sein. Und das Fränkische setzt dem Ganzen dann noch die Krone auf. Mitlesen hilft, kann ich aus Erfahrung sagen.

Und da darf man auch ruhig an der Anlage laut drehen.

www.wolfgang-buck.de/

Hören Sie auch ins Herbstgewitter – unsere moderierte Radiosendung rund um Liedermacher & Chansonniers. Zur aktuellen Ausgabe: HIER entlang.

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