Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Bodo Wartkes Klaviersdelikte – ein Klavierkabarettprogramm wächst

Bodo_Boxer_Bank

Bild: Nele Martensen

von Rike Krüger

Liebe Leserinnen, liebe Leser, eben komme ich von einem Bodo Wartke-Konzert. Wie Sie meinen Zeilen schon bald entnehmen werden, strömt mir die Begeisterung noch durch die Adern. Warum?

Im Januar 2012 feierte Bodo Wartke mit seinem vierten Klavierkabarettprogramm „Klaviersdelikte“ Premiere… Ich hatte das Glück, dieses Programm bereits im Februar 2012 zu erleben. Und ich fand damals meine hohen Erwartungen bestätigt. Die zeitgleich mit der Premiere erschienene (Studio)-CD hat David Wonschewski hier ausführlich rezensiert.

Im Februar 2013 wurde in Bremen die DVD aufgenommen – zwar gab es einige technische Pannen, aber ich bin sicher, es wird eine tolle DVD und Live-CD. Denn ich war beim zweiten Tag der DVD-Aufnahmen dabei und habe einen großartigen Bodo Wartke erlebt, den die Pannen zu glänzenden Improvisationen verleiteten. In Erinnerung ist mir da zum Beispiel noch der Spruch „Mein technischer Leiter auf der technischen Leiter“ als eben dieser eine Lampe neu einrichten musste und dazu auf die Leiter stieg… Selbst als die unheimlich wichtige (und extrem teure) Steadicam abstürzte blieb Bodo Wartke scheinbar gelassen und überbrückte die Panne mit „Ja, Schatz“ und coolen Sprüchen (obwohl ihm sicher sehr bewusst war, was das für die Produktion bedeuten konnte).  Zu der Entstehung dieser DVD gibt es auf der Homepage von Bodo Wartke ausführliche Informationen…

Vor etlichen Wochen entdeckte ich, dass Bodo Wartke im Juni 2013 noch einmal mit den Klaviersdelikten in Hamburg gastiert – und für Sonntagabend noch ein Platz in der ersten Reihe frei war… Obwohl ich kurz dachte, das sei nun doch zuviel des Guten, habe ich diese Karte gebucht. Der Platz in der ersten Reihe war doch eine zu große Versuchung… Und so war ich zum dritten Mal bei den Klaviersdelikten – und erlebte ein grandioses, vertrautes Programm mit einigen Überraschungen!

Bodo Wartke kam auf die Bühne, setze sich ans Klavier und spielte die wunderschöne Variation auf die „Stille“, die sich auch auf der DVD wiederfinden wird. Danach ging er gleich in sein (vormals erstes Lied dieses Programms) über: „Probleme, die ich früher noch nicht hatte“ und erklärte danach das Leit-Thema der Klaviersdelikte – eben Probleme.

Nach dem anschließenden „Architektur in Deutschland“ folgte mit „Eva“ ein Lied, das erst spät ins Programm  „Noah war ein Archetyp“ aufgenommen wurde. Ich kannte dieses Lied noch nicht. Das Thema unerfüllte bzw. nicht erwiderte Liebe scheint unerschöpflich und ich liebe die grandiosen Wortspiele!

Dann „Die WG des Herrn“„Das Schweigen der Spammer“, sein Wortbeitrag zur Werbung (mir hängt der Ohrwurm aus Walsrode leider immer noch im Gehörgang). Ich kannte das zwar alles, aber Bodo Wartkes Vortrag, seine offensichtliche Spielfreude, die Reaktionen des Publikums lassen mich auch die vertrauten Stücke jedes Mal wieder neu hören.

Bei  „Frühlingsgefühle“ kam Melanie Haupt dazu – ein großartiges Duett. Sie legt ihm ihr Herz zu Füßen und will für immer mit ihm zusammen sein- er hat einfach nur die Nase voll. Was sie für den Ausdruck von echtem Gefühl hält, sind leider nur Symptome seiner Pollenallergie. Ein tolles Lied und zwei großartige Sänger und Schauspieler!

Da dieses Programm den Problemem gewidmet ist, macht Bodo Wartke sich diese notfalls selbst und greift bei „Teenager zu sein“ zur Ukulele (oder Picolo-Gitarre) und  „spielt Instrumente, die er nur unzureichend beherrscht“ – hören konnte ich das nicht.

Das „FSK-Lied“ hat seit kurzem einen Titel:“Es geschah in einer lauen Frühlingsnacht“  in vier Altersfreigaben – wunderbar vorgetragen wie immer. Unglaublich, was sich aus einer erotischen Situation so entwickeln kann. Eine geniale Nummer – und vom kürzlich gebrochenen Bein war nichts zu merken.

„Die unsichtbare Frau“ wieder ein neues Stück in echter wartkescher Reimkultur, ein weiteres Lied über das scheinbar unerschöpfliche Thema „Einer fühlt immer mehr als die Andere“ (oder umgekehrt)…

Die „Ü-Musik„- einfach zauberhaft – wie kommt ein so großartiger Pianist – der Bodo Wartke ja auch ist – eigentlich auf die Idee, in Boxhandschuhen Klavier zu spielen? Auch wenn ich mir redlich Mühe gäbe, keinen Spaß zu haben, damit Bodos Musik von der GEMA als E-Musik eingestuft werden kann – gelingen wird mir das wohl nie…

Papagenos „Der Vogelfänger bin ich ja“ – wunderbar auf der Mundharmonika vorgetragen, Bodo Warte spielt, singt, tanzt mit einer Grandesse – allein dafür würde sich ein Besuch der Klaviersdelikte oder der Erwerb der DVD in meinen Augen lohnen.

Danach spielte Bodo Wartke eine wunderbare Variation von Mozarts Facile“ und schloss wieder ein neues Lied an: „Die Stunde Null“ – der Anfang einer Beziehung. Ruhig, klar und natürlich mit überraschenden Reimen…

Das Lied über oder für seine Schwester „Christine“ geht mir wieder tief unter die Haut und ich musste sicher nicht als Einzige mein Taschentuch zücken. Schon ein Wagnis, ein so trauriges und berührendes Stück in ein Kabarettprogramm einzubauen. Aber so ehrlich und gefühlvoll wie Bodo Wartke über den Tod seiner Schwester singt – und so liebevoll er sein Publikum durch eine ganz besondere Instumentenhülle  „Leopard im Quadrat“ wieder zum Lachen einlädt – gelingt ihm auch dies.

Als letztes offizielles Lied dann „Stille“ – gerappt, auf der Cajon am Klavier – einfach eine Riesennummer, nicht nur wegen der Länge. Und so schließt sich mit der Stille der Kreis zur Ouvertüre.

Natürlich gab es auch Zugaben.  Noch drei (!) neue Lieder:

„Blues Baby Blues“ eine konsequente Weiterentwicklung von 90° und eine Demonstration, dass tanzen, wie Bodo es zitiert „der vertikale Ausdruck eines horizontalen Gefühls“ ist – oder sein kann.

„Der Clown“ ein ruhiges Lied zum Thema, wer tröstet den Clown, wenn ihm nicht zum Lachen ist.

Das „Happy End“ – dieses Lied hat er bereits bei der Aufnahme zur DVD gespielt – ich freue mich auf das Wiederhören. Vielleicht kann ich dann auch irgendwann Bodo Wartkes Alphabet nachvollziehen… Und ich würde mich auch sehr darüber freuen, wenn es irgendwann auch die anderen neuen Lieder  auf CD gäbe.

Da Melanie Haupt anwesend war, gab es natürlich auch noch „Quand meme je t’aime“ – ein großartiges Schauspiel. Wer dies noch nicht kennt, sollte sich auf Bodo Wartkes Seite oder bei Youtube unbedingt das Video ansehen.

Mein Fazit:  Wer die Klaviersdelikte aus 2012 kennt, hat lange nicht Alles gesehen. Die Klaviersdelikte sind gewachsen und werden es sicher weiter noch tun…

www.bodowartke.de

3 Kommentare zu “Bodo Wartkes Klaviersdelikte – ein Klavierkabarettprogramm wächst

  1. Viktor
    13. Juni 2013

    Danke für den schönen Bericht, Rike.
    Mir ging es da ähnlich wie dir: Ich sah „Klaviersdelikte“ auch zum ersten Mal kurz nach der Premiere und zum zweiten Mal dann in Bremen bei der Aufzeichnung (1. Tag ;-)). Aber dass sich das Programm immer noch so sehr weiterentwickelt, ist ja höchst interessant. Da bin ich ja ein bisschen neidisch, hehe…
    Kannst du was zu „Testosteron“ sagen? Ist das endgültig aus dem Programm verschwunden und Neuem gewichen? Das hatte ich in Bremen damals vermisst…
    Viele Grüße.
    Viktor

    • achtellorbeerblatt
      13. Juni 2013

      Hallo Viktor,
      zu Testosteron weiß ich nur, dass es auch am Sonntag nicht gespielt wurde.

      Aber ich bin sicher, wenn du diese Frage auf B. Wartkes Homepage im Gästebuch oder über das Kontaktformular stellst, bekommst du eine Antwort. Ich habe da sehr gute Erfahrungen gemacht.
      Herzliche Grüße
      Rike

  2. literaturen
    12. Juni 2013

    Ich war auch bei der DVD-Aufzeichnung dabei und sehe die Klaviersdelikte im Februar nochmal. Ich bin gespannt, was sich bis dahin noch entwickelt. ;)
    Aber im September sind erstmal die letzten Achillesverse zu sehen und im Oktober das Capital Dance Orchestra. Du siehst also, du bist nicht die einzige, die sehr leidenschaftlich von Bodo Wartke Konzert zu Bodo Wartke Konzert zieht. Kann nie „zuviel des Guten“ sein, finde ich ja.

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