Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Tempi Passati – Ein Sommer geht langsam vorüber

Cover_ein sommer

von Sophie Weigand

Obwohl Tempi Passati, die Liedermacherformation rund um Raik Hessel, auf ihrem zweiten Album das Ende des Sommers besingen mögen – die Platte klingt wie ein ausgedehnter und entspannter Sommerurlaub. Klingt nach Sonne, Meer, weiten Straßen, die schnurgerade auf den Horizont zulaufen und einer lauen Brise im Haar. Zuerst mag einem jedoch, abseits jeder Sommerlichkeit, die musikalische und instrumentale Vielfalt der Gruppe ins Auge fallen. Neben den üblichen Verdächtigen wie der handelsüblichen Gitarre finden sich auch eine Reihe anderer Instrumente, – eine Mandoline, eine Klarinette, ein Akkordeon, eine Trompete -, die einen unglaublich tiefen und breitgefächerten Klang erzeugen. Hier klingt kein Lied wie das andere.

Bereits 2012 machten Tempi Passati mit ihrem Lied „Fernweh“ einen Abstecher in die Liederbestenliste, jetzt legen sie wieder ein Album vor, das gute Chancen hat, einen ähnlichen Weg einzuschlagen. Eröffnet wird das Album mit dem namensgebenden Track „Ein Sommer geht langsam vorüber“. In guter alter Liedermachertradition finden sich hier Wehmut und Melancholie in trauter Zweisamkeit. Die Tage werden wieder länger, die Freibäder leerer, ein Grill verrostet im Garten und im Kaufhaus gibt’s günstig Bademode. Ruhige und besinnliche Töne schlagen Tempi Passati hier an, die ihnen ausnehmend gut zu Gesicht stehen. Fast könnte man vergessen, dass der Sommer doch gerade erst beginnt.

Im Herbstgewitter 20/2013 durften wir bereits, die Ohren gespitzt, dem eher selbstironischen und flotten „Die Welt sie wartet drauf“ lauschen. Ein eingängiges Stück mit überraschenden Ohrwurmqualitäten entrollt vor uns ein Panorama an nicht ganz ernstgemeinten Möglichkeiten, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Vielleicht als Agent, vielleicht als Liebesbriefschreiber mit und ohne Rechtschreibfehler oder ganz romantisch als Eisverkäufer am Straßenrand. Es bleibt dem Hörer überlassen, herauszufinden, ob die Welt tatsächlich auf solcherlei gewartet hat, sicher ist jedenfalls: auf ein solches Stück wartet jede Platte.

In den Instrumentalstücken „La luce in autunno“, „La prima neve e caduta“ und „Vom Verschwinden“ werden unsere Ohren Zeuge mediterraner Gitarrenklänge, die wie frisch aus einem italienischen Küstenort zu uns herüber zu wehen scheinen. Bei der „Politiker-Polka“ wiederum reißt es einen unversehens vom Liegestuhl, wenn rasant im Zweivierteltakt das Politikerleben auf die Schippe genommen wird. Ein bisschen zu einseitig, ein bisschen zu gewollt, musikalisch aber erfreulich belebend.

Tempi Passati ist mit ihrer Nachfolgeplatte ein Werk von großer Vielseitigkeit und Spielfreude gelungen, die man jedem Stück auch anmerkt. Zwar sind Tempi Passati wenigstens namentlich Vergangenheit, sorgen aber mit diesem Album dafür, dass sie als Liedermacher weit entfernt davon sind, derselben anzugehören!

www.tempi-passati.com

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