Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Drei Mal Gerd Schinkel

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Ein Erlebnisbericht von Helmut Pritschet

Es gibt Liedermacher, zu denen man bei der ersten Begegnung einen Zugang findet, bei anderen dauert es eine Weile, bei der dritten Gruppe findet man keinen Zugang, obwohl man vielleicht gar nicht weiß, warum das so ist. Ich glaube, vielen geht es so. Einer, der mich auf Anhieb berührt hat, ist Gerd Schinkel aus Köln. Es ist mir eine Freude, dass ich ihn zu drei  verschiedenen Gelegenheiten erleben durfte.

Ich begegnete ihm zuerst im Liedermacher-Forum und wir verabredeten uns mit den Ehefrauen für das Bardentreffen auf dem Nürnberger Campingplatz. Wir besuchten gemeinsam Konzerte, trennten uns nach den jeweiligen Interessen und stellten abends fest, dass uns keines der restlichen Konzerte so richtig zusagt, also verabredeten wir uns auf dem Campingplatz in unserem Vorzelt.

Im Vorzelt

Gerd und seine Frau Martina brachten nicht nur Wein und Käse mit, sondern auch eine Gitarre. Und so erlebte ich mit meiner Frau ein Konzert der besonderen Art: im kleinsten Rahmen auf Zimmerlautstärke. Meinen Vorlieben entsprechend sang er nicht nur „Kammer ruhn“ und die „Macht des Glaubens“, ich erfuhr auch, dass seine Tochter gerne lacht  und sein Sohn gern tanzt.

Den stärksten Eindruck hinterließ die Geschichte einer Jugendfreundin, die bevorzugt Lieder von Melanie sang und die, nachdem sie im Nahen Osten Witwe geworden war, von ihrem Schwager noch am Flughafen erschossen wurde um zu verhindern, dass sie mit ihren Kindern nach Deutschland zurückkehrt.

In der „Besen-Kammer“

Für die nächste Begegnung mit Gerd Schinkel fuhr ich an einem verlängerten Wochenende zu drei seiner Besenkammer-Konzerte. Für diese nicht-öffentlichen Konzerte räumt Gerd sein Wohnzimmer aus, stellt Klappstühle auf und lädt Künstler ein. Zu diesen intimen strikt privaten Konzerten wird man vom Gastgeber ganz persönlich eingeladen und dann auch freundlich begrüßt, auf dem Flur ist Möglichkeit zu einem netten Plausch mit Künstlern und Gastgebern, viele der Gäste scheinen sich mittlerweile zu kennen, nehmen aber bayerische Exoten wie mich liebevoll in ihren Reihen auf.

Der Ablauf der Konzerte ist mittlerweile ritualisiert: Als Auftakt spielt Gerd drei seiner eigenen Lieder. Mir gelang es dabei sogar, ihn zu überreden, trotz der Überlänge (Intrigen in Bayern geben eben viel Stoff her) den Intrigantenstadl zu singen.

Danach singt und spielt der oder die jeweilige(n) Gastkünstler sein/ihr Konzert in normaler Länge, je nach Lust und Laune mit oder ohne Verstärkeranlage vor eng sitzendem und konzentriert lauschendem Publikum, was für Künstler und Zuhörer eine ganz besondere Atmosphäre schafft.

Während der Pause des Konzerts gibt es in der Küche Getränke und kleine Brotzeiten. Im Flur steht die Spar-Eule, die den herumgereichten Hut ersetzt. Zum Abschluss des Konzertes singt Gerd Schinkel zusammen mit dem Künstler sein Abschiedslied bei dem es mir jedes Mal wieder im Magen kribbelt: „Bei Gelegenheit werden wir uns wieder sehn.“

Der Versuch, ein anderes Abschiedslied zu singen, scheiterte bereits vor Jahren an den heftigen Protesten der Gäste, die offensichtlich nach dem Bauchkribbeln beim traditionellen Abschiedslied süchtig sind. Ein schneller Abschied ist es trotzdem nicht, solange es in der Küche noch Bier und Brezen gibt.

Beim Liedertreffen
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Das dritte Mal traf ich Gerd Schinkel auf dem diesjährigen Liedertreffen des Liedermacher-Forums in Schwerte. Leider konnte Gerd nur einen Tag bleiben, weil er als eingeplanter Mitarbeiter im Helferteam des Folk-Frühlings nach Venne weiterfahren musste. Trotz der knappen Zeit, gab es neben vielen netten Gesprächen für Interessierte eine Einführung in die Einsatzmöglichkeiten von Kapodastern, die 3 und 5 Saiten abdrücken.

Abends nutzte Gerd die Möglichkeit, für Interessenten ein Konzert zu geben. Bei „so gesehen“ beschreibt er, dass es gar nicht schlecht wäre, wenn man das Leben rückwärts leben und mit einem Orgasmus beenden könnte. Die Gedanken eines Vaters, wenn die pubertierende Tochter mit engem T-Shirt die Blicke der Knaben auf sich zieht, kamen mir bekannt vor. Als er sein Abschiedslied sang, beschloss ich, dass ich doch demnächst die Gelegenheit beim Schopf packen muss, um Gerd bei einem Besenkammerkonzert wieder zu sehen…

www.gerdschinkel.jimdo.com

www.gerdschinkel.de

Und immer dran denken: Ein erstes Ohr in neue Liedermacherwerke werfen können Sie – HIER.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 29. Mai 2013 von in 2013, Artikel & Interviews, Uncategorized und getaggt mit , , , , , , , .
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