Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Reno Rebscher – Auf stillen Pfaden

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von David Wonschewski

Aber natürlich, das ist ein alter Liedermacher-Hut, dass sich Musiker die Poeme eines großen Dichters schnappen und dann behände und elegant in Klang und Melodie setzen. Auch Reno Rebscher macht im Grunde auf seinem Album „Auf stillen Pfaden“ nichts anderes als genau das. Mit dem kleinen, aber gewichtigen Unterschied: Es sind seine eigenen Gedichte. Okay, Rebscher nun als „großen“ Dichternamen zwischen gerne vertonten Poesie-Heroen wie Shakespeare oder Theodor Kramer einzusortieren, das würde wohl auch der studierte und praktizierende Mediziner an dieser Stelle als etwas übertrieben einstufen. Ist aber auch gar nicht nötig, beweist er doch gerade dadurch, dass es eben seine eigenen so dichterischen Gedanken und Gefühle sind, wie nah das Genre der Liedermacher dem der Poeten ist.

Ja, ein Talent für idyllisch dahingetupfte Wortwelten hat Rebscher definitiv, was sich vor allem daran zeigt, dass vielen Songs und Texten eine zweite Ebene innewohnt – eine Ebene, die hinter all der von ihm verbreiteten Idylle immer wieder aktuelle Bezüge aufblitzen lässt. „Liedpoesie & Lyrik“, diesen Untertitel hat Rebscher nicht grundlos gewählt , gelingt es ihm hier doch vortrefflich zwanzig Lieder und Texte zu einem einzigen, sanft schwingenden Bogen zusammenzusetzen. Mit dem Resultat einer Platte, die aus einem Guss daherkommt. Und das, obwohl Rebscher durchaus auch angelsächsische Songvorlagen einarbeitet, ja gerade durch irisch-folkloristische Einlagen wie „Ulsters Flüsse“, „Galway City“ oder „Carrickfergus“ aufzeigt, dass er sich mitnichten lediglich darauf verlegt versonnen durch heimatliche Heidelandschaften zu wandern.  Exakt diese Mischung aber ist es, die „Auf stillen Pfaden“ zu einem Werk macht, das ein gewisses Alleinstellungsmerkmal besitzt, dem allenfalls der baden-württembergische Liedermacher Volker Kittelberger mit seinem vor einigen Monaten veröffentlichten „Kittels Wagner“ relativ nahekommt. Denn dieses versonnene, gerade durch den emsigen Einsatz von Cello und Flöte unterstützte Gefühl, es besteht aus einer Ruhe, die im allerbesten Sinne wohltut, Kraft und Trost spendet – ohne in Belanglosigkeit zu münden. Nein, Biedermeier geht anders, auch wenn manchem Liedermacher-Freund das, was Rebscher hier zeigt, vielleicht zu konsequent umgesetzt erscheint. Es mag nicht jedem direkt ersichtlich sein, aber wie zum Beispiel Christof Stählin mitsamt seinen so barocken Liedwelten, so geht auch Rebscher keine Kompromisse ein. Und klingt somit sanft, ist jedoch unter der Oberfläche des Schönklangs von einer rebellischen Grundidee beseelt. Beginnend bei dem fast schon elfenhaften Begleitgesang, den Nina Ruckhaber bei einigen Liedern beisteuert. Und endend bei den diversen eingestreuten Kurztexten – allen voran die großartigen „Aquarell“ und „Von Irland nach Island“. Rebschers Lust sich überdies auf irische und auch isländische Wege zu begeben stellt eine leichte Verbindung zur Weltmusik her. Pluspunkte gibt es für die besonders gelungene Gesamtaufmachung der CD – doch nichts anderes sind wir gewohnt von den Veröffentlichungen, die das Labelhaus Conträr verlassen.

Zum ausführlichen Interview mit Reno Rebscher – HIER klicken.

Zur Homepage von Reno Rebscher – HIER klicken.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 23. April 2013 von in 2013, Liedermacher, Plattenbesprechungen, Rebscher, Reno und getaggt mit , , , , , , , , .
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