Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Das große EAL-Interview: Johan Meijer.

Johan Meijer1 F-Dieter Hoffmeister

Zeitenwechsel – so heißt das aktuelle Album des Liedermachers Johan Meijer. Die zweite Platte seines „Europeana“-Projekts, die nicht nur bei uns jüngst zum Album des Monats gekürt wurde, sondern auch die Jury der Liederbestenliste nachhaltig zu beeindrucken wusste, so dass auch dort eine solche Monatsehrung folgte. 17 Stücke sozial und politisch engagierter europäischer Musiker aus diversen Regionen und Zeiten unseres Kontinents hat Meijer sich hier herausgesucht, um sie zusammen mit seiner Frau Diete Oudesluijs ins Deutsche zu übertragen und schließlich frisch einzuspielen. Eine Zusammenstellung bewegender und fast ausnahmslos aufrüttelnder Songs ist ihnen damit gelungen – und ein Bekenntnis zu diesem uns einigenden europäischen Gedanken (zur ausführlichen Plattenrezension: HIER entlang).

Wir haben mit Johan Meijer gesprochen – über niederländische Verbindungen, Gerhard Gundermann und, wahrhaftig: Die Sünde von Babel.

Interview: David Wonschewski / Fotos: Dieter Hoffmeister (J. Meijer alleine), Diete Oudesluijs (J. Meijer & J. Koning)

Reinhören: Johan Meijer – Skipper Klemens (vom Album „Zeitenwechsel“)

Ein Achtel Lorbeerblatt (EAL): Johan, sehe ich mir das tolle und wirklich informative Booklet zu eurem „Zeitenwechsel“ durch, so nötigt mir dieses Projekt schon beim Lesen allen Respekt ab. Allein die diversen Sprachen, durch die du und deine Frau euch habt wühlen müssen und deren Worte ihr nicht  nur inhaltlich, sondern auch klanglich habt begreifen müssen, um schließlich adäquate deutschsprachige Übertragungen anfertigen zu können…Zwar sind alle Stücke sozusagen „Coverversionen“, doch mir scheint, als wäre ein Album mit eigenen Liedern in diesem Fall wahrlich der einfachere Weg gewesen. Wie seid ihr überhaupt auf die Idee zu einem solchen Projekt gekommen?

Johan Meijer (JM): Die Entstehung eines solchen Albums liegt in unseren Biographien begründet. Bei mir ist es die Tatsache, dass ich im Alter von 4 Jahren nach Deutschland kam. Mein Vater fing an, als Pfarrer in West-Berliner Flüchtlingslagern zu arbeiten – und das 11 Jahre nach Kriegsende. Das stieß damals in den Niederlanden (auch bei einigen Familienmitgliedern) auf Unverständnis, aber mich hat die Entscheidung meines Vaters letztendlich sehr reich gemacht. Ich habe Deutsch im Kindergarten und auf der Straße beim Spielen mit anderen Kindern gelernt und heute ist mir Deutsch genau so vertraut wie meine Muttersprache. Meine Frau Diete kam Anfang der siebziger Jahre schon erwachsen nach Berlin mit Schuldeutsch im Gepäck und hat dort bis Mitte der neunziger Jahre gearbeitet. Jetzt arbeitet sie schon seit vielen Jahren als Dol­metscherin und Übersetzerin. Typisch für uns: Wir sind uns näher gekommen, als sich herausstellte, dass wir beide den Song Sweet Thames flow softly von Ewan MacColl kannten – ich kannte ihn aus der Zeit, in der ich eine Weile als IT-Fachmann in London gearbeitet habe, dort ging ich oft in Folkkneipen. Er ist jeweils an einen anderen Fluss angepasst, in Deutsch und Niederländisch aufgenommen, im Deutschen die Spree.

EAL: Ich persönlich habe Niederländer ganz allgemein als sehr offene, international denkende Menschen kennengelernt. Aber selbst für niederländische Verhältnisse seid ihr durch eure jeweiligen Biografien also schon sehr früh mit Europa in Kontakt gekommen…

JM: Was uns beide sehr geprägt hat, ist die Neugier nach dem an­deren, jenseits der Grenzen. Die Niederlande und Deutschland sind sich relativ nah und schon da gibt es interessante Unterschiede. Wie wird es dann erst in anderen Ländern sein? Außer den ersten beiden sind auch alle anderen CDs (jetzt insgesamt 8 niederländische und deutsche CDs ) mehr oder weniger aus der Neugier nach dem anderen entstanden. Es ging bei den bisherigen CDs um viele Lieder, die wir aus unserer Geschichte bereits kann­ten – ich habe während des Studiums der Volkswirtschaft in Rotterdam Gitarre spielen gelernt, nach einem musikalischen Gymnasium in Frankfurt am Main, meine Vorbilder waren damals vor allem Wolf Biermann, Reinhard Mey,  die Beatles und der niederländische Sänger Boudewijn de Groot, dessen Texte von Lennaert Nijgh verfasst wurden. Daneben interes­sier­te ich mich für andere Sprachen. Scherzenderweise sage ich manchmal, dass ich von meinem Vater und Großvater die ‚Sünde von Babel‘ geerbt habe. Ich würde am liebsten alle Sprachen sprechen. In der Praxis lief das darauf hinaus, dass ich anfing, Französisch zu lernen und daneben auch Russisch. Englisch, Alt-Griechisch und Latein hatte ich auf der Schule gehabt. Anfang der achtziger Jahre bin ich nach (West)Berlin zurückgekehrt. Damals bin ich oft aufge­treten, u.a. zusammen mit meiner damaligen Partnerin mit deutscher und niederländischer Folklore und mit jiddischen Liedern. Die große Zeit, in der auch Reinhard May und Hannes Wader in Berliner Folkclubs spielten, war schon längst über den Höhepunkt hinweg, aber der GO-IN war unsere feste Anlaufadresse. Ich hatte auch Freunde in Polen; mein Kumpel, mit dem ich dort auftrat, war damals der früh verstorbene Tomek Opoka, er hat mein Möwenlied mit einem auf sich zugeschnittenen Text zum bekannten Shanty in Polen gemacht. Durch ihn habe ich auch einen Einblick in die damalige polnische Liedermacherszene bekommen. Unter ihnen der Sänger Piotr Bakal, dem es jedes Jahr wieder gelingt, im November mit anderen zusammen das Oppa-Festival in Warschau auf die Beine zu stellen. Ich war 1984 im damali­gen Leningrad und habe dort Gründungsmitglieder der bekannten russischen Rockband Akvarium kennengelernt. Die gehörten damals noch zum Underground, erhielten jedoch im Zuge der Perestroika einen hohen Bekanntheitsgrad. Als ich dann eine CD aufnehmen wollte, habe ich zwei Musiker des befreundeten Vermicelli-Orchesters hinzugefragt. Der Leiter dieses Orchesters war der Akkordeonist Sergey Shurakov, der zuvor 10 Jahre bei Akvarium mitgespielt hatte. Sie waren dann immer einige Wochen in den Niederlanden. Von dem 2007 gestorbenen Akkordeonisten Sergey Shurakov habe ich außer neuen Songs auch besser Russisch gelernt. Tschechisch und Russisch hat mein Vater früher mal studiert, ich fand das schon damals so spannend, dass ich das auch schon ein wenig kannte. Studio und Saitenmann Loek Schrievers hat lange in den USA gespielt, aber hatte mit seiner Partnerin Margot Schenk und Freunden mit Palio Parea auch eine Band, die griechischen Rembetiko spielte. Das hat auch unser Ohr für Musik, die uns eigentlich vom Ursprung her fremd ist, geschärft. pls@rchestra vom Drummer Henk Wanders spielte Musik vom Balkan und anderen Regionen der Welt, auch das fließt ein wenig mit ein, Pianist Eugene Floren spielt eher freie Musik.

EAL: Na, das wollen wir doch mal eine wahrlich internationale Ausrichtung nennen! Und deine Frau?

JM: Diete hat früher neben niederländischem und flämischem Folk vor allem auch englische und irische Songs geliebt, war bei Festivals in England. Ihr Bruder Jaap war damals Mitglied der Band Dommelvolk und organisierte für die TH Eindhoven eine Reihe von Auftritten von bekannten Bands, u.a. die Dubliners und Gay und Terry Woods. Ihre allererste, mit Babysitting verdiente Platte war Pete Seeger, mit dem Lied Little Boxes und dem Vietnamblues. Später hat sie für die niederländische Folkzeitschrift Jan Viool – heute New Folk Sounds – Rezensionen zur deutschen Folkmusik über Biermann, Wader, Mossmann, Schmetterlinge usw. geschrieben, als sie in Berlin wohnte. Ich muss die damals gelesen haben, obwohl ich sie persönlich nicht kannte. Dass die deutsche ‚Volksmusik‘ anfangs noch ziemlich verpönt war, nach all den Nazis, war zwar logisch, aber die offensichtliche Zurückhaltung auch wieder etwas seltsam – das Lied der Wilden Schwäne hat mir z.B. immer schon sehr gut gefallen, ich habe es aufgenommen.

Johan Meijer2 F-Dieter HoffmeisterEAL: Ich denke, dass sich das zu einem großen Teil bis heute nicht geändert hat. Viele Deutsche kommen nach wie vor besser mit englischen Titeln klar als mit Liedern in der eigenen Sprache. Oder nehmen wir Liebeslieder, es ist schon frappierend und faszinierend zugleich zu sehen, welche Lieder bei uns textlich als „übler Schlager“ gebrandmarkt werden – wird ein ähnlicher oder aber zum Teil noch viel schlimmerer Text von Celine Dion gesungen, dann ist es plötzlich Pop und vollkommen okay. Aber zurück zu euch beiden – wann seid ihr euch über den Weg gelaufen? Zwei derlei umtriebige Charaktere, die können auch schnell mal aneinander vorbeilaufen auf dieser großen, so weiten Welt…

JM: Wir beide haben uns dann Mitte der neunziger Jahre kennengelernt, als wir in Berlin lebten; ich nach meiner Kindheit wieder ab ca. 1980, Diete bereits seit 1973. Sie hat Champion Jack Dupree, Wader, Biermann und viele andere im Wintergarten auftreten sehen. Und irgendwann lernt man Leute kennen wie Alex Morelli , der italienische Songs linear übersetzt und sie auf der Website www.cantautori.at publiziert, und wie Frank Viehweg, der nicht nur Liedermacher ist, sondern mit Unterstützung einiger Muttersprachler auch ein begnadeter Nachdichter von Songs aus dem Tschechischen (Nohavica), Russischen (Schewtschuk und andere) und sowieso Latein-Amerika ist – so wird man immer wieder aufs Neue inspiriert, seiner Neugier auf fremdes ‚Liedgut‘ nachzugehen. Sowieso war die musikalische Seite der DDR für uns ein Glück, auch wenn wir niemals auch nur im entferntesten ordentliche Kommunisten waren– die Festivals des Politischen Liedes, die Tatsache, dass dort Musik noch für was gut war und im Nachhinein, dass es dort so vorzüglich ausgebildete Lieder- und Theatermacher gab, die noch in der Arbeitswelt verwurzelt waren…

EAL: Ich glaube, das kann wirklich nicht deutlich genug gesagt werden. Ich bin zwar selbst kein Musiker, aber gerade meine journalistische Beschäftigung mit den Bands und Liedermachern der DDR hat wesentlich zu meinem Wissen beigetragen, was für vorzügliche Texte es in deutscher Sprache geben kann. Viele vorzügliche Gruppen wie Pankow oder Lift sind in den westlichen Bundesländern ja bis heute nahezu unbekannt. Oder Gerhard Gundermann, wobei ich bei dem das Gefühl habe, dass er sich – posthum, sozusagen – so allmählich auch dort eine stetig wachsende Bekanntheit erspielt.

JM: Gerhard Gundermann, dem wir leider nie persönlich zuhören konnten, war für uns Anlass, seine Lieder ins NL zu übersetzen (CD Hondsdraf), und in und im Umkreis von Hoyerswerda haben wir immer Leute gefunden, die sich über unsere Musik freuten – eine Gruppe wie Quijote aus Chemnitz, die Theodorakis und Neruda im Programm haben, steht uns inhaltlich wie freundschaftlich nah.

EAL: Aber zurück zu eurem „Europeana“-Projekt. Viele Einflüsse zu haben, interessiert zu sein und auch viele Dinge begierig aufzusaugen, das ist bekanntlich eine Sache – eine solche Platte wie den „Zeitenwechsel“ zu produzieren dann aber doch noch einmal eine ganz andere, oder?

JM: Ja, klar. Zusammen kommen wir mit Latein und Französisch natürlich auch im Italienischen, Spanischen und Portugiesischen einigermaßen zurecht, so dass wir auch da Lieder fanden, die uns gefallen haben. Für den letzten Schliff und das vollständige Verstehen eines Textes sind wir aber immer auf Muttersprachler angewiesen. Und der Reiz ist im Grunde das Europa, das uns immer vor Augen geschwebt hat, als wir beide in den siebziger und achtziger Jahren herumtrampten und den Westen, Norden und Süden des Kontinents bereisten. Dazu kam dann nach 1989 die Freude, dass auch der Osten leichter zugänglich war, obwohl das für Russland leider noch immer nicht wirklich gilt und wir bei Besuchen in Petersburg jedes Mal eine Visaprozedur durchlaufen müssen, für uns selbst, aber auch für unsere russischen Gäste, wenn wir sie hierhin einladen. Immerhin waren wir schon mal in Kaliningrad, im früheren Königsberg, auch das eine Gegend, die uns reizt – so deutsch und so russisch zugleich – gerade war ich dort im Zuge einer Ausstellungseröffnung (Fotomania), bei der auch der Berliner Fotograf Arndt Beck einige seiner Fotos zeigen konnte. Und natürlich wäre es schön, auch von dort ein Lied mit einzubringen. Heute haben wir im Rahmen des Fliedertee-Radios seit Anfang 2013 ein eigenes Radio­pro­gramm – Bunter Hahn, nach einer Gundi-Zeile, Mittwoch 21.00 bis ca. 22.30 – in dem wir als Ohneland und Löwenherz (die englischen Könige Lionheart & Lackland – lange Zeit mein Alias) moderieren. Es verführt uns dazu, allerhand Musik – hauptsächlich aus Europa einschl. Russland und Türkei, aber auch aus Süd-Afrika (die Sprache ist für NL recht leicht zu ver­stehen), dem Nahen Osten (Diete, die in Berlin viele Iraner und Kurden kannte und mal Bauchtanz gemacht hat, hat mich dazu gekriegt, mich auch mal auf Oem Kalthoum und Fairuz einzulassen) – nochmal ganz genau anzuhören und in mehr oder weniger zusammen­hängender Form zu präsentieren. Macht Spaß, und bringt eine ganze Menge neue Einsichten in Europeana. Abgesehen davon hat Diete Geschichte mit u.a. Schwerpunkt Europäische Geschichte stu­diert, und ich Wirtschaft mit Nebenfach Geschichte, somit nehmen wir fast automatisch immer auch die Landesgeschichte mit auf. Und wir fühlen uns in dem geographischen Europa samt Russland und Türkei zuhause, das ist unsere Tradition, auch wenn sich die EU gele­gent­lich sehr anstrengt, um uns Europa zu vermiesen. Spannend ist es auch, Lieder zu finden, die durch verschiedene Länder als ‚eigene‘ Songs adoptiert worden sind. Pete Seeger singt zum Beispiel ‚The great Vanity‘, das auf alte bri­tische Songs zurückgeht, wobei  ein türkisches Schiff im Text vorkommt. Boudewijn de Groot sang über die Nordsee und ein spanisches Schiff. Mein Freund Tomek Opoka hat es durch mich nach Polen gebracht, wo es jetzt auch in Shanty-Kreisen gesungen wird mit dem Titel ‚Morze Północne‘. Für Themen ist das natürlich auch der Fall, so haben wir die Bauern­kriege im 16. Jahrhundert in verschiedenen Ländern gefunden.

EAL: Klingt so interessant wie zeitaufwendig – passt eure Plattensammlung noch in eure Wohnung oder musstet ihr bereits anbauen?

JM: Der Plattenschrank füllt sich mehr und mehr, vor allem im Rahmen des Radioprogramms. Es gibt viele Songs, die noch nicht zu downloaden oder teilweise gar nicht mal auffindbar sind, und wir sammeln nun ganz gezielt Musik aus den vielen Ländern. Der Plattenschrank war bereits halbwegs voll aufgrund unserer unterschiedlichen musikalischen Vorlieben – Diete hat vor kurzen mal wieder die Electric Muse Box mit englischen Gruppen aus den 60ern und 70ern geöffnet, und da fanden wir u.a. die Dransfields. Ich selbst war im Sommer von 1974 in Portugal und habe damals einige Platten heimgebracht, die sich noch immer in meiner Sammlung befinden. Bei Auftritten und Festivals – wie letztens in Rudolstadt, wo wir bei einem tollen italienischen Konzert waren und auch ein Interview mit Sam Lee miterlebten – tausche ich CDs mit befreundeten Musikern oder versuchen wir rauszukriegen, wo es CDs zu kaufen gibt, oft nur im Eigenverlag. Wir waren letztens in Prag bei einer Ballettvorstellung mit Songs von Brel, Wyssocki und Karel Kryl  – ganz toll: Solo for three vom Nationaltheater in Prag, gibt es dort gelegentlich noch zu sehen. Und dann kauften wir gleich einige CDs von Kryl, den wir noch nicht so gut kannten, fanden im Internet eine Auseinandersetzung über Kryl und Biermann – tja, und so geht das immer weiter, rote Fäden, die uns dann wieder auf andere Spuren bringen, ein Schneeballeffekt, der uns bis heute immer noch in Atem hält. Am meisten Inspiration bieten uns unsere musikalischen Weggenossen, die uns auf Lieder aufmerksam machen.

Anfang September waren wir unterwegs in Italien, Kroatien und Bosnien. Das hat unsere musikalische Sammlung wieder bereichert. In Sarajevo waren wir im Sevdah Art House. Jetzt warten noch einige CDs mit typisch bosnischer Sevdalinke Musik darauf, von uns gehört zu werden.

Johan Meijer und Jos Koning 2 F-Diete OudesluijsEAL: Und wie entscheidet ihr bei all den Platten und Liedern, welche Songs ihr in euer Projekt einfließen lasst?

JM: Zwischen der Entscheidung ein Lied sich tatsächlich zur Brust zu nehmen und dem Gedanken daran liegen oft Jahre, manchmal Jahrzehnte. Einige der Sänger, auf die unsere Ohren und Herzen gefallen sind, sind leider nicht mehr unter uns. Teilweise haben wir uns in sie vertieft, als sie nicht mehr am Leben waren. Meine intensivste Beschäftigung mit Brel war zum Beispiel in den 90er Jahren, obwohl er schon in den 60ern auf dem Plattenteller meiner Eltern lag. Einige der Künstler kennen wir nur von CDs und Videos, anderen haben wir persönlich zuhören können. Und manchmal kommt es zu persönlichen Begegnungen und Gesprächen. Das ist natürlich die ideale Situation, weil dann die rechtliche Situation leichter zu klären ist und wir auch direkt an der Freude und Wertschätzung für unsere Übersetzung teilhaben können. Eine Anekdote: Ich wollte den ursprünglich russischen Song Abend auf Reede aufnehmen, und Sergey und unser Bassist Mischa meinten, das sei doch die Musik ihrer Eltern; aber nachher hat es ihnen doch recht gut gefallen.

EAL: Einer meiner persönlichen Favoriten auf dem Zeitenwechsel Ist „Papa, erzähl nochmal“, ein Stück von Daniel und Ismael Serrano, das Anfang der 90er Jahre entstand und den seinerzeit gerade in Bosnien wütenden Krieg besingt. Ihr habt dem Text einige aktuelle Nuancen hinzugefügt, wir stoßen dort nun auf Kriegsschauplätze wie Bagdad, Kabul und Damaskus. Ich weiß von Musikern, die sich zum Teil doch sehr dagegen verwahren, dass jemand an ihren ursprünglichen Texten „herumschraubt“. Für Daniel Serrano kein Problem?

JM: Serrano hat das Lied selbst auch geändert und aktualisiert. Das kannst du u.a. auf folgendem Video sehen http://www.youtube.com/watch?v=gpOkURgetCU (ich bin mir nicht sicher, ob das Video in Deutschland einsehbar ist). Das Lied entstand zur Zeit des Bosnienkrieges, aber hier fügt er am Schluss den Text hinzu: Sie sterben auch heute in Bagdad. Aber ob er sich wirklich über diese Änderung ärgern würde? Es liegt nahe, das Lied in seinem Sinne fortzuschreiben und nicht in der Vergangenheit stecken zu bleiben. Und natürlich ist die CD inzwischen zu ihm unterwegs.

Reinhören: Johan Meijer – „Papa, erzähl nochmal“ (vom Album „Zeitenwechsel“)

EAL: Erzähle uns doch noch einmal ein wenig, wie ich mir das vorstellen darf bei euch. Wie du es schilderst, stoßt ihr ja auf sehr viele Lieder – sofort verstehen werdet aber auch ihr nicht alle. Schreibt ihr eine Rundmail an Freunde und Bekannte in ganz Europa, euch doch Tipps zum Thema „Aufbruch“ zu geben und nach Songs in ihrer jeweiligen Sprache zu forschen? Oder übersetzt ihr Lied auf Lied, in der Hoffnung, irgendwann einmal per Zufall auf ein inhaltlich adäquates Stück zu stoßen? Wohl kaum, oder?

JM: Also, teilweise hauptberufliche Übersetzer und Dolmetscher (beide mit Diplom) sind wir ja selbst, mit einem offenen Ohr für andere Sprachen. Wenn wir irgendwie ‚Wind‘ bekommen von interessanten Liedermännern und -frauen hören wir nochmal ganz genau nach. Wenn es uns interessant scheint (Thema, aber auch Melodie!), machen wir uns richtig an die Arbeit. Gelegentlich gibt es ja schon englische oder französische Übersetzungen im Internet, und deutsche Vorlagen. Manchmal bitten wir Muttersprachler, mal zu sehen, ob wir das alles richtig verstanden haben. Bei Italienisch, Russisch, Polnisch fragen wir die uns bekannten ‚linear‘-Anfertiger. Tatsächlich gibt es manchmal Lieder, die wir einfach von Rhythmus und Melodie her schön finden. Wir machen uns unsere Gedanken darüber und ’spinnen‘ uns was zurecht, manchmal nur auf Grund eines Wortfetzens. Hinterher stellt sich gelegentlich heraus, dass wir völlig danebenlagen, uns das Lied aber dennoch sehr gut gefällt – dass es uns dann gar nicht gefällt, ist selten. Es gibt fröhliche Musik mit traurigem Textinhalt und umgekehrt, auch das gehört zur Liedkultur Europas.

EAL: Himmel, das ist eine Ambition und Elan, die schon weit über rein musikalische Ansätze hinausführen, finde ich! Das hat auf seine Weise eine fast schon, tja –  wissenschaftliche Komponente, das ist soziologisch, politisch und historisch zugleich…Wie seid ihr z.B. auf die Idee gekommen, Stephane Hessel in euer Booklet aufzunehmen?

JM: Diete arbeitet als Ehrenamtliche für Nationaal Monument Kamp Amersfoort (das war in den Kriegsjahren ein polizeiliches Durchgangslager, also eine Art KZ), wo sie mehr als 100 Interviews mit ehemaligen Häftlingen geführt hat, die aufgezeichnet worden sind. Sie hat auf Niederländisch auch 2 Bücher geschrieben, eins zum Thema ‚Orte des Nationalsozialismus in den Niederlanden‘, eins zu den Niederländern in Lagern und Gefängnissen im restlichen Reich. Für das letzte Buch haben wir beide viele Gedenkstätten besucht, und auch sonst habe ich sie bei dieser Arbeit unterstützt. Kein Wunder, dass uns dabei Stephane Hessel ‚über den Weg gelaufen ist‘; auch unter den anderen ehemaligen Häftlingen gibt es schon recht viele, die sich politisch engagiert haben, Diete kennt z.B. einen der Grundleger des niederländi­schen Europa-Gedankens. Europa gab es ja schon ein wenig in den Lagern, dort hasste man die Nazis, nicht unbedingt die Deutschen. Gut, dass sich Hessel vor seinem Tod noch einmal gerührt hat. Occupy – wir denken, dass solche Bewegungen immer wieder entstehen werden, mit unterschiedlichen Ausprägungen. Das ‚Empört Euch‘, das sicherlich nicht nur von Hessel ausgegangen ist, wird schon noch zu Dingen führen, die wir heute noch nicht überblicken können. Also: Hessel als gutes Beispiel! Ob er nun tot ist, ‚der Kampf geht weiter‘, um auf schon alte, uns nicht ganz angenehme und geheure Slogans zurückzugreifen. Als Klassen­kämpfer oder so wollen wir uns nicht verstehen, wir möchten keiner Partei angehören, sondern all das, was uns sinnvoll erscheint, ermutigen – wie Biermann: Lasst Euch nicht verhärten. In Sachen Biermann sind wir uns manchmal nicht „unserer“ Meinung – seinen heiteren, jubelnden und letztendlich doch naiven Auftritt in Köln vor dem Rausschmiss haben wir genossen, dann folgte ein völliges Unverständnis den alten Greisen gegenüber, die so einen hervorragenden Propagandisten des ‚besseren Deutschlands‘ rausgeschmissen haben – und eine unvermeidliche Enttäuschung über den Biermann, der nun im Westen fleißig Themen suchte, was uns aber auch wieder logisch erschien. Aber manche seiner Lieder gefallen uns noch wie damals – was uns in der früheren DDR nicht immer in Dank abgenommen wird, und diese Sicht können wir schon auch verstehen. Wir wollen nicht jedem kurzfristigen Trend folgen, manche Lieder haben zum Glück oft einen längeren Atem als das Tagesgeschehen.

Reinhören: Johan Meijer – Sterben für Ideen (vom Album „Zeitenwechsel“)

EAL: Als Nicht-Musiker interessieren mich stets „Produktions-Notizen“. Erzähl mal ein wenig über die Arbeit im Studio, wie habt ihr diese Platte eingespielt?

JM: Die Musik und der Text sind jeweils so aufgenommen worden, dass es durchaus möglich wäre, alle Lieder nochmal in anderen Sprachen einzusingen – die ‚endgültige‘ Stimme wurde erst nach der Basis eingesungen, manche zusätzliche Instrumente gelegentlich erst danach. Ich singe im Vorfeld der Aufnahmen immer ‚einzeln‘ mit, so dass die Stimme nochmal neu aufgenommen werden kann. Loek Schrievers ist zusammen mit Manager Jan van Eerd ein vorzüglicher Kenner der unterschiedlichen Musiktraditionen, auch die Musiker selbst bringen immer Ideen mit ein – z.B. diesen Song lieber im südafrikanischen Township Sound usw. Die niederländisch-sprachige CD Hondsdraf (Gundermann) hatte ich mit dem Weggefährten von Gundermann Bernd Nitzsche zusammen auf Deutsch einsingen wollen, und es steht immer noch ein Projekt im Raum, Europäisches Fördergeld für einen Workshop zu beantragen, um ‚Gundi‘ ins Polnische, Russische, Tschechische, Englische, Italienische und Französische usw. zu übersetzen und, wenn möglich, aufzunehmen. Je nachdem könnten wir eventuell die vorhandene Musik zur Verfügung stellen. Dabei gibt es natürlich wieder andere Probleme – Bernd meinte damals, es wär nicht so einfach, die Schwarze Galeere – sein Lieblingslied – einzusingen, weil die musikalischen Akzente im NL ein wenig anders sind als im Deutschen. Aber im Allgemeinen können in NL bzw. Deutsch aufgenommene Lieder auch in der jeweils anderen Sprache eingesungen werden, auch wenn man gelegentlich ein wenig Kreativität dazu braucht. So wollte ich Dota Kehrs ‚Utopie‘ auch auf Niederländisch einsingen, protestierten aber Loek und Jan sofort, weil die erste Zeile mit dem zweisilbigen ‚Die Welt‘ ein Statement sei, das man so nicht auf Niederländisch äußern könne, da es dort drei Silben seien (‚De wereld‘). Tja. Wir besinnen uns auf andere Worte, um das Lied auch in den Niederlanden auch für sie akzeptabel zu machen, denn es ist ein tolles Lied, das wir uns in NL auch gut vorstellen können. Schön wäre es auch, wenn z.B. einer der ‚großen‘ Interpreten sein Lied mit unserer Musik einsingen möchte!

EAL: So sehr ich mich freue, dass ihr so ausgiebig auf Deutsch singt – so sehr liegt dennoch die Frage auf der Hand, warum ihr das überhaupt macht? Hat das, was ja durchaus verständlich wäre, auch kommerzorientierte Gründe? Es gibt halt doch mehr Menschen, die Deutsch sprechen…

JM: Wir haben den Eindruck, dass es im deutschen Sprachbereich ein größeres Publikum gibt, das anspruchsvolle Lieder in der eigenen Sprache hören möchte. In den Niederlanden ist die Englisch-Fraktion schon seit langem sehr viel größer als in Deutschland; Niederländisch wird von den meisten jüngeren, teilweise gut ausgebildeten Singer-Songwritern meist vernach­lässigt – das ist die Sprache der niederländischen Form des Schlagers, dem Smartlappen (Schmerzlappen!), in etwa: Lebenslied. Wer Französisch singt, kann noch als Exot durchgehen, aber Deutsch ist eigentlich kein Thema. Anderer­seits hat unsere Wahl für Deutschland auch mit Quantität zu tun. Der niederländische Sprachraum umfasst ungefähr 22 Millionen Menschen (die Niederlande und das belgische Flandern), in den deutschsprachigen Ländern sind es 100 Millionen. Die Niederländer, mit denen wir zusammen arbeiten, sind manchmal der Meinung, dass unsere Lieder im Deut­schen besser klingen. Wir wollen weiterhin aber auch auf Niederländisch CDs heraus­geben; hier verdienen sie es auch, gute ursprünglich deutsche Texte oder Lieder aus anderen europäischen Ländern zu hören. Niederländer der jüngeren Generation sind oft des Deutschen kaum noch mächtig. Einer der letzten deutschen Hits, die in den Niederlanden Erfolg hatten, war ’99 Luftballons‘ aber seitdem gibt es praktisch nichts mehr.

EAL: Gut, Nena war bekanntlich auch in den USA ein Hit. Nachhaken möchte ich dennoch beim Thema „Gundermann“, den du wie erwähnt ins Niederländische übertragen hast. Das ist ja nicht nur sprachlich betrachtet eine Herausforderung, sondern auch durch die Lebenswirklichkeit. Interessieren sich Niederländer für das Leben in der damaligen DDR?

JM: Mit den Worten und Zeilen kommen wir im Niederländischen zurecht, wenn wir ab und zu auch sehr kreativ sein müssen, um sinngemäß zu bleiben. Etwas anderes ist die Tatsache, dass die DDR den meisten NLern (und vermutlich vielen heutigen Gesamtdeut­schen) nicht viel (mehr) sagt. So war das Lied ‚Krieg‘ mit der Zeile ‚Wir lagen uns gegenüber, die Front war das Meer‘ besser verständlich, wenn wir auf Ost-West umgemünzt haben, wobei das Unbehagen hörbar bleibt: ‚aber ich singe und bringe nicht um …‘ Das Lied, das von Tagebau und von der Eisenbahn handelt (Und musst Du weinen), haben wir auf Unterta­gebau und Fischerei übertragen, in den NL die traditionellen Berufe (wo allerdings Frauen nichts zu suchen hatten). Glätten wollen wir aber nichts, es soll nur besser verständlich, einfühlbar werden. Ein Rest von Fremdheit soll aber auch bleiben, das Lied soll ‚historisch‘ nicht seinen Wert verlieren. Weiterhin sind wir der Meinung, dass Gundermann teilweise Lieder gemacht hat, die sehr spezifisch auf seine regionale und zeitliche Situation Bezug hatten, aber dass er andererseits Texte geschrieben hat, die eines Tages zum ‚Weltkul­turerbe‘ gehören werden. Die Texte sind für Amsterdam genauso gültig wie für Hoyerswerda. Das klingt vielleicht für Außenstehende etwas übertrieben, aber man möge uns verzeihen: wir sind feurige Fans. Auch unseren Musikern hat ‚Gundi‘ gefallen.

EAL: Ich hoffe du verzeihst mir diese absolute Klischee-Frage, aber – so wahnsinnig groß sind die Niederlande ja nun nicht und so viele Liedermacher gibt es eventuell auch wieder nicht – was für ein Verhältnis habt ihr eigentlich zu dem, nun, „Über-Niederländer“ Herman van Veen?

JM: Herman van Veen wohnt nicht so weit von uns entfernt (wir wohnen am Soesterweg in Amersfoort, er wohnt nach unseren letzten Informationen im nahe gelegenen Soest), aber wir haben kaum etwas mit ihm zu tun gehabt, außer als seine Texte mal in Oranienburg bei der Landesgartenschau genutzt werden sollten. An sich merken wir, dass viele Deutsche viel von ihm halten – und dabei oft genau die Dinge sagen, die uns als Niederländer geläufig sind, uns also nicht unbedingt ins Auge bzw. ins Ohr fallen. Aber kein böses Wort über den Herman, er ist schon ein toller Sänger, Musiker und Theatermann. Es irritierte mich aber schon mal, wenn mein Akzent mit seinem verglichen wurde – dabei fühle ich mich doch eher ‚Kulturdeutscher‘; aber das wird weniger. Es gab auch noch Bots, Rudi Carrell und Robert Long und es gibt Sven Radtke, und neuerdings Ellen ten Damme. Niederländische Artisten sind immer gerne in Deutschland aufgetreten, schon vor dem Krieg und danach, weil sie dort ein ‚dankbares und treues‘ Publikum finden. Wir haben uns aber eher für die Liedermacher aus NL und Flandern interessiert, die in D noch kein Publikum haben, es aber verdienen, und haben das u.a. mit ‚Liedermannen‘ umgesetzt. Selbst bin ich anfangs vor allem von deutscher Tradition beeinflusst worden, und dann gab es natürlich die niederländischen Kirchengesänge und Psalmen meiner Jugend im Pfarrhaus – in Deutschland bin ich da ein Fan von Paul Gerhardt (Die Güldene Sonne). Aber auch von der Carmina Burana, wie dies in meinem Fußball-Song ‚Concordia‘ (für die Frankfurter Eintracht) anklingt. Im Niederländischen haben wir einige Favoriten – wie aus Belgien Willem Vermandere und Lieven Tavernier, außerdem Stef Bos, der in Belgien wohnt und auch in Süd-Afrika auftritt, Daniel Lohues, und die Generationsgenossen Bram Vermeulen und Lennart Nijgh, die bereits verstorben sind.

EAL: Was leider auffällt: So sehr du dich künstlerisch durch halb oder ganz Europa schlägst – live zu sehen bist du ziemlich selten…

JM: Auftritte hatte ich meist in Berlin und im Osten Deutschlands – und das ist schlecht zu kombinie­ren mit meiner bisherigen Arbeit im IT-Bereich (mit 40 Stundenwoche). Es kostet einschl. Reisezeit immer wieder zu viele Urlaubstage, die wir gerne ‚irgendwo in Europa‘ unter­wegs sind. Auch ist es nicht einfach, andere Musiker – z.Zt. Geiger Jos Koning, mit dem ich das Programm ‚Kirschen Essen‘ entwickelt habe – mitzunehmen, auch sie arbeiten hauptberuf­lich in den Niederlanden. Wir waren letztens in Chemnitz und treten in Berlin im Budzinske – also bei euch! – und im November bei den Boltenhagener Liedertagen auf.

EAL: Und in den Niederlanden? Lohnt es sich, dort mit dem Zeitenwechsel aufzutreten?

JM: In den NL gibt es für deutschsprachige Musik ein eher nur ganz kleines Publikum und kaum Clubs, die niederländischsprachige Musik bringen. Weil ich demnächst vermutlich etwas mehr Freizeit haben werde, hoffe ich, 2014 eine Art von Tour hinzubekommen. Aber eigent­lich brauchen wir erst einmal einen Tour Manager oder eine Agentur in Deutschland, der oder die das alles auf die Reihe kriegt – denn es ist außerordentlich lästig, neben der Arbeit her so etwas zu organisieren. Das merken wir bei der Gruppe Kompania, einer hervorragen­den Gruppe griechischer Musiker, für die ‚unser‘ Studio Konzerte in D zu organisieren ver­sucht – und dazu noch die Werbung versorgen, usw., das ist im Grunde Profi-Arbeit, die wir so nicht leisten können. Aus diesem Grunde haben wir uns während der letzten Jahre in den Abendstunden und an Wochenenden auf Studio-Arbeit konzentriert, aber die Bühne lockt natür­lich schon und dann nicht nur, weil bei Konzerten immer so viele CDs verkauft werden.

EAL: Eine weitere Frage liegt ebenfalls noch auch der Hand – du scheinst mehr Freude daran zu haben, die Musik anderer aufzuspüren und zu bearbeiten als eigene Lieder zu komponieren. Oder täuscht dieser Eindruck?

JM: Ich schreibe schon seit 1972 eigene Songs; aber gerne zu Themen, die noch nicht von anderen schon längst treffend in Worte gefasst sind. Ich habe noch eine Menge Songs auf Lager, darunter auch eher komische Nummern wie Südsee: Ach wenn Deutschland nur ne Südseeinsel wär oder Mof (das ist das niederländische Schimpfwort für Deutsche): Ik ben een mof, een zuurkoolvreter (Ich bin ein Moff, ein Sauerkrautfresser) mit den letzten Zeilen: hier staat een Neder- daar een Bovenduitser, het blijft een raar soort Unter-Übermensch (Hier steht ein Nieder- dort ein Oberdeutscher, es bleibt eine komische Sorte Unter-Übermensch). Seit einiger Zeit traue ich mich, Lieder auch in ‚meinem‘ deutschen Dialekt, dem Hessischen aus meiner Jugend, zu singen – das verdanke ich Henk Scholte, Mitglied der Gruppe Törf und Radiomann, der regelmäßig schöne Sendungen zum Thema ‚Musik und Dialekt‘ versorgt. Es gibt sicherlich auch eigene Texte, die ich gerne im Hessischen singen würde, dann sind sie ’näher am Herzen‘, wie ich selbst verspüre. Ich hatte bisher jedoch wenig Zeit, mir die eigenen Lieder wirklich vorzunehmen. Es wäre zudem für die Kasse nicht schlecht, auch eigene Lieder zu ‚vermarkten‘. Jedes Mal, wenn ich einen eigenen Song einbringe, weil er zum Thema passt, machen die Musiker was ganz Tolles aus der Melodie, zuletzt ‚Insel im Roten Meer‘, aber auch meine Lieder Zur Elbe und Nata­scha (über die Zwangsarbeit), und Binnen is het licht (Drinnen scheint das Licht), das zu meinem anfänglichen Erstaunen von Frank Vieweg übersetzt und aufgenommen wurde – ganz schön, das mit ihm oder auch mit der Gruppe Quijote zu singen. Wenn ich ein wenig mehr Zeit habe, werde ich nochmal überlegen, welche eigenen Songs zu den Europeana passen. Aber es gibt auch noch viele Lieder von anderen, die gesungen werden wollen.

Homepage Johan Meijer: www.nederossi.com

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 3. Oktober 2013 von in 2013, Artikel & Interviews, Liedermacher, M-P, Meijer, Johan und getaggt mit , , , , , .
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