Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Zukunft und die Lichter – Vergiss, was gestern war

ZUDL_cover

 von Charlotte Stampfli

Es ist keine 70er-Jahre-Musik, die aus dem Lautsprecher dringt. Auch wenn der Tonträger von «Vergiss, was gestern war» in diese Stilrichtung ahnen lassen würde – sehr bunt und handgeschriebene (etwas klein geratene) Texte im Booklet aus Pappe. Nur ist es vielleicht gerade das, was das Trio von «Zukunft und die Lichter» mit dieser Aufmachung erreichen will: dass sie nicht zu anderen Interpreten in irgendeine Schublade gesteckt werden. Denn wer von Unangepasstheit singt, von Liebe und Enttäuschung und von vergessenen Träumen, der lässt sich nicht kategorisieren. Das stellen die drei Berliner im Song «Besser laut als leise» auf eine leichtfüssig-freche Art denn auch gleich klar: «In die Schublade, die Ihr uns bietet, da passen wir nicht rein.»

Und wenn man doch versucht, musikalische Vorbilder hinauszuhören, dann würden sich vielleicht alte Werke von Elements of Crime anbieten, vielleicht aber auch spätere Sachen von Ton Steine Scherben. Vielleicht…

Seit 2006 lassen Sebastian Zukunft (Gitarre, Gesang), Ingo Geishecker (Bass, Backgroundgesang) und Martin Wahl (Schlagzeug, Backgroundgesang) in einem malerischen Hinterhof in Berlin-Neukölln Lieder entstehen, die zum Mitwippen, Nachdenken und Mitsingen anregen.

Letztes Jahr verwirklichte die Band nun ein weiteres Stück ihrer Zukunft und produzierte – wie könnte es anders sein – in Eigenregie ihr zweites Album, das Mitte Juni 2013 unter dem Osnabrücker Label Timezone Records erscheint.

Konzentrierte sich auf dem 2010 erschienenen Vorgänger «Mann im Mond» das Trio vornehmlich auf poppige Töne zum selbstvergessen Mitblubbern, stehen bei «Vergiss, was gestern war» eindeutig rockige Klänge mit Ecken und Kanten im Vordergrund. Und weil sich die Band nicht einordnen lassen will, trifft man bei «und den Schminktisch nimmst du mit» neben dem rotzigen Text auch musikalisch auf einen Hauch von Punk, überrascht «Jede Nacht» mit melancholischen Tönen oder wähnt man sich bei den folkigen Klängen von «Verlieben» als Lonesome Cowboy, der einsam in den Sonnenuntergang reitet.

Überhaupt ist das Thema Liebe & Schwermut bei den Texten von Frontmann Sebastian Zukunft allgegenwärtig. Sehnsucht wechselt sich mit beissender Ironie und spätestens bei «der Vollmond scheint durch’s Fenster» wird klar, dass nichts klar ist.

Mit «Vergiss, was gestern war» ist «Zukunft und die Lichter» ein Album gelungen, das bei jedem Hören etwas Neues offenbart und dessen Lieder sich nicht nur im Ohr, sondern auch an den wippenden Beinen festkrallen.

www.zukunft-und-die-lichter.de

http://www.timezone-records.com/kuenstler/details/zukunft-und-die-lichter/

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