Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Dave de Bourg – Wo du mich findest

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von Simon-Dominik Otte

Nein, man muss nicht immer ankommen, geschweige denn perfekt sein. Und das erzählt, begründet und rät uns Dave de Bourg mit seiner „Hymne des Unperfektseins“. Schön, dass ein Album gleich so einnehmend beginnt. Selbst, wenn man ans Meer will und nur bis zum Fluss kommt, das reicht doch auch schon.

Dave de Bourg singt Lieder von Menschen, Straßen, Städten und Gefühlen. Und tut dies in einer Art, wie sie so überzeugend seit Gisbert zu Knyphausen nicht mehr zu hören gewesen ist. Ehrlich, mutig, geradeheraus und witzig. Ob er uns in „Deine alte Straße“ berichtet, wie es sich so anfühlt, wenn geliebte Menschen die Nachbarschaft verlassen oder in „Goodbye Niemandsland“ erklärt, dass auch das Verschwinden, die Veränderung sinnvoll ist, denn „wenn man immer nur bleibt, kann man nie nach Hause gehen“.

Fast schon selbstverständlich bekommt auch die Hölle „Ü-30-Parties“ ihr Fett weg, wo man unter sich ist und seinen schlechten Musikgeschmack pflegen darf. Dave de Bourg begeistert aber nicht nur über seine Texte, sein Gitarrenspiel überzeugt und entflammt und lässt mich wieder mehr vermissen, dass meine Band gerade so weit weg ist. Eben „Überall nur nicht hier“. Man erkennt also: für jeden was dabei und wenn es nur die eigenen Gedanken sind.

Dave de Bourg muss nichts neu erfinden, keine Fantasy schreiben, es reicht völlig, wenn er seine Beobachtungen mit uns teilt, was er glücklicherweise völlig ohne Klischees, Anbiederung oder Kitsch tut und sich somit in die weit geöffneten Arme seines Publikums fallen lassen kann. Denn er kann sicher sein, dass er aufgefangen wird, denn eines muss man ihn einfach: gern haben. Und auf der anderen Seite ist es so, wie Oliver Uschmann sagt: „Ein Musiker, der dir unter die Arme greift“. Eben. Geben und Nehmen.

Der Mann aus Montabaur baut nicht nur Bitterfeld in seine Texte ein („Ohne dich ist die ganze Welt Bitterfeld“), er singt und spielt sich vom ersten Ton an in die Herzen der Zuhörer, ohne irgendetwas zu benötigen, was man im Allgemeinen als „Show“ bezeichnet. Insofern passt er sehr gut in die frühen Tage von Jupiter Jones oder Bosse. Und das ExHaus in Trier unterstreicht als Aufnahmeort auch noch einmal das Besondere an Dave de Bourg.

Auf „Wo du mich findest“ ist noch nicht einmal „Das Ende der Welt“ das Ende der Welt, nein, es gibt noch einen kleinen Bonus, auf den man auch nur ungern verzichten mag, ist „Ein Lächeln und der Blitz“ doch ein so wundervoller Song, und es bleibt nicht nur ihr Lächeln, es bleibt vor allen Dingen das Lächeln auf dem Gesicht des Hörers und der Wunsch, dieses Album direkt noch einmal von vorne zu hören. Kann man machen. Sollte man. Das Leben gespiegelt im Liedersee von Dave de Bourg. Ob ihr auch eures darin wiederfinden könnt, müsst ihr ausprobieren. Aber das lohnt sich. Fest versprochen.

www.davedebourg.com

Ein Kommentar zu “Rezension: Dave de Bourg – Wo du mich findest

  1. mcralf
    27. September 2013

    Danke für diesen Tipp. Gefällt mir :-)

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 27. September 2013 von in 2013, A-D, de Bourg, Dave, Liedermacher, Plattenbesprechungen, Uncategorized und getaggt mit , , , , , .
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