Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

England: DVD/ The Richard Thompson Band – Live At Celtic Connections

richardthompson

von David Wonschewski

Und so gibt es einfach Musiker, die ihre ganze Kraft, ihre Macht und letzten Endes auch ihre Legende in erster Linie live zu entfalten vermögen. Auch Richard Thompson gehört, zumindest aus bundesdeutscher Sicht betrachtet, zu diesen Heroen, ist sein in tiefster englischer Folktradition badender Spielfluss uns doch bei langem nicht so nah wie etwa nordamerikanische Ausprägungen. Und so ergibt es durchaus Sinn, dass der Mitbegründer von Fairport Convention im Januar 2011 ziemlich groß aufspielte bei den annualen Celtic Connections Festivals. Denn genau in einen solchen Rahmen gehört der schottischstämmige, wenn auch in London geborene Folkrock-Taktgeber. Ja, Richard Thompson muss, wie auf dieser DVD, live und in bester Spiellaune bestaunt werden, wie auch ausgiebige Interviews mit ihm von einer bescheidenen Tiefe zeugen, die vielen deutschsprachigen Folkfreunden auf seinen Alben oftmals etwas unzugänglich erscheint. Und so gehört es auch zu seinem etwas sperrigen Sein, dass Thompson kein großer Freund davon ist, allzu alte Scheite auf die Bühne zu zerren, egal wie heiß sie auch noch immer lodern mögen. Weder aus seiner Fairport Convention-Phase, noch aus jenen wunderbar-desperaten Arsenal an Beziehungsaufnahmen, die er in den 70er Jahren mit seiner Ex-Ehefrau Linda Thompson vollbrachte ist hiermit auch nur im Ansatz etwas zu vernehmen. Nein, Thompson verlegt sich hauptsächlich auf das frische Material seines aktuellen Albums „Dream Attic“, dem er später zumindest noch einige Highlights früher Solo-Alben untermischt. Dass das allerdings nur wenig mit Halsstarrigkeit zu tun hat beweist das starke frische Material, mit dem er hier auffährt, landete „Dream Attic“ doch als erstes Album seiner Karriere in die Top Twenty der britischen Albencharts und sogar eine Grammy Nominierung in den USA, wo er noch immer ausnehmend gefragt ist, folgte. Dass Thompson in den USA und seiner britischen Heimat eine Instanz ist, die an fingerfertiger Klasse in einem Atemzug mit zum Beispiel Jimmy Page genannt wird, unterfüttert er hier über zweieinhalb Stunden lang mit Songs, die er selbst etwas kritisch zwar als „die am wenigsten folkigen Stücke meiner Karriere“ betitelt, die  sich aber dennoch inständig weigern auch nur im Ansatz gen Pop zu wandeln.  Mehr Minnesänger und mehr Barde als Thompson, nein, das geht noch immer nicht.

Website: Richard Thompson

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 18. Juli 2013 von in Internationale Szene und getaggt mit , , , .
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