Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Dota – Wo soll ich suchen

Dota_suchen

von Sophie Weigand

Dota Kehr ist aus der deutschen Kleinkunst– und Liedermacherszene nicht mehr wegzudenken. Mit und ohne ihre Stadtpiraten steht sie für poetisch-leise und intelligente Musik, der es gelingt, mit einem Satz oder einer Tonfolge direkt ins Herz zu treffen oder unbequeme Wahrheiten zu formulieren. „Wo soll ich suchen“ ist bereits das achte Album der studierten Medizinerin und ihrer Piratenmeute, lange und voller Vorfreude erwartet. Wie immer,wenn die Kleingeldprinzessin in die Saiten schlägt, wird die Welt ein bisschen langsamer, ein bisschen weicher in ihren Konturen. Denn Dota Kehr beherrscht das Vertonen der kleinen Dinge, der kleinen Gefühle ganz ohne Pathos und mit so viel Authentizität, dass jeder sich in ihrer Musik entdecken kann.

„Wo soll ich suchen“ lebt durch und klingt nach Aufbruchstimmung. In „Warten auf Wind“ steckt so viel Bewegung, dass man am liebsten selbst sofort aufspränge und losführe, ganz egal wohin, eben um des Fahrens, des Veränderns willen. Ist man sonst die eher leise Instrumentierung mit der Akustikgitarre gewöhnt, brechen sich hier auch schon mal E-Gitarren und Schlagzeugklänge in einem mitreißenden Rhythmus Bahn. „Sommer“ hingegen markiert ein Ankommen am See, beschienen und geblendet von Sonne, ruhend in diesem Augenblick.

In „Du musst dich nicht messen“ steckt ein herrliches und wahrhaftiges Plädoyer gegen Leistungswahn und Superlative. Für die Liebenswürdigkeit eines Menschen ganz ohne den Vergleich zu anderen, nur um seiner selbst willen. Wer also demnächst wieder einmal mit Aktentasche und Unterlagen unter dem Arm durch eine volle Fußgängerzone hastet, im Kopf wälzend, wie viel mehr der Kollege leistet, dem sei dieses Lied ein angenehm beruhigender Kontrapunkt. ‚Der Mensch ist perfekt, wenn er tut, was er gern tut‘, heißt es dort, ganz unangestrengt, aber doch wahr.

„Zwei Falter“ illustriert in aller Kürze und mit nahezu märchenhaft anmutender Instrumentierung, einen so kleinen Moment des Alltags, dass manch anderer daraus vermutlich kein Lied gemacht hätte. Aber Dotas Beobachtungsgabe und Sprachfertigkeit machen selbst aus der Beobachtung zweier weißer Falter, die niemand sonst sieht, ein so kunstfertiges Stück, dass man wieder lernt, in eben diesen kleinen Momenten das Bewahrenswerte und Schöne zu erblicken.

„Wo soll ich suchen“ ist eine musikalisch vielfältige Reise geworden, eine Suche nach dem Schönen, dem Kleinen im Großen, nach sich selbst und den anderen. Wie üblich bestechen die Stücke mit Texten, die sich nicht immer auf den ersten Blick erschließen, die durchdacht werden wollen und gehoben werden müssen wie ein Schatz. Das Warten auf diese Perle hat sich gelohnt, mit diesen dreizehn Stücken spielen sich die Kleingeldprinzessin und ihre Piraten wieder mitten in unseren Gehörgang, mit der zweifellos erfolgreichen Absicht, dort länger zu verweilen.

www.kleingeldprinzessin.de

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3 Kommentare zu “Rezension: Dota – Wo soll ich suchen

  1. Denise
    31. August 2013

    ich kannte sie gar nicht. hab mal reingehört, echt gut! gleich mal gekauft :)

  2. Silke
    30. August 2013

    Schöne Rezension über eine tolle Künstlerin! – Ist die Werbung auf der Seite so gewollt??

    • achtellorbeerblatt
      30. August 2013

      Liebe Silke,
      wir kooperieren jetzt mit den Stage-Cat-Leuten. Will heißen – die weisen auf das EAL hin und wir stellen deren Logo unter unsere Beiträge. Dadurch gewinnen wir zahlreiche potentielle Leser. Das bleibt aber die einzige Werbung hier.
      Die früher von wordpress geschalteten Werbefenster, auf die wir keinen Einfluss hatten, haben wir ja vor ein paar Monaten abgestellt.

      Herzliche Grüße
      Rike vom EAL

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