Ein Achtel Lorbeerblatt

Der Lied- & Chansonblog von David Wonschewski

Rezension: Bodo Wartke – Klaviersdelikte live in Bremen

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von Sophie Weigand

Es ist ein lang ersehntes und ungeduldig erwartetes Album, das Anfang des Monats das Licht der Welt erblickte. Im Februar zeichnete Bodo Wartke in Bremen seine Klaviersdelikte auf, für eine DVD und eine Live-CD. Das Album selbst ist nicht neu, bereits 2012 erschienen hat es schon einige Entwicklungen durchlaufen, neu war jedoch zum damaligen Zeitpunkt, dass es sich um ein Studioalbum handelte. Alle anderen Alben, von „Ich denke, also sing ich“ bis „Noah war ein Archetyp“ waren Live-Aufzeichnungen von Konzerten, was, bedenkt man Wartkes unbestreitbare Entertainer-Qualitäten, die erst in der Interaktion mit dem Publikum gebührend zum Tragen kommen, eigentlich nur logisch war. Mit ‚Klaviersdelikte‘ als Studioalbum versuchte Bodo Wartke Neues auszuprobieren, sich weiterzuentwickeln. Nichtsdestotrotz erwarteten nun natürlich alle mit glänzenden Augen das, was sie an dem Schwartauer Wortakrobaten am meisten schätzen: Das Live-Entertainment!

Wie bei Wartke und vielen seiner Kollegen üblich entwickelt sich das Programm natürlich im Laufe des Spielens, neue Lieder kommen hinzu und drängen an die Öffentlichkeit. Diese Umstände sorgen nicht nur für ein höchst unterhaltsames, sondern auch überraschendes Programm, das man, kannte man bisher nur die 2012 erschienene Studioversion, ganz anders schätzen lernt. Das beginnt bereits mit dem eigens für die Aufnahme komponierten Instrumental-Intro, das die Melodie von „Stille“ vorwegnimmt, führt zu den titelgebenden Klaviersdelikten, die man bisher ja lediglich auf der Bühne erleben konnte und gipfelt in „Der Vogelfänger bin ich ja“. Wer sich bisher ärgerte, nicht nochmal hören zu können, wie Wartke mit Boxhandschuhen seinen Flügel malträtiert und dabei samt Mundschutz „Eye Of The Tiger“ singt, ist nun in der glücklichen Lage, das nachzuholen. Denn eigentlich geht es ja um die GEMA. Und U(nterhaltungs) – und E(rnste)-Musik.

Bodo Wartke ist ein Liebhaber Mozarts, das weiß man spätestens seit dem grandiosen „Alla Turca Stomp“, Wartkes Boogie-Woogie Version des türkischen Marsches. Mit „Der Vogelfänger bin ich ja“ hat er sich nun der Zauberflöte und der Arie des Papageno angenommen. Mit Mundharmonikaklängen und originalgetreuem Text beginnt auch Wartkes Version noch ganz klassisch, wandelt sich aber nach und nach in ornithologischen Massenmord, in einen schieren „Papagenozid“, wie es heißt. Zu den Melodien von „Alle Vögel sind schon da“, „Alle meine Entchen“ und „Auf einem Baum ein Kuckuck“ beißt das Federvieh reihenweise ins Gras. Hier offenbart sich die kompositorische Brillianz eines Bodo Wartke, der spielerisch klassische und eigene Melodien vereint, stets mit dieser Prise verschmitztem Humor und allerhand Wortwitz. Mit „Facile“ hat es auch ein weiteres bearbeitetes Instrumentalstück Mozarts auf die Klavirsdelikte geschafft.

Die bereits bekannten Lieder, unterbrochen von den gewohnt charmanten und wortakrobatischen Zwischenmoderationen, entfalten live natürlich nochmal eine ganz eigene Kraft. Als Zugabe darf sich der geneigte Liebhaber über ganz neues Material freuen, „Happy End“, ein höchst kunstvolles Stück über zahlreiche Liebesdilemmata und das „Schlaflied“, haben es ebenso auf die Platte geschafft wie „Bettina“, eines der typisch benutzerdefinierten Liebeslieder, das bisher in keinem Programm wirklich heimisch war. Insgesamt ist „Klaviersdelikte – live in Bremen“ also jede Investition wert, bereichert sie doch das bisherige Erlebnis des aktuellsten Wartke-Programms noch um ein Vielfaches. Bodo Wartke tut eben das, was er am besten kann – live mit spielender Leichtigkeit ein ganzes Publikum für sich einnehmen.

Zur Rezension der Studio-CD Klaviersdelikte: Hier klicken

Zum Konzertbericht Klaviersdelikte:  Hier klicken

www.bodowartke.de

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 13. Oktober 2013 von in 2013, Liedermacher, Plattenbesprechungen, Uncategorized, Wartke, Bodo und getaggt mit , , , , , .
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