Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Paradiesvogelfest 2013 – Rückblick

PV

von Floh Söllner

Zum dritten Mal ging nun schon in diesem Jahr das Liedermacherfestival „Paradiesvogelfest“ auf Schloss Weitersroda in Südthüringen über die Bühne und das auch noch an einem Jahrhundert-Flut-Wochenende Ende Mai.

Seit Tagen wurde im Schlosshof gehämmert, geschleppt gebaut und gebastelt. Fröhliches Tun, um das inzwischen 3. Paradiesvogelfest auf die Beine zu stellen. Seit Wochen hat sich die Sonne nicht blicken lassen, aber man ist guter Dinge. „Aufbau im Regen heißt: Festival im Sonnenschein“!

Der Lastwagen mit der Bühnentechnik fährt vor und schon wuseln Techniker, Beleuchter und Musiker auf der schlosseigenen Bühne umher. Der „Pizza-T.A.N.K.“ aus Berlin baut bereits seinen Steinbackofen auf und aus dem Kaffe- und Chai-Zelt bei „Baba Chai“ duftet es nach orientalischen Gewürzen.

Donnerstagmittag, gleich werden die Tore geöffnet und bunte (Pardies-)Vögel aus allen Himmelsrichtungen strömen auf das Schlossgelände.
Über das Internet lesen wir bereits die Unwetterwarnungen des deutschen Wetterdienstes. Das sieht nicht gut aus. Der Campingplatz ist bereits ein einziger See und der Regen scheint nicht enden zu wollen. Die Veranstalter beschließen daher kurzer Hand, alle Gäste in der gegenüberliegenden Brauerei unterzubringen. Das Angebot wird von vielen dankend angenommen.

Dann ist es endlich soweit! Mit der „Bunten Bühne“ startet das Paradiesvogelfest und die Newcomer übernehmen das Mikrophon. Nachwuchstalente wie der bayrische Liedermacher Manuel Zurek, der Gießener Stevie Maine oder die Berlinerin Eva Wunderbar stimmen die Gäste auf die bevorstehenden Konzerte ein. Insgesamt werden in den nächsten vier Tagen über 20 Acts auf der selbstgebauten Holzbühne zu hören und zu sehen sein. Das erste komplette Konzert spielt dann der schwer beklatschte Weinkellerpoet Axel le Rouge. Letztes Jahr noch auf der offenen Bühne, wurde er von den Veranstaltern diesmal als Festival-Opener gebucht. Zu Recht, wie sich zeigen sollte. Seine warme Stimme und die mal humorvollen, mal melancholischen Texte wurden von den Besuchern begeistert aufgenommen. Die Jungs von Grünschnabel waren ebenfalls schon zum zweiten Mal mit dabei. Letztes Jahr noch brav akkustisch mit Cajon und Bass, überraschte die Band dieses Jahr am Donnerstagabend mit einer etwas härteren Gangart. Verzerrte Gitarrenriffs, aufregende Basslinien und ihre deutschsprachigen Texte ließen die Zuhörer im Regen tanzen und das schlechte Wetter vergessen. Die Lokalmatadore von „Flowers Grey“ folgten und das Duo „Heimorgelpunk“ schlossen den Abend in bester Liedermachermanier dann noch würdig ab.

Am Freitag ließ der Regen zwar nicht nach, sondern wurde eher heftiger, dafür konnte man vom Bühnenprogramm dasselbe behaupten. Moderiert von der Allround-Darstellerin „dieMADAM“ lösten sich auf der Bühne Namen wie „Sarah Lesch“, „Rauschzeichen“, „Weiherer“ und „Dominik Plangger“ ab. Dank der Bühnenüberdachung konnten die Besucher alle Konzerte trockenen Hauptes mitverfolgen. Als die Sonne dann hinter dem Schloss versank, durften endlich wieder die Tanzschuhe ausgepackt werden. Mit den „Rocking Lafayettes“ und „Projekt Caravelle“ trafen die Veranstalter zweimal ins Schwarze. Der Schlosshof verwandelte sich in einen buntblinkenden Tanzsaal mit Lagerfeuerromantik und Rythmen vom klassischen Rock´n´Roll bis hin zu modernen Elektroklängen. Nach dem Schließen der Hauptbühne gegen 02:00 Uhr nachts ging die Feier dann in der schlosseigenen Kulturkneipe „Simplicissimus“ und in „Hogel´s (sehr!) mächtiger Absynthbar“ bis in die frühen Morgenstunden weiter.

Samstags durfte dann unter anderem der Hausherr Prinz Chaos II. selbst ran. Zusammen mit seinem Pianisten „Ringo Blüthner“ spielte das blaublütige Staatsunterhaupt das Publikum in seinen Bann.
Danach wurde es voll auf der sechs Meter Bühne, den „Robert Rausch und seine Zustände“ gaben sich die Ehre und brachten die Zuhörer zum Lachen, Weinen und Tanzen. Als Rausch und die Zustände umfeiert die Bühne verliesen, rundeten „Captain Sperrmüll“ das Programm auf der Hauptbühne noch mit klassischem Deutsch-Rock ab.

Inzwischen überschwemmte der Jahrhundertregen Straßen und Dörfer in der Umgebung. THW und Feuerwehr rückten aus, um das Hochwasser zu bekämpfen. Die meisten Musikfestivals mussten abgebrochen werden, und auf der Padiesvogel-Homepage waren Kommentare zu lesen wie: „Das Woodstock in Dornstadt wurde wegen Unwetters abgebrochen, kann man zu euch kommen und feiern?“ – und die Antwort lautete: „Ja, klar!“.

Denn trotz der widrigen Umstände ließen sich weder die Organisatoren, noch die Musiker oder die Besucher davon abhalten, ein schillerndes Fest ganz im Zeichen der Liedermacherei zu feiern. „Wir würden hier auch herkommen, Musik hören und feiern, wenn die ganze Welt untergehenn würde!“, war das Resüme eines glücklichen Besuchers, und das schien allen so zu gehen.

Der Termin für 2014 steht bereits fest und wenn man sich die Entwicklung dieses Festes ansieht, darf man gespannt sein auf mehr! Glaubte man die Liedermacherei und deren Vertreter tot oder zumindest überaltert, kann man sich auf dem Paradiesvogelfest vom genauen Gegenteil überzeugen.

Das zweit-älteste Gewerbe der Welt lebt, und zwar wie! Bunt, frei voller Ideen und Kreativität!
Weitere Infos, Photos, Videos und den Termin für 2014  gibt es  unter

www.paradiesvogelfest.de

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: