Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Pascal Finkenauer – Pascal Finkenauer

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von Simon-Dominik Otte

Der Mann, den sie auf Wikipedia den „Punkchansonnier“ oder auch „postmodernen Songwriter“ nennen, beglückt uns 2013 also wieder einmal mit einem neuen Album. Und das beginnt zunächst mit obskuren Sounds, um dann schnell in eine gefällige Melodie zu münden. Mit der Macht britischer Indiebands, der Verschrobenheit der späten 70er und frühen 80er Wavemusik und einer Gesangslinie, wie sie Alexander Veljanov von Deine Lakaien nicht eindrucksvoller und düsterer hätte gestalten können, legt der Wahlhamburger auf dem selbstbetitelten Album los. Und dieser stetige Hauch von Düsternis bleibt auch in den nächsten Songs hängen wie der Geruch des geliebten Menschen in den eigenen Kleidern steckt. Und so nah gehen einem die 12 Songs auf Pascal Finkenauers Album auch.

„Es hängt immer davon ab, in welchem Licht man steht“ (Im Licht), aber wenn man sich den hellen Fleck mit diesem Musiker teilen darf, fühlt man sich sofort zuhause, verstanden und richtig aufgehoben.

Für die Lieder dieses Albums ist Finkenauer durch seine Stadt gezogen, hat die Nächte aufgesaugt und dies dann auf Notenpapier gebracht, was er erlebte. Eben großstädtische Fremdheit, Liebe und das Leben an sich. „Tanzt auf dem Rest meiner Reste“ singt er in „Den Bach runter“ und man weiß, was er meint. Aber rocken kann er auch und das nicht nur musikalisch, sondern auch lyrisch, wie er etwa in „Maschine“ sehr deutlich machen kann. Was ihm überdies hervorragend gelingt, ist, das Album stets spannend zu halten, Abwechslungen, Sprünge, Ruhe und Sturm spielen miteinander ein perfekt arrangiertes Spiel, das einen dazu aufmuntert, Teil des Ganzen zu werden und den Geist in diese klanglichen Tiefen zu werfen. Und trotz all der Dunkelheit spürt man immer wieder die warmen Sonnenstrahlen, den Lebenswillen, die Gründe dafür, nicht aufzugeben, sondern sich den Herausforderungen, seien sie auch noch so groß, zu stellen und sie zu verarbeiten.

Egal, wie viele Epigonen man aufzählen mag (die von Joy Division über The National bis hin zu Element of Crime reichen könnten), Pascal Finkenauer behält immer sich selbst im Auge und wirkt nie wie ein Abklatsch von etwas, das bereits da war, dafür ist das, was auf diesem Album passiert, zu eigenständig, eigensinnig und allein schon textlich ein solch faszinierendes Ereignis, dass sich jeder Vergleich erübrigt.

Rockmusik mit Songwriterwurzeln, vielleicht auch Songwritermusik mit dem Hang zum guten alten Rock, wie auch immer man es formulieren möchte, es bleibt Pascal Finkenauer, es bleibt interessant, fesselnd, ruhig, lärmend, schlicht: es deckt einfach alle Ebenen des menschlichen Lebens ab und auf.

Man könnte also sagen, dass Pascal Finkenauer den Rock 2.0 praktiziert, sich aus den passenden Genres den passenden Sound holt und ihn auf sehr eigene Weise in seine Songs einbaut. Zudem versteht er es meisterhaft, die richtigen Worte für die richtige Stimmung zu finden, dabei nie plakativ zu werden. Zum Abschluss daher vielleicht noch ein Beispiel zum Schluss:

„Autos zieh’n an mir vorbei / Wege, Straßen auch / Mauern zieh’n an mir vorbei / die Fenster darin auch / ich bin verwundet / gib’s zurück / draußen sieht’s nach Regen aus / nichts von allem muss / wenn man mir zu nahe kommt / schrei ich: „Leinen los!“ “ (Brennende Autos)

www.pascalfinkenauer.com

Lesen Sie auch „Schwarzer Frost“ – der unterkühlte Misanthropenroman von David Wonschewski. Mehr Infos – HIER entlang…

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 10. Mai 2013 von in 2013, E-H, Liedermacher, Plattenbesprechungen und getaggt mit , , , , , , , .
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