Ein Achtel Lorbeerblatt

Das Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunstmagazin

Rezension: Ron Diva – Im Westen der Stadt

Imwestenderstadt

von Simon-Dominik Otte

Ganz leise, gefühlvoll und sanft kommt „Im Westen der Stadt“ in Gang, wenn Ron Diva davon erzählt, wie man sich gegenüber steht, in einem Hausflur im – eben – Westen der Stadt. Fast schon leider wird die Instrumentierung von „Weil du da bist“ dann immer opulenter und lässt die anfängliche Stimmung etwas verschwimmen und verschwinden. Aber der Mann aus Ostwestfalen, diesem im Namen schon so gegensätzlichen Gebiet Deutschlands, schafft es dennoch, seine Botschaft über seine Texte zu vermitteln.

Und er erklärt uns auch gleich, warum er nicht, wie viele seiner Nachbarn, ins große Hamburg zieht („doch jedes Mal, wenn ich bei dir bin, wird das Herz mir so schwer“ („HH“)). Er tut dies mit klassischen Popmelodien, die Ron Diva manchmal gar als Big Band-Sound auslegt, die sich allerdings außerhalb jeder Klischeehaftigkeit oder Eintönigkeit befinden, sondern vielmehr zum Gesamtbild passen, weil sie sich teilweise so hervorragend mit dem Inhalt reiben (so wie das Ost und das West in Ostwestfalen).

Es ist nahezu selbstverständlich, dass sich die Lieder auf diesem Album um die großen Themen Liebe und Leben drehen, ihnen persönliche und eigenartige Facetten abgewinnen, die sie besonders und hörenswert machen, selbst, wenn man bei manch einem Song an Marius denken muss.

„Ich muss raus aus dem Bett / und raus aus der Stadt / aus allem, was wehtut / und deinen Vornamen hat“ („Lauf“). Treffend ausgedrückt, nicht nur die Formulierung, nein, auch ihr Inhalt trifft wohl jeden Hörer sofort an einer empfindlichen Stelle und lässt Bilder vor dem geistigen Auge entstehen, die wegdriften, das Drumherum vergessen und die Vergangenheit anklopfen lassen. So verpasst man zwar möglicherweise das nächste Lied, aber glücklicherweise kann man dieses ja erneut abspielen. Nur, um sich auch in ihm zu verlieren und neue Bilder und Geschichten zu sehen und zu hören, die das eigene Leben schon gemalt und geschrieben hat. „Erinnerungen stehen am Straßenrand“ („Größer als du“), so in etwa.

Ganz schön viele Menschen sind auf dem Kornboden zusammengekommen, um dieses Album einzuspielen, einzuklatschen und einzusingen. Da lief viel in Eigenregie, das kann man schon dem Inlay der CD entnehmen, hier scheinen Freunde ein Gesamtkunstwerk geschaffen zu haben, auf das sie stolz sein wollten und können. Diese teils poppige, teils countryeske, teils liedermachende Art der Musik findet ihre Freunde sicherlich in vielen Bereichen der Musikliebhaber, bei denen, die es laut und solchen, die es leise mögen.

Und wenn dann „Die letzte Bahn“ gefahren ist, die „Nacht sich legt auf mein schweres Herz“, dann ist man vielleicht allein im möglicherweise auch noch kalten Zimmer, aber das in dem Wissen, eben nicht alleine zu sein, sondern viele Menschen in ähnlichen Situationen um und bei sich zu wissen, wie ich es zuletzt bei Enno Bungers „Regen“ gefühlt habe. Gewünscht hätte ich mir, dass mit diesem Lied auch das Album endet. Nicht, weil „Hals über Kopf“ ein schlechter Song ist, eher, weil es meiner Meinung nach das perfektere Ende gewesen wäre. Aber das ist natürlich nur eine Randnotiz.

Auch, wenn es natürlich inhaltlich anders gemeint ist, kann man den potentiellen Hörern nur zurufen: „Und dir, dir viel Spaß!“ („Die letzte Bahn“). Denn Spaß hat nicht immer etwas mit lustig zu tun. Sondern auch mit Hirn. Also, habt Spaß!

www.rondiva.de

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 8. Oktober 2013 von in 2013, A-D, Liedermacher, Plattenbesprechungen, Uncategorized und getaggt mit , , , , , , .
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