Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Ringsgwandl – Mehr Glanz!

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von Konrad Bönig

„Nur Irre haben mein Zeug im Plattenschrank.“

Das behauptet der Buchautor, Kabarettist und vor allem Musiker und Liedermacher Georg Ringsgwandl in seinem Lied „I hob nur di“ auf der neuen Scheibe „Mehr Glanz!“, die am 7. Juni erscheinen wird.
Neigt man zunächst dazu, dieses Zitat schmunzelnd als sympathisches Understandment zu verstehen, so gibt es auf den zweiten Blick doch vor allem unmissverständlich die Richtung für sein Tun, die entspannte Haltung zu seiner Kunst und die uneitle Selbstironie des Künstlers wieder.

„Für die wirklich hohe Kunst bin ich zu primitiv, für die Popmusik zu kompliziert.“

Der promovierte Mediziner, der nach mehreren Platten, erfolgreichen Tourneen und zahlreichen Kleinkunstpreisen bereits 1993 seinen Job als Oberarzt in der Kardiologie zugunsten der musikalischen Karriere aufgab, muss sich nichts mehr beweisen. „Salzburger Stier“, „Deutscher Kleinkunstpreis“, „Preis der deutschen Schallplattenkritik“, „Prix Pantheon“, „Bayerischer Kabarettpreis“, Jahrespreise der Liederbestenliste,… Trotz all dieser Ehrungen und Erfolge bezeichnet sich Ringsgwandl selber nach wie vor gerne als „Multidilettant“, scheint sich und das, was er tut, nicht immer so ganz ernst zu nehmen, und entsprechend wohltuend unangestrengt, musikalisch wie auch textlich, kommt nun seine neue Scheibe „Mehr Glanz!“ daher.
Der Leichtigkeit vermittelnde, funkige Groove der neuen, jungen Band (mit Daniel Stelter, Tommy Baldu, Sebastian Flach, Christian Diener) kleidet das „Rohmaterial“ des Georg Ringsgwandl vom ersten Takt an vortrefflich und hüllt die Scheibe gekonnt in den Glanz, der im Titel an- bzw. versprochen wird.

„Nicht mal die kleinste Brauerei int‘ressiert mein Konterfei.“

Die in meist gut verständlichem Bayrisch gesungenen Texte der Lieder (für Nicht-Bajuwaren stehen sie im gut ausgestatteten Booklet zur Verfügung) haben Witz, der jedoch nicht platt auf Schenkelklopfer zielt, der vielmehr mit einem feinsinnigen Blick tragikomische Details der menschlichen Existenz sowie die oftmals schon zur Normalität mutierten Skurrilitäten und Widersprüche unseres täglichen Lebens hemmungslos entlarvt.
So etwa im luftig arrangierten Titel „So geht’s net“, in dem Meister Ringsgwandl anstelle des Mannes bzw. der Frau auf der Straße seiner Empörung Luft macht: „Im warmen Büro sitzen, und fremdes Geld verblitzen, doch wenn die Kurse stürzen, dann wollns vom Staat a Spritzen, was sind denn das für Sitten: So geht’s net!“

„Nicht mal der Pferdemetzger glaubt, dass ich ihm Kunden zieh.“

Die Wochenzeitung „Die Zeit“ hat Ringsgwandl einmal als „intellektuellen Robin Hood“ bezeichnet. Dass der im bayrischen Bad Reichenhall geborene Musiker jedoch nicht unbedingt Worte für seinen feingeschliffenen Humor und seinen Hang zur trefflichen Selbstironie benötigt, zeigt er wunderbar in Track 9, einem Instrumentalstück mit dem Titel „Wo ist mein Text?“, welches sich geschickt in die Reihe der – wie ich meine – ausnahmslos gelungenen Songs der neuen Scheibe einfügt.

„Nicht mal die Linke freut sich, wenn ich Wahlkampf mach für sie. Mit mir, da krieg’n sie nicht mal vier Prozent.“

Ringsgwandl hat sich vom „Geheimtipp der Verirrten“, wie „Die Zeit“ ihn einst bezeichnete, zum ernstzunehmenden „gesamtgesellschaftlichen Seismometer“, wie er sich wohl mit einem Augenzwinkern selber sieht, entwickelt.
Während sich die Shows des „Punk-Qualtingers“ (Die Zeit) anfangs optisch ausgesprochen schräg bis skurril gebärdeten und er sich vor schrillen, gewöhnungsbedürftigen Verkleidungen und Posen nicht scheute, sind seine Auftritte in den letzten Jahren deutlich „seriöser“ geworden, jedoch nach wie vor ideenreich und originell. So kommt es vor, dass auf der Bühne der eine oder andere Song lediglich mit der Zither von ihm begleitet wird, dem Instrument, welches dem kleinen Georg einst den Weg zur Musik schmackhaft gemacht hatte.

„Ich hab nur wahnsinnige Fans, für mich bürgt keine Bank.“

Im „grausam schönen Lied von der Liebe“ versucht sich der „Valentin des Rock’n Roll“ (Die Zeit) herrlich poetisch an einer Definition für das, wovon man alles schon und gar nichts weiß. Wie er damit fertig wird, dass er mit ihr nicht reden kann, schildert er anhand von tragikomischen Bildern und Momenten in dem köstlichen Song „Nicht reden mit dir“: „Ich renn zum Pfarrer zum Beichten, geh raus mit dem Hund in der Friah, ich arbeit‘ bis spät in die Nacht rein, nur weil ich nicht reden kann mit dir.“
Die neue Liedersammlung „Mehr Glanz!“ zeigt einmal mehr, dass Ringsgwandls Welt unsere Welt ist, dass Wahnsinn und Genie, Glück und Leiden darin ganz nahe beieinander liegen („Ruhm und Glanz sind öffentlich, nur das Elend ist privat.“). Georg Ringsgwandl findet dafür schon seit vielen Jahren die richtigen Worte und den passenden musikalischen Ausdruck.
13 glänzende Kleinodien also auch auf seiner neuen Scheibe „Mehr Glanz!“. Herausragende Texte, die zum aufmerksamen Zuhören einladen, umhüllt von mal entspannter, mal treibender Musik, die durchaus für sich stehen und gefallen kann, auch wenn man nicht so sehr auf deutschsprachige Rock- und Pop-Musik oder gar Liedermacher steht.

„Ich habe keinen Sponsor, mich stützt keine Industrie.
Ich steh mit dem Rücken an der Wand. Ich hab nur di.“

www.ringsgwandl.de

Ein Kommentar zu “Rezension: Ringsgwandl – Mehr Glanz!

  1. Maja
    27. November 2014

    Hat dies auf Querbeet, soll heissen, alles was mich bewegt rebloggt und kommentierte:
    ich bin auch eine von den Irren, lieber Ringsgwandl, aber es gibt schon mehr Glanz in meinem Haus

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