Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Die EAL-CD des Monats Oktober/2013: Frank Viehweg – Aus der Welt

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von Sophie Weigand

Frank Viehweg ist, betrachtet man seinen Werdegang, im Liedermacherhandwerk ein Urgestein, eine Art stiller Fels in der Brandung, der seit über fünfundzwanzig Jahren dem politischen wie poetischen Lied die Stange hält. Frank Viehweg ist ein Brückenbauer. Und mit „Aus der Welt“ beweist er dieses Talent auf mannigfaltige Weise, mal führen die Brücken direkt in die Welt hinein und mal aus ihr heraus. Der Liedermacherei haftet das Vorurteil an, grundsätzlich politisch sein zu müssen, ambitioniert und kämpferisch, alles andere dient nur der seichten Bespaßung am Rande der Manege. Andere versuchen, dieses steinerne Dogma zu umgehen, indem sie sich ganz bewusst von jeder politischen Aussage distanzieren. Frank Viehweg verbindet beide Elemente, baut auch hier seine Brücken.

In dem ein oder anderen Herbstgewitter durften wir schon in den Genuss einiger Lieder von „Aus der Welt“ kommen. So hörten wir bereits „Ohne Dich“, ein Liebes – und ein Verlustlied aus der Sicht des Liedermachers, der mit einem Mal ganz weltliche Schreibhemmungen entdeckt, ohne die Muse an der Seite. Aber der Poet wäre keiner, wenn er nicht noch der Unfähigkeit, etwas in Worte zu fassen, zauberhafte Worte abzuringen imstande wäre. „Unter deinem Schirm“ besingt und instrumentiert so wohlwollend und herrlich bodenständig diesen Rückzugsort, an dem es einem manchmal mangelt, an dem Schutz vor „Schmonzetten“ und „Gazetten“. Ein entspanntes Begleitlied zum Schließen von Türen, zum temporären Rückzug aus der Welt. Ein Lied wie besagter Schirm.

Frank Viehweg schlägt leise und nachdenkliche Töne an, kann aber, das wird im Laufe des Hörens sehr deutlich, auch ganz anders. In „Wieder“ erkennt man deutlich Anleihen des alten Arbeiterliedes, ein stampfender Rhythmus treibt es voran. Es ist ein Lied gegen Kriegstreiberei, gegen ein politisches Schattenspiel, gegen eine Eindeutigkeit von Gut und Böse. Es sticht zwischen den anderen hervor, ähnlich wie „Ein anderes wollen wir nicht“, begibt es sich auf politisch-gesellschaftliches Parkett und weiß sich dort selbstredend zu behaupten. Es ist erfrischend, dass jemand wie Frank Viehweg nicht vor dieser Färbung zurückschreckt und statt hintersinnige ganz eindeutige Worte findet.

Mit „Seltener Vogel“ findet sich gleich zu Beginn der Platte ein Stück so einprägsam, dass es gar zum Ohrwurm gereichen könnte. In wahrhaft tierischer Metaphorik besingt es das etwas einsame Los des Dichters, der sich als „seltener Vogel“ dem „Wolfsgeheul“ der Meute standhaft verweigert. So sänge er ja doch nur, was er singen wollte und ragte damit, selbst in guter Tarnung, doch sofort heraus. Frank Viehweg beweist mit „Aus der Welt“, dass genau dieses etwas idealistische Exotendasein auch heute noch möglich ist. Zu singen, wonach einem der Sinn steht, in der Art, in der es einem passt.

Die Doppeldeutigkeit des Albumtitels „Aus der Welt“ unterstreicht die Vielschichtigkeit dieses Frank Viehweg. Aus der Welt wird er mit diesem Glanzstück der Liedermacherei jedenfalls nicht sein, die Lieder aus dieser seiner Welt werden das zu verhindern wissen.

Hören Sie Lieder von Frank Viehweg auch in diesen Ausgaben unseres Herbstgewitters:

Ausgabe 35: HIER anhören.

Ausgabe 31: HIER anhören.

Ausgabe 29: HIER anhören.

www.frankviehweg.de

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Ein Kommentar zu “Die EAL-CD des Monats Oktober/2013: Frank Viehweg – Aus der Welt

  1. wrady
    15. September 2013

    Hat dies auf trauma Hilfe rebloggt.

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