Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Tom Kirk – Schluss mit dem Geschrei!

tom kirk

von Simon-Dominik Otte

Bei Tom Kirk faszinieren ja allein schon die Songtitel. Ob nun „Katze mit Piercing“, „Nazi am Dorfteich“ oder „Papagei in Packpapier“… da steigt die Spannung. Und so sind denn auch die Texte. Fern ab von albern, eher intellektuell-humorig, so klingt es uns auf „Schluss mit dem Geschrei!“ entgegen. Und schön zu wissen, dass die Liebe bald schon im Garten sitzt und mit der Zeit Schach spielt.

Man könnte sich diese Songs auch sehr gut von den Monsters vorstellen, ebenso aber auch vorgetragen von einer Punkband mit Spaßallüren. Einen Traum, wie ihn Tom Kirk von einer Casting-Show hat, den wünscht man sich zwar nicht unbedingt, dennoch kann er sicher so manche Gute-Nacht-Geschichte bereichern. Und dass der frühe Vogel ein verdammtes Schwein ist, wussten wir doch alle spätestens seit heute Morgen wieder, oder?

Bei aller Flappsigkeit, allen Wortspielen blüht in jedem Song auch eine kleine Blume des Hintersinns, so macht den Freund des Nordens etwa „Meerlieder“ tatsächlich melancholisch. Auch das also kann Herr Kirk mit seinen Liedern bewirken, wenn man es zulässt und zu verstehen bereit ist.

Tom Kirk tritt in die Fußstapfen so mancher Liedermacher und schreitet deren Wege nicht nur ab, sondern findet auch eigene Pfade, die für seine Besonderheit bedeutsam sind und den Hörer immer wieder überraschen. Die Akustikgitarre, die Mundharmonika, mehr braucht Tom Kirk nicht, um seine Botschaft zu verbreiten. Man spürt, dass es besser ist, dieses Leben nicht allzu ernst zu nehmen, ihm vielmehr mit einem Lachen zu begegnen. Denn „es gibt zu viel, auf das man warten muss“ („Worauf wartest du?“) – warum sich also die Wartezeit nicht ein wenig versüßen. Und einfach mal gepflegt über die persönlichen Hasstiere ablästern („Ponyhof“).

Selbst politische Themen hält der Liedermacher nicht außen vor („Die Ballade vom reichen und vom armen Mann“), selbstverständlich nicht, ohne nicht auch dabei dem Spaß die Tür zu öffnen. Dem Teufel jedenfalls werde ich nicht mehr die Tür öffnen, geschweige denn, mich mit Spinnen anfreunden („lieber keinen Freund / als einen mit acht Beinen“). Zudem gelingt Tom Kirk mit „Nazi am Dorfteich“ die Liedermacher-Version vom „Schrei nach Liebe“ der Ärzte und zeigt auch da wieder die Punkrockqualitäten. Um es mit Frank Turner zu sagen: „campfire punkrock“.

Zwar heißt es im letzten Stück des Albums „du bist nie ganz hier“, aber Tom Kirk ist ganz da. Ganz nah bei uns. Und unseren ach so individuellen Leben. Und jetzt Schluss mit dem Geschrei!

www.tom-kirk.de

3 Kommentare zu “Rezension: Tom Kirk – Schluss mit dem Geschrei!

  1. Silke
    5. Oktober 2013

    Die gute Fee hat mir vor ein paar Tagen „Schluss mit dem Geschrei“ vorbeigebracht – erst war ich ja etwas skeptisch, so ein Lindenberg-Verschnitt auf dem Cover… Aber dann – super Musik, und so viele Tierbilder in den Liedern! „Mein Freund der Clown“ ist mein persönlicher Favorit, aber auch alle anderen sind toll! Mehr davon.

    • achtellorbeerblatt
      6. Oktober 2013

      Liebe Silke, Sie dürfen die Gute Fee gerne beim Namen nennen, denn der gute Tom Kirk war der Spender und – wir spendieren weiter nur was wir für hochgradig spendabelfähig halten:-))

      LG

      David/EAL

      • Silke
        6. Oktober 2013

        … ich wollte ja nur sagen, also der Wink des Schicksals, sozusagen, und überhaupt, – jetzt ist die Gute Fee auch noch ein Mann, ach herrje, also denn, kurz und knapp: großen Dank Dir David und dem EAL für das Zusenden und Tom Kirk für das Spenden dieser tollen CD!!!

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 8. Mai 2013 von in 2013, I-L, Kirk, Tom, Liedermacher, Plattenbesprechungen und getaggt mit , , , , , , , .
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