Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Liederjan – Eins, zwei: Drei im Sauseschritt

Mit musikalischer Bravour vermittelte Literatur

„Eins, zwei: Drei im Sauseschritt“ – Liederjans neue CD um Leben und Werk von Wilhelm Busch

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von Anne Drerup

Diese heitere CD von Liederjan ist nicht nur etwas für „Buschliebhaber“ – keine Verwechslung mit einem der gleichklingenden amerikanischen Präsidenten, bitteschön, es geht um den humoristischen Schriftsteller und Zeichner Wilhelm Busch! – doch man sollte grundsätzlich seinem Humor offen gegenüber sein und sich die Zeit nehmen, genau hinzuhören. In 13 Stücken ehren Liederjan, bestehend aus den Vollblutmusikern Jörg Ermisch, Hanne Balzer und Michael Lempelius, die neben Gesang jeweils mindestens sechs und bis zu zwölf verschiedene Instrumente beherrschen und gekonnt einsetzen, zusammen mit Gastsängerin und Liedermacherin Joana den kauzigen Autor und ermöglichen auf unterhaltsame Art und Weise Einblicke in dessen Leben.

Wer sich nicht bereits schon sehr gut mit Leben und Werk Wilhelm Buschs auskennt, dem sei das informative und wirklich schön gestaltete Booklet beim ersten Hören wärmstens empfohlen – zum einen, um die Texte auch alle komplett aufzunehmen und einordnen zu können, zum anderen, um Buschs Originalzitate aus der Textkomposition von Liederjan herauszuerkennen – ein gar nicht so leichtes Unterfangen, sieht man von den Biografie-Liedern „Des Lebens Lauf“ und als Fortsetzung „Busch in Antwerpen“ ab, wobei auch hier die Refrainzeilen aus dem Munde bzw. der Feder des Dichters selbst stammen.

Er, Wilhelm Busch, dürfte wohl zufrieden damit sein, dass und wie Liederjan seine Texte adaptiert und seine Geschichten damit am Leben erhält. In den bereits angesprochenen biografischen Liedern stürzt sich das Trio nämlich auch vornehmlich auf die Informationen, die der Autor selbst am liebsten preisgab: auf Anekdoten und Szenen seiner Kindheit und Jugend.

Die Auswahl der Themen und die musikalische Umsetzung kann man nur als vielseitig und facettenreich beschreiben. So wird wohl jeder sein eigenes Lieblingsstück haben, ob „Sankt Wilhelmus“, voller Ironie und Kirchenkritik, welches in den Strophen verschiedene Geschichten und Anspielungen von Wilhelm Busch integriert, oder – sehr modern! – den „Rickeracke-Rap“, laut Eigenkommentar von Liederjan ein „früher Bus(c)hido“, bestehend aus neu zusammengesetzten Busch-Zitaten und begleitet mit den Instrumenten Boomwhackers, Sambagurke, Mülltüte und Buch oder gar das „Lied eines versimpelten Junggesellen“ im 7/8-Takt, das einem exotischen Tanz anmutet, den Hörer aber durch meckernde Einwürfe der Frauenstimmen anzweifeln lässt, was der Kehrvers verspricht: „Schön ist Junggeselle sein!“

In „Lohn einer guten Tat (eine wahre Geschichte)“ zeigt sich ungerechte Bürokratie, die auch durchaus in der heutigen Zeit nicht völlig ausgeschlossen werden kann: Ein Lebensretter erhält nicht die erhoffte Belohnung, er muss für sein Gesuch sogar noch Stempeltaxe zahlen – „dumm, dumm, dumm!“ ist es, wie dadurch Zivilcourage in ihrem Keim erstickt wird. Überhaupt zeigt sich, wie Wilhelm Busch die Menschen genau beobachtet und ihre Schwächen aufs Korn nimmt. „Unbeliebtes Wunder“, in seinem Arrangement und seiner Instrumentierung schottisch klingend, erzählt die Geschichte eines körperlich behinderten Ehepaars, das seine Malaisen zum Betteln nutzt und rundum zufrieden damit ist. Das Wunder besteht in der plötzlichen (und ungewollten!) Heilung nach Bischof Martins Tod, sodass sich das Ehepaar letztendlich widerwillig eine ehrliche Arbeit suchen muss.

Selbst Personen in seinem nächsten Umfeld verschont Wilhelm Busch nicht: In seinem Spätwerk „Ständchen“, feierlich im vierstimmigen A-cappella-Satz vorgetragen, beobachtet er durch das Schlüsselloch seine Angebetete und stellt u.a. fest: „Du beugst die lilienweißen Knie und hebst das Hemd und machst Pipi!“ Im völligen Kontrast dazu steht das ebenfalls in reiner A-Cappella-Formation umsetzte „Blümlein“, in dem Busch seine unerfüllte erste Liebe verarbeitet – dem Vater seiner Angebeteten war er nicht gut genug.

Eher schnulzig, was man Busch weniger zutraut, er aber wohl auch und „ganz ohne Hintersinn“ verfasste, klingt „Vertraut“ – romantisch angehaucht kann der Humorist also auch sein – nun ja, Geschmackssache. Wer Lesen zu unbequem findet, kann das gesungene Rezept „Wie man einen Obstauflauf macht“ auf Dauerschleife stellen und parallel dazu zubereiten – auch damit sind Busch und Liederjan gewissermaßen Trendsetter, denkt man an gesungene Rezepte wie beispielsweise „Chocolate Chip Cookies“ der Vocal- Pop- Band Wise Guys.

Sehr unterhaltsam – und darum darf es schließlich nicht fehlen! – ist „Fink und Frosch“, umgesetzt auf die Melodie der Vogelhochzeit. Ob im Original der Frosch auch berlinert? Es ist jedenfalls eine tolle Idee!

Fazit: Wilhelm Busch und Liederjan harmonieren gut miteinander – wer einen von beiden schätzt, wird den anderen sicherlich auch mögen. Ein Reinhören ist es sicherlich wert!

www.liederjan.com

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5 Kommentare zu “Rezension: Liederjan – Eins, zwei: Drei im Sauseschritt

  1. Nitram
    23. November 2013

    Gefällt mir gut, ist wirklich Spitze
    – vor Lachen fiel Hut ine Pfitze!

  2. Andrea Kording
    8. Oktober 2013

    Liebe Ericasta, als Kind hat mir mein Vater abends aus dem dicken alten Wilhelm-Busch-Buch seines Vaters vorgelesen (und mir dabei noch die alte Schrift beigebracht) und mich in die Welt von Max und Moritz, von Tobias Knopp und Fipps der Affe entführt… Ich bin seitdem ein GANZ grosser Fan… und sehr neugierig geworden bei Deinem Text… Liebe Grüsse Andrea

  3. ericasta
    3. September 2013

    Hat dies auf ericasta rebloggt und kommentierte:
    … Bin ein gaaaanz großer Wilhelm Busch-Fan !

  4. marie
    3. September 2013

    Hat dies auf meist Aktuelles rebloggt und kommentierte:
    supergruppe, hab sie schon live gesehen bei Hüsch

  5. marie
    3. September 2013

    supergruppe, hab ich schon live gesehen bei Hüschs gesellshaftsabend vor vielen jahren

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