Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Bastian Bandt – Stroh aus Gold

cover-stroh-aus-gold


von Simon-Dominik Otte

Ich mag es ja einfach nicht, dieses große „I“ mitten in einem Wort. So wie bei KünstlerInnen. Aber gut, das Konzept, das das Kulturkraftwerk verfolgt, klingt durchaus interessant. Und das, was Bastian Bandt auf „Stroh aus Gold“ anbietet, auch.

„Der Teufel scheißt im Laufen / und auf den größten Haufen“. Mit so einer Textzeile kann man ziemlich schnell die Aufmerksamkeit binden und das bereits im ersten Song. Die von Laslo Feher arrangierten, virtuosen Gitarrenlieder gehen schnell in die Tiefe. Tief in die Synapsen, wo sie sich ihre Wege suchen zum Ziel, mitten ins Herz.

„Stroh aus Gold / Bonbons aus Scheiße“. Klingt fäkal, gesungen aber durchaus faszinierend und passend. Und die Steelguitar im Hintergrund gibt dem Titelsong eine wunderbar lässige Attitüde, wie man sie von Element of Crime kennt. Das kann man sich auch sehr gut als Filmmusik vorstellen, ja, man kann sich sogar den Film dazu im Kopf selbst erfinden.

Wie überhaupt der Kopf sehr intensiv von Bastian Bandt angesprochen und beansprucht wird. Also Liedermaching, wie es sein soll. Mit Intellekt und Humor, mit Spaß und Melancholie. 12 Lieder, die ihre Wirkung rein durch zwei Gitarren entfalten, durch zwei Musiker, die sehr genau wissen, was sie tun und wie. Hier sitzt jeder Ton und tut er das mal nicht, dann ist es gewollt und genau richtig. Denn auch das Leben bietet schließlich nicht immer nur die sauberen Akkorde, sondern ist oft genug schmutzig und schräg, immer aber lebenswert. Und in diesem Falle eben hörenswert.

„Denn ich hab ein bisschen Schluckauf / das hat man, wenn der andere weint“. Auch so kann man verflossene Lieben, Sehnsucht und andere tiefe Gefühle beschreiben, ohne dabei albern zu wirken. Bastian Bandt gelingt es immer wieder, auch traurigen Situationen noch das Zwinkern im Auge abzugewinnen. Ob nun der unerwiderten Liebe, dem Fernweh oder der Angst, allem wohnt irgendein Zauber inne und auf „Stroh aus Gold“ wird er entfacht. Manchmal mit kindlichen Gedanken („Zummond“, „Weihnachtsmarkt“), aber eben nie kindisch, sondern stets verständlich und überzeugend.

Dieses Album, diese 12 Lieder über die Lebenslagen, die man eben so durchleben darf und muss, ist es allemal wert, gehört zu werden. Vielleicht auch am Spinnrad sitzend. Besser aber mit offenen Ohren, einer Zigarette und einem Glas guten Weins. In dieser Atmosphäre dürfte Bastian Bandts Album ganz hervorragend wirken. Sicherlich auch in trauter Zweisamkeit an einem verregneten Wochenende gammelnd auf dem Sofa. Aber eben bitte immer mit offenen Ohren. Sie werden es danken.

www.bastian-bandt.de

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