Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Bünger – Besser scheitern

besserscheitern

von Simon-Dominik Otte

„Besser scheitern“ ist ja schon mal ein ganz wunderbarer Titel für ein Album. Das gänzlich schwarz-weiß gehaltene Cover tut dann ein Übriges, um Interesse zu wecken. Der Opener „Am Ende wieder Licht“ vermischt dann gleich die Lockerheit von Element of Crime, die Verschrobenheit von Fink und die lyrische Konsequenz eines Ed Csupkay zu einer Roadmovie-Hymne, die direkt für sich einnimmt und begeistert. Bünger macht alles so, wie es ihm passt, keine Kompromisse und es einfach richtig. Ob nun in der traditionellen Songwriterecke oder im Bandgewand, das, was es auf diesem Album zu hören gibt, gibt einem Mut zum Umgang mit den eigenen Niederlagen, ja, dem Leben an sich.

„Manchmal würd ich gerne wissen / warum das gerade mir passiert“ (Ein Lied). Diese Frage hat sich jeder normal denkende Mensch sicherlich schon hunderte Male gestellt, aber einfach raus zu gehen und ein Lied zu singen, diese Lösung erscheint neuartig und besonders. So besonders, wie eben oftmals die Texte von Bünger daher kommen, dass man verführt ist zu denken: „Woher kennt dieser Mann eigentlich mein Leben?“

Verpackt sind die kleinen Abgründe menschlichen Lebens, die Wehmut, die Melancholie, aber auch die Freude dabei in leicht countryeske, fast schon an Americana gemahnende Melodien, die direkt aus einer verrauchten Bar schallen könnten, sie untermalen damit auch die augenzwinkernde Lässigkeit, die aus vielen der 10 Songs spricht. Diese Musik, diese Texte sind sicherlich (leider) viel zu intelligent für die doch eher albernen Mainstream-Charts, aber dass es solche Musiker gibt, sollte niemals in Vergessenheit geraten, denn diese beschäftigen sich mit den wirklich wichtigen Dingen. „Langeweile gibt es satt / weil man sich nichts zu sagen“ (Diese Stadt). Glücklicherweise hat uns Bünger aber eine Menge zu sagen, wir sollten nur so mutig sein und zuhören.

Auch für die guten Tage gibt es mit „Solche Tage“ den richtigen Song, eben die, an denen man nichts bereut, alles funktioniert und nichts stört. Selten genug, aber man sollte sie eben mit der gleichen Intensität wahrnehmen wie die schlechten, von denen es ja oftmals mehr gibt und die einen dann längerfristig mitnehmen.

Einzig schade – das denke aber wahrscheinlich nur ich als passionierter Deutschlehrer – ist, dass sich mittlerweile tatsächlich das „Sinn machen“ in der deutschen Sprache auch der Songwriter festgesetzt zu haben scheint. Solche Marginalien sind aber nur eben das – marginal. Denn viel wichtiger ist das, was am Ende da steht: „Ich weiß, heute Nacht brennt für mich irgendwo ein Licht“. (Zurück). Eins ist jedenfalls sicher: mit Bünger scheitert man gerne. Einfach, weil’s besser ist. Besser scheitern eben.

www.facebook.com/svenbuenger

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 13. Mai 2013 von in 2013, Neu & aufgefallen, Plattenbesprechungen, Uncategorized und getaggt mit , , , , , , , , .
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