Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Cordula Stratmann: „Danke für meine Aufmerksamkeit“. Eine Live-Erfahrung.

cordula_stratmann

von Anne Drerup

„Ich glaub, jetzt war die Maus dran!“
Cordula Stratmann pfeift auf die herkömmliche Art von Lesungen und dem Publikum als Hausmaus Britta humorvoll die Meinung…

Im März 2013 ist er erschienen: „Danke für meine Aufmerksamkeit“, der neue Roman von Cordula Stratmann, mit dem sie nun auf große Lesereise geht. Wobei von herkömmlicher Autorenlesung nicht die Rede sein kann – vielmehr von einem humorvollen Literaturevent höchster Kabarettklasse!

Bonn, Pantheon, 28. Mai 2013: Auf dem Spielplan steht Cordula Stratmann, die, so gibt sie es „vor Rührung fast überwältigt“ in ihrer Anmoderation preis, seit 10 Jahren das erste Mal wieder in diesem renommierten Kabaretttheater auf der Bühne steht. Der Saal ist restlos ausverkauft, Stühle werden noch mit letzter Mühe dazwischen gequetscht. Kein Wunder, viele Zuschauer wollen die preisgekrönte Komikerin, Moderatorin und eben auch Autorin, die man aus dem Fernsehen kennt, das erste Mal (oder als Wiederholungstäter!) live sehen! Wer also eine gute Sicht genießen will, dem sei angeraten, noch lange vor dem auf der Karte ausgeschriebenen Einlass im Theater einzutreffen – ansonsten besteht hohe Wahrscheinlichkeit, einen, wenn nicht mehrere Sitzriesen in der ersten Reihe zu haben, derentwegen man sich den Hals verrenken muss, um auch ja keine Mimik der Künstlerin zu verpassen. Doch selbst das ist es wert, da siegt das Schwingen der Lachmuskeln klar über eventuelle Wehwehchen von Bandscheiben und Wirbelsäule!

Cordula Stratmann liest nicht nur vor, sie spielt mit ihrem Publikum, kommentiert, erweckt alle Charaktere zum Leben. Und sie ist sich nicht zu schade, sich dabei selbst auf die Schippe zu nehmen, indem sie beispielsweise riesig spektakuläre Tanzeinlagen ankündigt, die sie aus Sicherheitsgründen (geprobt hat sie sie schließlich!) leider doch nicht auf die Bühne bringen kann. Da sie sich als Gastgeberin versteht, fühlt sie sich nicht nur für die Unterhaltung zuständig, sondern ist auch um das leibliche Wohl besorgt. So lässt sie „selbstgebackene, lediglich von einer Firma eingeschweißte Knabbereien“ durch das Publikum gehen: „Ich beobachte noch kurz, dann müssen Sie das selber schaffen. Ja, genau, immer EINS! Ach so, ja, wenn einer sagt, nein danke, ich möchte nicht, dann darf der nächste zwei, ist ja klar!“

Ausgewählte Passagen aus ihrem Buch werden lebendig vorgetragen. „Ich fang heute mit dem Anfang an!“ Dass es sich bei „Danke für meine Aufmerksamkeit“ um reinen Ulk oder ein Erwachsene doch weniger adressierendes Kinderbuch handeln könnte, lediglich, weil die Protagonistin eine sprechende und menschenbeobachtende Hausmaus ist, steht nicht zu befürchten. Im Gegenteil: Die kecke Maus Britta, die nach einer Trennungskrise von einem chinesischen Reismäuserich Unterschlupf bei einer Gruppe elfjähriger Kinder findet, die sich zu einem Club zusammengetan haben, um ihre problematischen Eltern irgendwie auszuhalten, beobachtet scharf und pfeift der Gattung Mensch unverblümt – und nicht mucksmäuschenstill! – ihre Meinung. Ob es um Pollys lieblose Mutter und den passiven Vater, die Legasthenie von Akademikerkind Paul, Felix mit diagnostiziertem ADHS, der sein Ritalin heimlich an Luise, die so gerne Ärztin werden und ihren Vater vom Workaholic-Trip runterholen will, weitergibt, um kindische Erwachsene, eine überforderte Deutschlehrerin oder schlicht und ergreifend um Kinder geht, die sich nicht von alleine so benehmen, wie Erwachsene es sich wünschen – Britta deckt auf, mischt sich ein, vermittelt, und stößt doch auch an ihre Grenzen. Diese ernsteren Themen werden immer wieder aufgelockert, zum einen durch die unschlagbar komischen Dialoge, und zum anderen durch sehr menschliche Probleme der Maus, zum Beispiel einen Besuch in einem Fünf-Sterne-Hotel, bei dem Britta mit einem Chihuahua aneinandergerät. Oder in Szenen einer skurrilen Liebesbeziehung zwischen der Hausmaus und einem geläuterten Kater. Die Passage mit den meisten Lachern stellt gegen Ende der Vorstellung eine Szene im Bäckereifachgeschäft dar, wo die Maus zum Brötchenholen hingeschickt wird. Hier ein winziger Einblick:
Britta hat gerade acht Brötchen gekauft, weiß aber nicht, wie sie sie nach Hause schaffen kann. […] „Schräg hinter mir meldete sich eine Herrenstimme: „Isch fahr se flöck!“ Hier war es wieder, das Rheinland: diese Freundlichkeit, diese Offenheit, dieses Miteinander. Ich war dennoch platt. „Wo wollen Se dann hin?“, fragte dieselbe Herrenstimme, „isch han d’r Wage tireck vor der Dür stonn, dat is för misch kei Thema.“ […]

Selbst wenn man den Roman vorab gelesen hat, stellt das Literaturevent ein Highlight dar, das man nicht verpassen sollte! Empfehlenswert sind daher Buch und Vorstellung! Ideal natürlich, wenn man sich das Werk hernach persönlich widmen und signieren lassen kann. Und auch hier erweist sich Cordula Stratmann als witzig, schlagfertig, natürlich und rundherum sympathisch. Und falls es sich nicht einrichten lässt: Das Hörbuch zum Roman mag, wenn auch kein vollständiger Ersatz, eine zufriedenstellende Alternative sein!

www.cordula-stratmann.de

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: