Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Cat Balou° und die Räuberband – Reisen

Cat Balou Reisen

von Sophie Weigand

Liedermacherei ist eine Männerdomäne. Sagt man oft. Und tatsächlich sind die männlichen Vertreter dieses unseres Genres zumeist in der Überzahl. Was aber mitnichten bedeutet, dass die weibliche Konkurrenz schläft. Cat Balou, mit bürgerlichem Namen eigentlich Catriona Blanke, zeigt meisterlich, dass auch die Frauen ihr Handwerk verstehen. Die in Frankfurt geborene Musikerin arbeitet seit 2011 als freiberufliche Künstlerin, unter anderem auch im Schauspiel und der Theaterpädagogik. Ihr Album „Reisen“, gemeinsam aufgenommen mit ihrer Räuberband, vereint ganz verschiedene Klänge zu einer ganz besonderen und hinreißenden Mixtur aus klassischer Liedermacherei und guter Popmusik.

„Reisen“, den Titeltrack des Albums, durften wir uns bereits vor einiger Zeit in Videoform zu Gemüte führen und schon da war es unübersehbar: diese Frau hat eine ansteckende Energie, Spaß an der Sache und ein Talent für höchst eingängige Melodien, die sich überraschend schnell im Kopf einnisten. Reisen – und damit die Erweiterung des eigenen Horizonts – ist für viele Liedermacher ein Thema, doch selten fand man es so sympathisch komponiert wie bei Cat Balou. Wen da nicht das Reisefieber packt, dem kann man für den Augenblick auch nicht mehr helfen.

Doch zwischen diese positive Energie, die einen ungeduldig auf dem Stuhl wippen lässt, mischen sich auch ganz andere und vollkommen unerwartete Töne. „Guardians of the Land“ ist so ein Fall von Lied, von dem man als Hörer aufrichtig begeistert ist. Nicht nur, dass wir auf einmal überraschend die englische Sprache und seichte Gitarrenklänge vernehmen, die Musik nimmt uns sofort mit auf eine Fahrt über kilometerlange, staubige Landstraßen zu den Ureinwohnern und Naturvölkern, die noch in Eintracht mit ihrer Umgebung leben. Obwohl es noch zwei andere englische Lieder auf die CD geschafft haben, ist „Guardians of the Land“ doch ein ganz besonderes Juwel dieser Platte.

Cat Balou kann auch kritisch sein und wohltuend authentisch dabei. So nimmt „Karriere“ die gesellschaftliche Beschleunigung und Unart aufs Korn, Kindern immer früher einen Lebensweg aufzuzwingen. Immer früher sollen sie sich entscheiden, was sie einmal werden und wie erfolgreich sie sein wollen. Dem setzt Cat Balou einen Satz entgegen, der in seiner Einfachheit gelassen eine Wahrheit ausdrückt, an die wir uns öfter erinnern sollten: „Und außerdem muss man mal sagen wie es ist, du musst nichts werden, weil du nämlich schon was bist.“ In eine ganz ähnliche Kerbe schlägt auch das etwas gemächlichere „Löwenzahnsamen“, die sich auch ganz ohne übermenschliche Anstrengung verteilen.

Unzweifelhafter Gewinner in der Kategorie „Gute-Laune-Lied“ ist der „Schubkarrensong“. Ansteckend positiv und unbedarft, mit Trompetenklängen untermalt, muss man dabei mindestens mit den Füßen wippen. Cat Balou und ihre Band präsentieren ein musikalisch vielfältiges Album, das, obwohl schnöde Äußerlichkeiten ja selbstredend hinter inhaltlichen Aspekten zurückstehen, auch durch seine Aufmachung zu überzeugen weiß. Auf einer Crowdfunding Plattform finanziert, ist es mit wunderschönen Zeichnungen und einem umfangreichen Booklet versehen, das seinerseits alle Texte beinhaltet. Nicht immer gibt man sich so viel Mühe mit der Gestaltung des eigenen Albums. Man kann nur hoffen, von Cat Balou in Zukunft noch mehr zu hören, möge „Reisen“ ihr den Weg dafür ebnen. Das Potential hat es allemal!

Hören Sie in die Musik von Cat Balou° auch im Herbstgewitter, unserer Radiosendung rund um Liedermacher und Chansonniers.

zum Herbstgewitter mit Cat Balou° – HIER entlang

www.catbalou.net

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