Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Die EAL-CD des Monats September/2013: Matthias Brodowy „Bis es euch gefällt“

brodowybeeg

von Sophie Weigand

Wenn Matthias Brodowy, Träger des Deutschen Kleinkunstpreises 2013 und selbsternannter „Chief Director For A High Level Bullshit“, „Vertreter für gehobenen Blödsinn“, verkündet, es handle sich bei „Bis es euch gefällt“ mitnichten um ein Best-Of konventioneller Art, sondern um ein von ihm nach eigenem Gutdünken zusammengestelltes Potpourri seiner besten Texte und Lieder, wird einem bewusst, dass er nicht lange spielen muss, damit es gefällt. Der scharfzüngige Hannoveraner, studierter Kirchenmusiker und Theologe, geistert schon seit Jahren durch die deutsche Kabarettszene. Bereits 1997 ging er mit seinem ersten Soloprogramm „Schweigen Sie ein – ich fahre Wort“ auf Tour. Mit dem Deutschen Kleinkunstpreis für sein Programm „In Begleitung“ (zusammen mit Carsten Hormes und Wolfgang Stute) wird ihm jetzt schlussendlich die verdiente Aufmerksamkeit zuteil.

„Bis es euch gefällt“, aufgenommen im Januar 2013 im TAK Hannover, ist eine höchst gelungene und kurzweilige Zusammenstellung aus Text und Musik. Thematisch kreuzt Brodowy durch erstaunlich viele Gewässer, regionale Verbundenheit wie in „Nordlicht“ koexistiert neben der Tapetensozialisation der 70er, neben dem Herrn von der Hamburg Mannheimer und einem Traum von plötzlichem Papsttum. Ein besonderer Höhepunkt der ersten Hälfte ist hier die verschollene Oper Mozarts, musikalisch opulent komponiert greift sie die Tücken des Übergewichts und des daraus resultierenden Zwangs zum Verzicht auf. In den Hauptrollen Don Sarotti und Dr.Niederegger. Matthias Brodowy beherrscht den pointierten Wortwitz, sodass es eine Freude ist, auch alltäglichen Anekdoten zu lauschen und dabei gelegentlich sogar noch Anregungen für den Hausgebrauch zu entnehmen. So beantwortet Brodowy die drängende Frage nach einer Aufbewahrungsmöglichkeit unliebsamer Staubfänger, die immer dann im hellsten Licht erstrahlen, wenn der Besuch kommt, der sie ins Haus geschleppt hat. „Feuerland“ hingegen weckt Fernweh.

Auf der zweiten CD findet sich auch der Klassiker „Stadt mit Keks“, eine mehr oder weniger schüchterne Liebeserklärung an Hannover. Wir erhalten Unterricht in fachgemäßer Bestellung beim ortsansässigen Eisdealer, erhalten Einblick in deutsche Frühstücksbuffets und werden Zeuge einer Demaskierung. Genau genommen der Demaskierung eines der liebsten Themen deutschen Kabaretts – der beständige Hang zur Unzufriedenheit und Jammerei. Dabei ist das Jammern über das Jammern doch bereits potenzierte Nörgelei. Lieber schreibt man ein Lied darüber, das jeder in noch so desolatem Zustand aus vollem Halse mitgröhlen kann. Auf Malle. Oder woanders. „Jammer Jammer“.

„UFOS über Berlin“ durften wir bereits im Herbstgewitter hören, ein melancholisch-surreales Lied, das hervorragend arrangierte Musik mit einem wortspielfreudigen Text verknüpft. Matthias Brodowy ist vielseitig. Wo die einen nur griffige Texte präsentieren und die anderen lediglich schöne Töne, ist der Brodowy in beiden Disziplinen talentiert und angenehm originell. Hinter vielen Texten verbirgt sich ein Augenzwinkern, wie in der Begegnung mit unserer Kanzlerin beim Griechen. Es sind Hintersinnigkeit und Subtilität, die Matthias Brodowys „Bis es euch gefällt“ zu einem kurzweiligen, aber eben auch unterhaltsamen Konglomerat aus seinen „7 1/2“ bisherigen Programmen machen.

www.brodowy.de

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