Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Chortheater „Stimmt so“ Köln – Bekannte Lieder mit neuen Texten und anderen Melodien

Chortheater „Stimmt so“ Köln begeistert bei der ersten Fete de la musique im Rheinauhafen mit einem Auszug aus seinem Brechtprogramm sowie weiteren Liedern
von Anne Drerup

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Köln, 21.6.2013 – Sommeranfang (auch wenn man das dem derzeitigen Wetter nicht anmerkt!) Nach Pariser Vorbild findet erstmals in Köln die Fete de la musique statt, natürlich Open Air am Rhein. An acht offiziellen Spielstätten zwischen Schokoladenmuseum und Treskowplatz treten Musiker, Solokünstler, Gruppen und Chöre von 18-22.00 Uhr unentgeltlich, aber mit viel Freude und Engagement für jeweils eine halbe Stunde auf. Ein Glück für denjenigen, der sich diesen Termin vorgemerkt hat – oder ganz zufällig am Rhein spazieren gegangen ist.

Mit dabei ist das Chortheater „Stimmt so!“, das mit einem kleinen Auszug aus seinem Brechtprogramm („Freilich dreht das Rad sich immer weiter – ein unmöglicher Brechtabend“) sowie weiteren ausgewählten Stücken Stimmung macht – und gleichzeitig zum Nachdenken anregt.

„Guten Abend, wir sind das Chortheater Stimmt so. Wir singen bekannte Lieder mit neuen Texten und anderen Melodien!“, begrüßt Pianist Bernd Kaftan das Publikum nach dem Eingangsstück „Tünche“, bei dem die Sängerinnen und Sänger mit entsetzter Miene dem Publikum immer näher gerückt sind – ein gar nicht so leichtes Unterfangen bei einer nicht erwarteten „Treppenbühne“! Das szenische Spiel hat neben dem Gesang unter der Leitung von Pe Stöve die wichtigste Bedeutung, und so sind alle Stücke inszeniert und in eine eigene Moderation eingebettet. Es folgt, ebenfalls aus dem Brechtprogramm, das Lied von den Säckeschmeißern, arrangiert von Bernd Kaftan- beim Einsingen in einer Nebengasse durften sich ein paar Anwohner schon über die freche „Tröten-Begleitung“ aufgeteilt auf die einzelnen Stimmen amüsieren. Weitaus ernster und abgebrühter klingt dagegen die Frage „Was ist der Mensch ohne einen Pass?“  – in  in der Scheingesellschaft gilt man nichts ohne die richtigen Papiere – das hat sich von Brechts Zeiten bis heute nicht geändert. Diese erschreckende Aktualität trägt wohl dazu bei, unsterbliche sowie provokante Lieder und Texte von Bertolt Brecht, Hanns Eisler und Kurt Weill zeitgemäß aufzuführen und mit frechen, witzigen Texten und Szenen, verfasst von der Programmgruppe des Chortheaters, in diesem Zusammenhang die „Brechthaber“ genannt, zu verbinden.

Für die Szene aus Brechts Schreibwerkstatt oder eine Expertenrunde über die Deutung der Brechtschen Texte heutzutage, wo u.a. eine Frauenrechtlerin oder der berühmte Reich-Ranicki sich „persönlich“ in die Diskussion mischen, bleibt bei der Grenze von einer halben Stunde keine Zeit. Dies erwartet Zuschauer des gesamten Programmabends.

Auf nachdenkliche oder provokante Texte muss trotzdem nicht verzichtet werden, denn es gibt eine Moderation, vorgetragen von Anne Wiese, die chorintern bereits Kabarettqualitäten zugesprochen bekommen hat.
Mit in den Block „kritische Lieder“ zählt auch „Einen braucht der Mensch zum Treten“ von Konstantin Wecker.

Die letzten vier Stücke sind eher heiterer Sorte und, vielleicht in Anlehnung an Brechts Liebeslyrik, überwiegend dem Thema „Liebe“ verschrieben. Zu „Unter den Pinien von Argentinien“ legt das Chortheater eine temperamentvolle Tangochoreografie aufs Parkett – bzw. auf die Stufen. „Let’s do it“ sowie der Schmachtfetzen „Angels“ von Robbie Williams sind dann wieder ruhigerer Natur. Mit „Wir lernen im Vorwärtsgehen“, das zum Schluss hin „Hello goodbye“ von den Beatles integriert, verabschiedet sich „Stimmt so“ von der Bühne und macht den Nachfolgern „Der Chor, der donnerstags probt (DCDDP)“ sowie dem deutsch-französischen Chor Platz – welche nicht minder begeistern.

Glücklicherweise soll die Fete de la musique nun eine feste Institution zum Sommernanfang in Köln werden. Vielleicht möchte der ein oder andere aber nicht so lange warten, sondern sieht sich auf der Homepage www.stimmt-so-koeln.de nach dem nächsten Brechtabend um, wenn es wieder heißt:

Vielleicht… wenn in finsteren Zeiten die Unzulänglichkeit menschlichen Strebens die belebende Wirkung des Geldes in eig’ner Sach betreibt, erinnert sich Marie A. im zerissenen Rock an die Bitten der Kinder und stellt den Nachgeborenen die Frage: Wovon lebt der Mensch?
Mit 18 Menschen – einem Klavier – 6 Kisten – einer Dirigentin – 30 Liedern – einem Pianisten – einer alten Liebe – in 90 Minuten

Das Chortheater Stimmt so freut sich übrigens nicht nur über ein großes Publikum sowie Rückmeldungen zum Programm, sondern heißt auch neue Sängerinnen und Sänger (aller Stimmlagen, auch wenn Männer, wie wohl fast überall, in der Unterzahl und deshalb  besonders gefragt sind) herzlich willkommen! Wer viele Musikrichtungen und gehaltvolle Texte interessant findet, Theaterspielen liebt, freitags abends den Probenort in Köln-Nippes gut erreichen kann und nachher vielleicht sogar noch Lust auf ein Bierchen und gemütliches Klönen in der Kneipe hat, ist genau richtig! Momentan ist der Einstieg besonders bequem, da gerade mit einem neuen Programm (für Weihnachten) begonnen wird. Die Stimmt-sos können Anzahlen in der Ankündigung ganz einfach und gerne erhöhen!

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 1. Juli 2013 von in Uncategorized.
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