Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Konzertbericht: Bodo Wartke verabschiedet seine Achillesverse im Hamburger Stadtpark (06.09.2013)

Bodo_Stadtpark_Glasblas

von Sophie Weigand

Bodo Wartkes „Achillesverse“ sind gealtert. In Würde. Zehn Jahre haben sie mittlerweile auf dem Buckel und nachdem Wartke bereits letztes Jahr im Hamburger Stadtpark sein erstes Soloprogramm „Ich denke, also sing‘ ich“ in den wohlverdienten Ruhestand schickte, ging es nun dem Programm an den Kragen, das vermutlich die größten Evergreens des gebürtigen Hamburger Wortakrobaten enthält. Knapp 3500 Zuschauer fanden sich am Freitag im Stadtpark ein, um – gemeinsam mit Bodo Wartke, der Schönen-Guten-A-Band, dem Glas-Blas-Sing-Quintett und Sonja Firker – die Achillesverse zu verabschieden.

Nun, Verabschiedung klingt jetzt so endgültig. Ganz für die Ewigkeit wird es nicht sein, vermerkte Wartke auch selbst. Die größten Hits, „Ja Schatz“ oder das hochgradig sprachflexible Liebeslied werden selbstverständlich auch weiterhin im Repertoire Wartkes verbleiben, haben sie doch beide in großem Maße zu der stetig und vollkommen zu Recht wachsenden Popularität des Klavierkabarettisten beigetragen. Andere musikalische Bekannte wird man vermutlich in Zukunft seltener hören, umso schöner, sich wieder an sie zu erinnern. „Da muss er durch“, die Dokumentation einer sehr fordernden SAGO-Aufgabe, ist in seiner sprachlichen Virtuosität immer wieder ein Genuss. Und „Meine neue Freundin“ bleibt auch nach Jahren eine herrlich ironische Auseinandersetzung mit Schönheitswahn und beängstigender Oberflächlichkeit. Selbst wenn es schon Hörer gegeben haben soll, die die Tochter des Schönheitschirurgen ganz wörtlich nahmen.

„Unsterblich verliebt“ müsste sich eigentlich bei Vampiraffinen jeder Altersklasse größter Beliebtheit erfreuen, dokumentiert es doch auf beinahe tragische Weise die emotionalen Desaster eines blutdürstigen Untoten. „Grässlich vergesslich“ hingegen die alltäglichen Desaster derer mit einem Gedächtnis rasant schwindender Haltbarkeit. Bodo Wartke ist bekannt dafür, sich auf Konzerten von Kollegen begleiten und unterstützen zu lassen und so erlebt man im Stadtpark bei lauen Sommertemperaturen die ein oder andere ganz besondere Instrumentierung seiner Evergreens. Hier zeigt sich wieder aufs Neue, dass Wartke und Kollegen nicht nur über einen äußerst feinsinnigen Humor, sondern auch über eine Menge musikalisches Talent verfügen. Besonders beeindruckend war hier das Glas-Blas-Sing-Quintett, das mit zwei eigenen Stücken das Publikum restlos begeisterte.

Doch nicht nur Songs aus „Achillesverse“ – das sich ja bekanntlich mit den verschiedenen Kategorien von Liebesliedern auseinandersetzt und deshalb ursprünglich den Titel „Bodo Wartke singt überwiegend Lieder über Liebe“ tragen sollte, bis die Plakatfläche diese Idee zum Tode verurteilte – finden den Weg ins Programm. Auch Wartkes Lied gegen Regen (mit der Rügen-Strophe) findet Eingang in die Abschiedsparty, ebenso wie „Teenager zu sein“ aus seinem neuesten Programm Klaviersdelikte und „Lalelilolu“, ein Liebeslied, das ursprünglich „Noah ist ein Archetyp“ entstammt. So genau nimmt Wartke es mit der Zusammenstellung der Lieder nicht und gerade diese Lockerheit sorgt für einen musikalisch überaus abwechslungsreichen Abend.

Man merkt Wartke die Spielfreude auf der Bühne deutlich an und so gehört es fast zum guten Ton, dass die immer wieder den Park überquerenden Flugzeuge bravourös ins Programm eingebunden werden. Wartke ist nicht nur hervorragender Musiker, sondern auch ein Vollblutentertainer; bei aller Professionalität aber stets authentisch. Mehrfach verspielt er sich. Vergisst Textzeilen. Niemand nimmt es ihm übel, während er eben einfach ansteckend lächelt und weiterspielt, steppt oder tanzt. Ein furioses Finale bildet am Freitag nicht nur die Ankündigung, dass es 2015 ein neues Programm geben und die Premiere desselben in Hamburg stattfinden wird, sondern auch das Liebeslied, das den gesamten Hamburger Stadtpark zum einträchtigen Singen verleitet. 3500 Menschen singen aus vollem Halse und im Lichte vereinzelter Feuerzeuge den Refrain, den mittlerweile wohl fast jeder kennt und Bodo bemerkt am Flügel: „So sollte es immer sein.“

Stimmt!

www.bodowartke.de

Foto: Bodo Wartke begleitet vom Glas-Blas-Sing-Quintett
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2 Kommentare zu “Konzertbericht: Bodo Wartke verabschiedet seine Achillesverse im Hamburger Stadtpark (06.09.2013)

  1. gefuehlsbetont
    9. September 2013

    Bodo Wartke ist wirklich ein beeindruckender Kabarettist. Es tut zwar wirklich ein bisschen weh, dass er seine alten Programme in den Ruhestand schickt, aber es tröstet sehr zu spüren, dass seine neuen Programme ebenfalls Gold wert sind – und er sich weiterhin voll reinhängt, auf dem Boden geblieben ist. Sein Erfolg ist mehr als verdient.

    • achtellorbeerblatt
      9. September 2013

      Das nächste Programm ist schon in Vorbereitung – Die Premiere ist für September 2015 geplant…

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