Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Lauter Leben – Richtung Morgen

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von Simon-Dominik Otte

Ein deutschsprachiges Album, in London aufgenommen und in New York gemixt. Ein echter Weltenbummler also. Nicht nur in technischer Hinsicht, nein, auch musikalisch. Das, was Lauter Leben (alias Nicolas Rebscher) auf „Richtung Morgen“ präsentieren, ist mehr, als in die Schublade „Deutschrock“ passt. Sicher, da hört man Bosse, Anajo, Philipp Poisel,ein bisschen Clueso, ab und an gar rammsteineske Anklänge. Aber eben auch Momente des besseren Collegerocks amerikanischer Prägung und deutliche Britpopelemente wie von neueren Bloc Party-Alben.

Und dazu schreibt Herr Rebscher deutsche Texte, die über das chartstypische Geseier hinausgehen, was schon an den ersten Zeilen von „Dein Leben ruft“ deutlich wird: „In jedem von uns wohnt ein Tier, das liebt es faul zu sein / es hält uns auf und bremst uns aus und wir fallen darauf rein / sag, wär’s nicht fett, mal wieder rauszugehen / stattdessen hängt man vorm TV und ist viel zu bequem“. Ab und an ist die Intonation dieser Texte allerdings etwas zu vorhersehbar poppig und grenzt schon an Stadionhymnen. Was nicht schlecht ist, den Texten aber ein wenig die Tiefe raubt.

11 Songs beinhaltet „Richtung Morgen“, 11 Songs zwischen Liebe, Frust, Politik und Weltschmerz. Lauter Leben klagen nicht an, sondern mahnen, leiden und zeigen Auswege. Kein erhobener Zeigefinger, vielmehr der Aufruf zum Öffnen der Augen, zum Aufwachen und Mitdenken. Mal treibende Kraft („Richtung Morgen“), mal unterstützender  Freund im Hintergrund („Überwältigt“), mal trotzig („So nicht mit mir“), mal Hilfe erflehend („Atemlos“), so weit reicht die Spannweite der Flügel, die Rebscher entfaltet, um über den Hörer hinwegzufliegen und einen Kondensstreifen zu hinterlassen, der als Erinnerung noch lange im Kopf ausfasert und Wirkung zeigt.

Sicher, ganz neu und weltbewegend ist das nicht, aber es zeigt, wie viel Potential hinter den massenkompatiblen Plastikbands aus den TOP 100 noch auf Gehör wartet und dieses auch verdient hätte. Denn „Bombe“ sollte jede Indiedisko zum Beben bringen, passt perfekt zu Rage against the machine, „Überwältigt“ hätte auch das Zeug dazu, Jupiter Jones „Still“ Konkurrenz zu machen und „10.000 Meter“ könnte durchaus eine posthume Verneigung vor dem späten Rio Reiser sein.

„Richtung Morgen“ bietet also viel Stoff zwischen Rock und Pop, Wehmut und Aufstand, Ruhe und Lärm. Gedankenanstöße in jedem Falle. Und allein das – trotz manchen Popmoments – lohnt das Reinhören.

http://www.lauterleben.com/

Psst! Schon gehört? Nullmorphem – 4 junge Liedermacher, beheimatet zwischen Hamburger Schule und anspruchsvollem Deutschpop. Mal reinhören? HIER entlang.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 11. April 2013 von in 2013, Neu & aufgefallen, Plattenbesprechungen, Uncategorized und getaggt mit , , , , , .
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