Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Max Prosa – Rangoon

rangoon

von Dennis Kresse

Manchmal fragt man sich als aufmerksamer Betrachter der vor allem deutschsprachigen Musikszene, wo diese hochtalentierten Menschen immer herkommen, die die deutsche Sprache gekonnt einsetzen und einen immer und immer wieder überraschen. Seien es alte Helden wie Klaus Hoffmann, Konstantin Wecker oder Reinhard Mey oder auch die Jungs, die in den letzten Jahren aus Worten Bildern gemacht haben, wie Gisbert zu Knyphausen, der tragischerweise im letzten Jahr verstorbene Nils Koppruch oder Pascal Finkenauer, um nur mal irgendwelche Namen, der schier unendlich großen Zahl an deutschen Dichtern und Denkern völlig wertungsfrei zu nennen.

Nun erscheint mit Rangoon von Max Prosa ein neuer Hoffnungsschimmer am Liedermacherhimmel. Klar, dass der Mann nicht Prosa mit Nachnamen heißt, aber der Name ist Programm, denn es ist selten, dass Sänger so tiefgehende Texte wie der Prosa im Repertoire haben.

Intime Texte wie etwa Der Clown, wo er mit der Erwartungshaltung der Kritiker aufräumt, über Charlie, seine Beobachtungen über alle, die vermeintlich „anders“ sind und die von der Gesellschaft über den Rand des Erträglichen hinaus, gemieden werden, da man sich beispielsweise zu fein ist, um Leuten die im Müll nach Pfand wühlen, auch nur in die Augen zu sehen, sind Songs die ans Eingemachte gehen.

Oder das traurige Titelstück Rangoon, eine Stadt in Myanmar und nicht nur Platz der Demonstrationen der buddhistischen Mönche gegen die Militärdiktatur, sondern auch der Geburtsort von Nick Drake, an dessen Werk sich Max Prosa auch orientiert. Darüber hinaus glänzt Max mit seiner heiseren und irgendwo zwischen Koppruch und Niels Frevert liegenden Stimme.

Wenn man sich dann schon freudig berührt fragt, ob man soeben eins der besten deutschsprachigen Alben des Frühjahrs für sich entdeckt hat, kommt noch die Coverversion des Lieblingssong auf Beerdigungen, Halleluja von Leonard Cohen und von Jeff Buckley auf überirdisches Niveau gebracht. So traurig kann nicht mal jemand, der sich Max Prosa nennt, klingen und so geht seine deutsche Version eher als nicht ganz so geglückte Lagerfeuer-Version unter.

Aber wer Sätze wie „Dein Papagei rezitiert Kant und Rimbaud, in Wirklichkeit überlegt er wie er pflegt“ schreibt, von dem wird man noch einiges hören.

Homepage: www.maxprosa.de

Mit Dank an alternativ-musik.de

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 2. Mai 2013 von in 2013, Liedermacher, M-P, Plattenbesprechungen, Prosa, Max, Uncategorized und getaggt mit , , , , , , , , , .
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