Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Ein Achtel Lorbeerblatt präsentierte: Thomas Stein & Edgar Kraul live im Café Budzinske (Support: Masha Potempa)

Edgar_u_Thomas

Thomas Stein (links), Edgar Kraul Foto: Alexandra Vogel

Ein Konzertbericht von Rike Krüger

Ja, ich hatte in meinem Bekanntenkreis verkündet, dass ich nun wirklich nicht zu jedem EAL-Liederabend im Berliner Café Budzinske fahren kann. Schließlich finden die jeden ersten Donnerstag im Monat statt. Und ich – wohne ich in Hamburg (da gibt es ja auch gute Konzertangebote), arbeite freitags und überhaupt kann man eben nicht alles haben. Und trotzdem habe ich mir wieder am Freitag freigenommen und bin  am 1. August nach Berlin gefahren – denn ich liebe meine beiden CDs von Thomas Stein und Edgar Kraul  und auf Masha Potempa war ich neugierig. Ich wusste, dass sie Schülerin bei Christof Stählins SAGO-Akademie ist –  da habe ich grundsätzlich hohe Erwartungen und nehme immer gerne die Gelegenheit wahr, mir selbst eine Meinung von seinen Schülern zu bilden.

Nach einer wunderbaren instrumentalen Einleitung von Thomas Stein und Edgar Kraul mit dem Titel „Neuer Tag“ und einer kurzen Begrüßung durch David Wonschewski begann Masha Potempa, die sich selbst auf der Gitarre begleitete.

Ihr erstes (eigenes) Lied „Wir könnten“ erzählt von dem Zustand, in dem man noch glaubt, dass man sich verlieben könnte und es in Wirklichkeit schon ist. Was  mir sofort auffällt, ist Mashas warme Stimme. Das anschließende „Nur das Salz“ ist eine von der Musikerin gut gelöste Aufgabe der SAGO-Akademie zum Thema „Salz“. Dieses bleibt hier mal auf der Haut, mal auf den Lippen und mal im Haar zurück – und erzählt dabei eine wunderbare Geschichte. Als letztes ihrer drei Lieder im ersten Teil singt Masha Potempa ein russisches Volkslied „Katjuscha“ – eine schöne, vertraute Melodie, mit der ich mich wohlfühle – zumal ich kein russisch kann und deshalb gar nicht erst versuche, den Text zu verstehen.

Danach übernahmen Thomas Stein und Edgar Kraul. Sämtliche Melodien und einige Texte stammen aus der Feder von Thomas. Im ersten Teil gabs Lieder aus älteren Programmen. Mit „Ich werfe Worte in den Wind“ von der CD „Worte im Wind“ (erschienen 2010) stellte Thomas Stein sich vor – fast schon ein Charakterbild des Liedermachers.

Bei Edgars anschließender Überleitung erfuhren wir, dass die beiden Musiker begeisterte Radfahrer sind. Was Thomas dann „Nach der Radtour“ fühlt und erlebt, davon sangen sie anschließend – ich liebe den Dialog der Gitarren und mag es, wenn Edgar im Refrain mit einstimmt. Auch beim folgenden „Immer“ tut er das und ich erfahre „Nicht Jeder, der dir auf die Schulter klopft, kann dich gut leiden“ und „die Messer sind schon längst gewetzt.“- ich finde, mit seiner Musik bietet Thomas gleichzeitig einen guten Schutzschild an. Danach „Treibgut„, das Titelstück ihrer ersten gemeinsamen CD aus dem Jahre 2007 – ein stilles, nachdenkliches Lied, das ich mir sicher noch öfter anhören werde. Genau wie das Lied „Am Strand“ ein schönes Stimmungsbild von derselben CD.

Und so saß ich da, genoss die wunderbare Musik, die Harmonie, das Zusammenspiel zwischen zwei großartigen Gitarristen – und hätte nach der Einleitung zum „Lied für Tanja“ eigentlich gewarnt sein können. Sagte Edgar da doch, dass Liedermacher auch die schlimmen Seiten der Realität thematisieren sollen und müssen. Dennoch hat mich das (mir bisher unbekannte) Lied über eine missbrauchte junge Frau nicht berührt, sondern regelrecht ins Mark getroffen. Harte Kost, aber ein wichtiges Lied – vielleicht das wichtigste Lied des Abends.

Ich bin froh, dass danach noch „Mit dem Abend“ und „Wenn die Jahre kürzer werden“ kommen und ich so vor der Pause angeleitet von Thomas und Edgar wieder positiver gestimmt bin.

mashapotempa2

Nach der Pause sang Masha Potempa wieder ein eigenes Lied über die „Prise Salz„, die nicht selten aus einer fast perfekten auch eine runde Sache macht. Und ich meine, die Qualität der SAGO-Akademie zu erkennen, wenn in der letzten Strophe es eben keine Prise Salz ist, die noch fehlt… Anschließend sprach Masha einen Text „Meinste nich?“ oder besser sie stellte ihn dar – so mag ich Lyrik. Mit der vorangestellten Bitte, anschließend noch hellwach dem weiteren Programm von Thomas Stein und Edgar Kraul zu lauschen, sang Masha als Letztes ihr sehr schönes „Schlaflied„.

Thomas Stein und Edgar Kraul spielten und sangen im zweiten Teil ausschließlich Lieder von der aktuellen CD. Sophie Weigand hat sich in ihrer EAL-Rezension  zu den Jahresringen so wunderbar geäußert, dass ich hier nur kurz meine Eindrücke vom Konzert wiedergeben möchte.

Ich freue mich über das „Selbstbildnis in Pastelltönen„, da wird aus einer Beschreibung seiner eigenen Person am Ende eine Liebeserklärung an die Frau, die seine „Makel“ erträgt. Im Lied „Der erste Freund“ schildert Thomas Stein seine Empfindungen nach dem Tod seines Freundes. Ein Lied, das mich tief berührt,  obwohl ich es vorher schon live gehört hatte und natürlich auch von der CD kenne.

Danach mein Lieblingslied von den Jahresringen, „Im November“ – ich mag die melancholische Stimmung, wenn die Schmetterlinge tief fliegen und niemals ankommen. Und auch wenn es draußen sommerlich warm war, fand ich, dass der leise übers Land ziehende Herbst  in das gemütliche Café Budzinske passte.

Der „Nachmittag bei Marie“ – ein originelles Lied aus der Sicht eines Mannes, der weder der Familie noch der Geliebten gerecht werden kann, zwischen allen Stühlen sitzt und weiß, dass er „am Ende für Alles bezahlen“ muss.

Die Nornen“ entführt uns in nordische Mythologieund erzeugt  ein schönes Stimmungsbild.  Beim „Date mit einer Jugendliebe“ wird mir mal wieder klar, dass es besser ist, Erinnerungen Erinnerungen bleiben zu lassen. „Für einen Freund“ ist nicht nur ein sehr schönes , ruhiges Lied – ich fühle mich vom wunderbaren Gitarrenspiel der Beiden regelrecht getragen.

Beim plattdeutschen „Winspöl“ übernimmt Edgar den Gesangspart, weil er besser Plattdeutsch spricht – und er liefert gleich die hochdeutsche Übersetzung mit. Eine schöne Version und ein netter Kontrast zu der Duett-Version von der CD.

Nach „Övere Bürbreen“ – einem eindücklichen Stimmungsbild von einer Reise in den Norden  – und „Hinterfragt„, dem letzten Lied der CD Jahresringe, geht ein wunderbarer Abend im Café Budzinske zu Ende mit Thomas Steins Aufforderung, mir doch meine eigenen Fragen zu stellen.

Zu den Homepages der Künstler:
www.thomas-stein.org
www.mashapotempa.de

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 6. August 2013 von in Aktuelle Tourneen, Liedermacher, Q-T, Stein, Thomas, Uncategorized und getaggt mit , , , , , , , , .
%d Bloggern gefällt das: