Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Philipp Poisel – Projekt Seerosenteich – Live im Circus Krone (DVD / blue-ray)

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von Charlotte Stampfli

Mit dem zärtlichen Lied Schweigen ist Silber lädt uns Philipp Poisel – begleitet von Gitarre und Streichern – ein, seinen Konzertmitschnitt und die Dokumentation zur Tournee «Projekt Seerosenteich – eine Konzertreise 2012» zu entdecken. Und weiter geht es mit dem Thema Liebe und Vermissen zu stimmungsvoller Kulisse in Blautönen und weissen Tannensilhouetten: Wo fängt Dein Himmel an. Passend zu den ruhigen Klängen werden die Augen mit langsamen, unaufgeregten Schnitten verwöhnt – ein Luxus, der sich übrigens durch fast die ganze DVD hin durchzieht.

Unter dem Licht von Strassenlaternen, die Musiker in Nebel und Dunkelheit nur schemenhaft erkennbar, wird bereits das Auge die Sehnsucht nach Leben, nach Wärme und nach der Ferne erahnen, die Poisel in Markt und Fluss besingt.

Ja, er ist ein Träumer, der gefühlvolle Stuttgarter, der vergangenen Dienstag seinen  30ten Geburtstag feiern konnte. Wer seine Lieder kennt und sieht, wie selbstvergessen, fast schüchtern Philipp Poisel auf der Bühne wirkt, der glaubt, dass er nie Popstar werden wollte. In einer immer schneller drehenden Welt schafft er es, die Menschen in seinen Konzerten an andere Orte zu entführen, so auch bei Im Garten von Gettis, wo sich das liebevoll gestaltete Bühnenbild mit Feuer und Wellen zusammen mit flackerndem Licht, Gitarre, Perkussion und dem Gesang zu einem spontanen Fest am Strand verwandelt.

Neben einem Gastauftritt von Matthias Schweighöfer beim Song Eiserner Steg in der Klavierversion, das Poisel 2011 zu Schweighöfers Film «What a Man» beigesteuert hatte, überrascht er zwischen den einzelnen Liedern mit kurzen Showeinlagen – von Tell’s Apfelschuss über kleine Zaubertricks bis hin zur Ballettvorführung. «Nur ein Uhu schaut uns zuhu u» singt der Liedermacher in Seerosenteich, passend dazu schaut seitlich der Bühne kurz ein Uhu raus, was für Zwischenbeifall beim Publikum sorgt. Ist ein zartes Augenzwinkern, das gut zum Gesamtbild passt. Und wenn im Lied die Schneeflocken fallen, fallen sie passenderweise auch auf der Bühne.

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Plötzlich wird es futuristisch, grelles Stroboskoplicht und die elektro-poppigen Klänge von Zünde alle Feuer bringen Discoatmosphäre in das Zelt, das Publikum klatscht im Rhythmus, vergessen die Melancholie der vorangegangenen Lieder. Gleich anschliessend Ich und Du, bei dem das Publikum ebenso frenetisch mitgeht, bevor mit Hab keine Angst wieder ruhigere Töne einkehren, die sich bis zum Ende der DVD mehrheitlich halten.

Sein Debutalbum «Wo fängt Dein Himmel an» veröffentlichte Philipp Poisel 2008. Mit seinem zweiten Album «Bis nach Toulouse», das 2010 erschien, gelang ihm der kommerzielle Durchbruch. Das 2012 veröffentlichte Live-Album Projekt Seerosenteich, in dem er 19 seiner Lieder neu mit Streichquartett- und Klavierbegleitung interpretierte, stieg denn auch direkt auf Platz 1 der Deutschen Albumcharts ein.

Poisels eindringliche Stimme, die emotionalen Melodien und Texte und
die poetische Bühnenshow treffen vielleicht nicht jedermanns Geschmack. Doch zweifelsohne bieten der Konzertmitschnitt von 133 Minuten und die Dokumentation des «Projekt Seerosenteich» die Möglichkeit, einen wunderbaren Einblick in Poisels Erfolgsgeschichte vom vergangenen Jahr zu erhalten. Und für alle, welche die Geborgenheit und die Zuversicht seiner Lieder mögen und ihn seit dem Debüt verfolgen, ist die DVD, welche ab dem 21. Juni 2013  im Handel bezogen werden kann, ein echtes Muss.

www.philipp-poisel.de

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 20. Juni 2013 von in 2013, Neu & aufgefallen, Plattenbesprechungen, Uncategorized und getaggt mit , , , , , , , .
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