Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Barth / Roemer: Groove Chanson

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von Simon-Dominik Otte

„Groove Chanson“. Das klingt tatsächlich nach einer kruden Mischung, wie schon in der Presseinfo anklingt. Barth/Roemer vermischen Musikrichtungen wie andere Speisenzutaten. Mit den ersten Tönen fühlt man sich durchaus an die guten Joint Venture erinnert, zumindest von der Instrumentierung, aber auch von der Art des Gesangs her. Schon mit „Genau“ zeigen die beiden Kölner, wo es langgehen wird, textlich ein Genuss, musikalisch fesselnd. Irgendwie tönen die Rheinländer genau danach, eben nach dem Rheinland, einer bunten Mischung, so wie die Bevölkerung der Domstadt.

„Sich vom Acker zu machen / und zwar schnell / ist ein bewährtes Lebensmodell“. Treffend, in jeglicher Hinsicht. Solche Texte mit dem zugehörigen, fiesen Unterton zu vermitteln, das zeugt von Qualität. Und die bringt Astrid Barth nicht nur in lyrischer, sondern auch in gesanglicher Hinsicht mit. Die Lieder auf dem zweiten Album passen in die verrauchte Kneipe (empfohlen sei allen Interessenten in jedem Fall der Gig im Oktober in Bonns bester Whiskey-Bar Zone), aber auch in die alteingesessenen Cafés, zu Wohnzimmer- und Gartenkonzerten. Mit Sicherheit aber auch in die gehobene Klasse der Kleinkunstbühnen. „Blues ist es nicht“, aber das muss es auch nicht sein, denn begeisternd ist es allemal, was Barth/Roemer uns hier darbieten.

Was diese Musik so sympathisch macht, ist das stets zwinkernde Auge, mit dem auf das eigene Tun und die Welt drum herum geblickt wird, bestes Beispiel hierfür: „Kein Blues“. „Nur von Schlager und von volkstümlicher Musik / halten wir nix“. Ja, so kann man das stehen lassen. Eine Schublade reicht jedenfalls für die extravaganten Kölner längst nicht aus, man braucht schon eine ganze Schrankwand, um das Können auch nur annähernd abdecken zu können. Und nicht nur, dass man Stunden braucht, um alle Einflüsse benennen zu können (wenn man das denn braucht), nein, man hört Barth/Roemer auch genauso lang mit Genuss zu.

„Groove Chanson“ ist eine eigensinnige, eigenartige, eigenwillige und eigenständige CD, wie man sie lange nicht gehört hat, denn hier wird keine Rücksicht auf Hörerwünsche oder Genrezuschreibungen genommen, hier wird einfach musiziert, was das Zeug hält. Das, was gerade in den Kopf kommt, wird verarbeitet, stets auf die passende Art. Man könnte vielleicht sagen, dass Barth/Roemer ein Album geschaffen haben, das ein Festival in sich ist. Eines, das man sich in der Qualität manches Mal wünschen würde.

Bleibt noch die Frage, was das alles eigentlich mit Rock’n’Roll zu tun hat. Keine Sorge, auch diese Frage wird in einem Song besungen und erklärt sowie beantwortet. „Warum hab ich für den ganzen Scheiß / kein Personal?“ Das fragt man sich wirklich, denn wenn man es jemandem wünschen würde, dass viel mehr Menschen sie hören würden, dann sind es Barth/Roemer, die mit einfachsten Mitteln (Gitarre, Gesang und ein kleines bisschen Percussion) schaffen, was manche Band mit zehnfachem Personal nicht schafft: unterhaltsame, intelligente Musik zu machen, die einem den Tag versüßt („um ’nen schönen Abend zu haben / sind wir doch alle hier“). Mag man öfter haben. Ich mach dann auch den „Spül von vor drei Tagen“ weg. Freiwillig. Versprochen.

Ganz große Empfehlung. Nicht nur, weil Barth/Roemer auch noch den Witz besitzen, mit einem „Begrüßungslied“ ihr Album zu beschließen. Ich bin begeistert und hoffentlich viele andere auch.

www.gesangundgitarre.de

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