Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Thomas und Rotraut Knodel – Traue dem Leben

Von Zeit genießenden Zeitgenossentraue dem Leben


von Anne Drerup

Die kirchlichen Liedermacher Thomas und Rotraut Knodel betonen mit ihrer fünften CD „Traue dem Leben“ die Wichtigkeit von kleinen und großen Glücksmomenten im Alltag. „Feinsinnige Lieder vom kleinen und großen Glück“ – so lautet der Untertitel der fünften CD des Ehepaars Knodel aus Illingen.

Seit 20 Jahren steht Thomas Knodel, Diakon und Liedermacher, zusammen mit seiner Frau, von Beruf Lehrerin, immer wieder erfolgreich auf der Bühne. Und das  besonders im Kontext von Kirchentagen, Kirchenmusik oder Gemeindearbeit, mit eigenen Stücken und Kirchenliedern, in jedem Fall mit seiner Gitarre.  Neu ist an der CD nun, dass er auch Chor und zusätzliche Instrumentierung bei der Aufnahme im Studio eingebaut hat.

Zugegeben, man sollte den religiösen Hintergrund mögen und auch gewissen Tendenzen von „beratenden“ Passagen nicht abgeneigt sein, um die Lieder zu schätzen. Befindet man sich gerade im äußersten Stress, könnte es kontraproduktiv sein, dem harmonischen zweitstimmigen Gesang zu lauschen – wenn man dafür gar keine Zeit und Muße hat, in den Texten aber immer wieder zum Innehalten und Entspannen, zur Wertschätzung des Lebens aufgefordert wird. Besser ist es da, sich tatsächlich schon in einer Entspannungsphase zu befinden, ob nun zu Ferienanfang oder zu Beginn des Wochenendes. Oder einfach gesagt: Wenn man die Frage des gelungenen Openers mit Ohrwurmqualität: „Habt ihr, liebe Zeitgenossen, heut schon eure Zeit genossen, habt ihr das denn wirklich schon getan?“ mit einem klaren „Ja!“ beantworten kann, sollte die Stimmung für den Großteil der Lieder die richtige sein. Bei wenigen anderen Liedern ist es nicht abhängig von der eigenen Verfassung – z.B. „Träumen von Levkojen“, das weniger belehrend und beratend ist -, dass man sie einfach schön findet und gerne hört. Ungeduld ist überhaupt fehl am Platz, denn einige Lieder („Ferien sind wunderbar“, „Man müsste mal wieder“ etc.) sind dadurch, dass sie über viele Strophen und einen stets wiederkehrenden Refrain verfügen, sehr lang. Vielleicht könnte man daher an manchen Stellen Strophen zusammenfassen? Nun ja, es kommt ja auch darauf an, wie lang ein Konzert oder ein Dankeschön-Lied, wie z.B. für ehrenamtliche Mitarbeiter, an sich dauern soll.

Die Lieder mit- oder nachzusingen ist übrigens kein Problem, denn es besteht die Möglichkeit, an Noten und Texte für die Stücke zu kommen. Wer sich also von der Fröhlichkeit, mitzusingen im Lied „Ich hab’ nen Vogel im Geäst“ direkt anstecken lässt, kann gleich loslegen. Im „Karussell“, musikalisch im Country-Stil, geht es weniger um einen Moment, als um den Lauf des Lebens mit seinen Höhen und Tiefen – die stets von Gott begleitet werden. Als explizit religiöse Lieder treten außerdem „Mein Herz ist ein Schatz“, „Wohin soll ich mich wenden?“ und „Beim ersten Licht des Tages“ auf, wobei letzteres als „moderner Psalm“ bezeichnet werden kann, stammt die Melodie dazu doch aus dem evangelischen Gesangsbuch.

Sind die Themen und Aufrufe in den Liedern sehr ähnlich, so sind Musikstil und Rhythmus jeweils überraschend facettenreich: Es gibt ruhige, sehr harmonische, melodiöse Lieder („In Sommertagen“ auf die Melodie „Die güldne Sonne voll Freud und Wonne“, „Radtour im Frühsommer“ mit der wohlklingenden Zeile „Hier und jetzt im Augenblick, schwingt das Leben, klingt das Glück“ oder „Wenn der Schnee leise fällt“, dessen Melodie stark an Kinderlieder erinnert), den erwähnten County-Stil beim „Karussell“, schwungvollen Rhythmus („Vielleicht will es mir heut gelingen“) bis hin zu Reggae („Man müsste mal wieder“) oder das mit einem Jodeln beginnende „Kleine Freuden“, das zum Wahrnehmen ebendieser bzw. zum Schaffen von Wohlfühlinseln im Alltag aufruft.

Im Kontext von Kirche und Gottesdienst bringen die Lieder von „Traue dem Leben“ in jedem Fall einen angenehmen, frischen Wind. Sie sind heiter und fröhlich, nachdenklich und menschenfreundlich, so wie es das Duo Knodel auch selbst sagt. Freunde politischer und sozialkritischer Liedermachertexte kommen somit nicht auf ihre Kosten. Aber es kann ja eine angenehme Abwechslung sein, zwischendurch einmal auch solch harmonische, unkomplizierte und lebensbejahende Lieder zu hören.

www.dieknodels.de

Ein Kommentar zu “Rezension: Thomas und Rotraut Knodel – Traue dem Leben

  1. Silke
    4. September 2013

    Eine Kostprobe wäre toll, vielleicht im nächsten Herbstgewitter?

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