Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Ein Achtel Lorbeerblatt präsentierte: Liedermacher bei Budzinske. Konzertbericht zum 04.Juli 2013

LbB

von Rike Krüger

Der erste von Ein Achtel Lorbeerblatt organisierte Liederabend war aus meiner Sicht ein voller Erfolg. Im gemütlichen Café Budzinske in Berlin-Wilmersdorf waren fast alle Sitzplätze besetzt. Das aufmerksame Publikum konnte tollen Liedern lauschen und sparte nicht mit Applaus.

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Nach einer kurzen Begrüßung durch Holger Saarmann (welcher den Chefredakteur des Lorbeerblatts, David Wonschewski, vertrat), übernahm Renee van Bavel, die sich am Klavier begleitete.

Die in Berlin lebende niederländische Liedermacherin spielte Lieder von ihrer deutschsprachigen EP „Renee van Bavel unplugged“ und einige Lieder mehr, teilweise erstmals öffentlich.

DSC05444(1)Und sie zog mich vom ersten Lied „Sturm“ an in ihren Bann. Da sitzt diese schöne junge Frau mit einer unverwechselbaren Stimme barfuß am 100 Jahre alten Klavier und singt mit einer Intensität, der ich mich nicht entziehen kann – und auch gar nicht will. Und spätestens bei „Versinken“ steht für mich fest: ich nehme mir ihre CD mit nach Hause. Mit ihren Melodien und Texten, in denen Stellen vorkommen, wie:
„…bodenlos – ich treib im Sand.
So schwerelos – ohne Land
richtungslos – ich habe mich verrannt …“
hat sie mich schnell überzeugt.

Mir gefallen auch ihre Zwischentexte und Überleitungen. Zum Beispiel wenn sie schildert, was sie erlebt, wenn sie nachts nach einer Hochzeit mit dem gefangenen Brautstrauß im Arm zu Fuß durch Amsterdam nach Hause geht, oder vom absolut flachen Land ihrer Kindheit erzählt.

Beim niederländischen Lied „Mijn flaache Land“ habe ich den Vorteil, dass ich Plattdeutsch kann und von der nordfriesischen Nordseeküste komme – so kann ich Teile des Textes und auf jeden Fall die Stimmung gut nachvollziehen. Danach wieder ein Liebeslied: „Du hast mein Herz“ berührend, zart und doch kraftvoll – wie schön, dass auch dieses Lied auf der CD ist. Das nächste Lied die „Insel“ ist stiller, trauriger und vielleicht noch tiefer – und bedarf wirklich keiner Erklärungen. Es ist, wie Renee van Bavel es sagte: „Manche Lieder brauchen keine Einleitung“.

Und auch das folgende Lied – eine Premiere -, von dem ich nicht weiß, ob es wirklich „Irgendwo“ heißt, ging mir  mit Textstellen wie „…ohne Tschüss und ohne Feier einfach weg“ unter die Haut.  Möge die Reisende gut an ihrem Ziel ankommen.

Schade, dass es nach „Seeland“ und „Woher?“ schon Zeit für die Pause war. Ich hätte Renee van Bavel noch lange lauschen mögen.

DSC05463Was nicht heißt, dass ich nach der Pause nicht neugierig war auf Jörg Sieper und Maike Hilbig. Jörg Sieper hatte ich bisher live nur solo erlebt. Jetzt hat er sich mit Maike Hilbig am Kontrabass wunderbare Unterstützung geholt. Gitarre und Bass – beide virtuos gespielt – passen wunderbar zu seinen Liedern und seiner Stimme. Und ich mag es, wenn Maike Hilbig hin und wieder beim Refrain mitsingt.

Gleich beim ersten Lied „An einem Faden dran“ fällt mir die Qualität des Textes auf, welche die Absolventen von Christof Stählins Akademie „Sago“ auszeichnet. Jörg Sieper griff dann auch den Begriff des Fadens auf und meinte, er würde sich durch das Programm ziehen – mal als roter Faden, mal als der, den er verloren habe. Ich habe mich gerne an diesem Faden führen lassen.

Von Liedern wie „Mehr wünschen Sie sich nicht“ oder „Heimat“ fühle ich mich getragen, lausche den stimmigen Texten und freue mich an der Harmonie zwischen den Musikern.

Mit „Alles beim Alten“ spielen sie Jörg Siepers Übersetzung eines Countrysongs von Patsy Cline. Danach geht es mit Jörg Siepers eigenem Lied „Brunnen“ in die Tiefe – ein Text, bei dem ich mich sicher noch beim x.ten Hören an den Wortspielen freuen werde. Zum Glück ist dieses Lied auf seiner CD „Grundlos“ nachzuhören.

DSC05460Dann wieder ein Cover – Jörg Sieper hat zusammen mit Jan Gaensslen Leonhard Cohens Lied „Dance Me to the End of Love“ übersetzt. Herausgekommen ist eine tolle Version, die ich gerne noch mal hören würde.

Der von Jörg Sieper gespannte Faden führt uns weiter zu „Immer kommt mir was entgegen“.  Wieder so ein Text, der gleichzeitig beim ersten Hören aufhorchen lässt und mir mit Sicherheit nie langweilig werden würde.  Aber leider ist bald auch dieses Lied „5 – 4 – 3 – schon vorbei“ – wie auch das Programm. Doch vorher erfreuten Jörg Sieper und Maike Hilbig uns noch mit „Grundlos“ und als Zugabe noch einer Übersetzung von Jörg Sieper „Wie wunderbar ist die Welt“.

Den Abschluss des Abends bildete dann Jörg Siepers Version eines alten schottischen Trinkliedes. Was ich noch als „Nehmt Abschied Brüder“ kenne, wird zu „So wird‘s nie wieder sein“ – ein schöner Rausschmeißer, bei dem auch Renee van Bavel in den Refrain mit einsteigt.  Das Lied hat genügend Strophen, so dass spätestens bei der dritten oder vierten Wiederholung nahezu das gesamte Publikum mit einstimmte.

Ein schöner Liederabend ging zu Ende und die gemütliche Atmosphäre im Budzinske lud anschließend noch zum Verweilen ein. Mit diesem gelungenen Auftakt ist das Lorbeerblatt wirklich, wie Holger Saarmann in seiner Moderation sagte, von der virtuellen in die reale Welt hinausgegangen. Ich bin bei beiden Elementen gerne dabei…

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